Zahlung der Tempelsteuer. Matthäus 17:24-27

von Edwin Boschmann

Zahlung der Tempelsteuer. Matthäus 17:24-27

In den vergangenen Sonntagen habe ich über Jesu Aussagen zu diversen Themen gepredigt. Bei der vorletzten Predigt hat Jesus die Jünger über die Nachfolge im Reich Gottes aufgeklärt. Bei der letzten Predigt ist Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes auf den Berg der Verklärung gegangen. Kurz nach der Verklärung Jesu sind die Jünger, vereint mit den anderen Jüngern, wieder in Galiläa und kommen nach Kapernaum. Da geht es erst einmal um Geld. Wie so oft in der Bibel.  

Geld ist ein heikles Thema. Wir alle meinen nicht genug davon zu haben, obwohl wir eine der reichsten Nationen der Welt sind. Wer von uns würde sich nicht über eine extra Million Euro freuen? Die meisten von uns wüssten sehr schnell, was sie damit tun könnten.
Jesus war anscheinend zu dem Zeitpunkt, wahrscheinlich wie immer, knapp bei Kasse. Er sollte die Tempelsteuer zahlen, konnte sie aber nicht aus der Portokasse begleichen. Doch nun lese ich uns erst einmal den Text: „Als sie nun nach Kapernaum kamen, traten zu Petrus, die den Tempelgroschen einnehmen, und sprachen: Zahlt euer Meister nicht den Tempelgroschen? Er sprach: Ja. Und als er in das Haus kam, kam ihm Jesus zuvor und sprach: Was meinst du, Simon? Von wem nehmen die Könige auf Erden Zoll oder Steuern: von ihren Kindern oder von den Fremden? Da sprach zu ihm Petrus: Von den Fremden. Jesus sprach zu ihm: So sind die Kinder frei. Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh hin an das Meer und wirf die Angel aus, und den ersten Fisch, der heraufkommt, den nimm; und wenn du sein Maul aufmachst, wirst du ein Zweigroschenstück finden; das nimm und gib's ihnen für mich und dich.“

 

  1. Jesus ist in Verzug

Jeder Mann, 20 Jahre und drüber, musste z.Z. Jesu jährlich im März die Tempelsteuer zahlen. Von diesen Geldern wurde der Betrieb des Tempels gedeckt. Die Höhe der Abgabe betrug ca. 2 Arbeitstage Lohn. Heute wären das ganz grob geschätzt 300 Euro pro Mann pro Jahr. Wenn Jesus also für sich und für Petrus zahlen sollte, dann waren das umgerechnet ca. 600 €, die er auf den Tisch legen musste.

Ich weiß nicht wie finanzkräftig ihr seid. Wäre es euch möglich 600 € schnell aus der Portokasse zu zahlen um irgendeine Steuer zu begleichen? Ehrlich gesagt, ich glaube den meisten von uns dürfte das sehr leicht fallen. Auch wenn es uns wesentlich leichter fallen dürfte so viel Geld für eigene Bedürfnisse auszugeben.

Bei Jesus war es nicht so. Die gesamte Kasse für die 12 Jünger und noch Jesus dazu hatte nicht genug Geld drin um diese Kosten zu übernehmen. Der Herr der Welt ist knapp bei Kasse. Wie kann das sein?

Steckt möglicherweise ein Prinzip dahinter, das wir gar nicht mehr kennen und schon gar nicht für uns anwenden? Nämlich das Geld, das nicht wirklich gebraucht wird, dorthin zu lenken wo es gut gebraucht werden kann? Wenn wir als Land und Einzelpersonen konsequent so handeln würden, wäre es besser um unsere Welt bestellt. Würden alle reichen Länder und Menschen so handeln, hätten wir keine armen Länder oder arme Menschen.

Jesus handelt zumindest nach diesem Prinzip, das er bei der Bergpredigt erwähnt hatte. Da sagt er „unser himmlischer Vater ernährt sie doch“. Jesus weiß sich von seinem himmlischen Vater getragen, auch finanziell getragen. Er muss nicht Reichtümer ansammeln, um für Eventualitäten zu sorgen. Jesus braucht keine finanziellen Reserven, wie wir sie alle mehr oder weniger haben. Stattdessen schickt Jesus Petrus zum Fischen. Er soll den ersten Fisch nehmen und das Geld aus dessen Maul zur Deckung der Tempelsteuer nehmen.

So etwas habe ich noch nie erlebt. Meine Eltern waren als Missionare allerdings immer knapp bei Kasse. Als Familie durften wir oft erleben, wie Gott versorgt hat. Niemals im Voraus, immer genau zur rechten Zeit. Niemals für großen Luxus, aber immer genug. Zu unserer Studienzeit war es nicht anders. Und studieren in Kanada kostet richtig viel Geld. Gott hat uns versorgt, oft auf erstaunlicher Weise, immer zur rechten Zeit.

Ich bin mir sicher, durch unsere Lebensart die wir hier in Deutschland normalerweise führen, berauben wir uns der Möglichkeit Gott in finanziellen Belangen in unserem Leben aktiv zu erleben. Ich habe das Gefühl, finanzielle Sicherheit ist uns wesentlich wichtiger als finanzielle Abhängigkeit von Gott.

 

2. Wer zahlt wo Steuern?

Die Tempelsteuer ist bei uns vergleichbar mit der Kirchensteuer. Das haben wir als Freikirche natürlich nicht, aber Kirchensteuern gibt es bei uns in Deutschland durchaus.

Als erstes fällt mir auf, dass der Fisch gerade genug Geld ausspuckt um den Betrag der Tempelsteuer zu decken. Es ist nicht mehr und nicht weniger. Für Jesus wäre es ein kleines gewesen, den Fisch dazu zu bringen zwei Silberstücke auszuspucken. Nein, es musste gerade genug sein. So handelt Gott in unserem Leben. Wir bekommen was wir brauchen, immer zur richtigen Zeit und genau genug um unsere Bedürfnisse zu decken. Diese Wahrheit finde ich in vielen Bereichen unseres Lebens bestätigt. In finanzieller Hinsicht, Kraft bei Krankheiten und Prüfungen und in anderen Lebenslagen. Jesus gibt uns das, was wir brauchen, aber nicht um es für die Zukunft zu horten. So wie beim Manna in der Wüste, das gehortet schlecht wurde. So handelt Gott.

Als zweites fällt mir auf, dass Jesus selber aktiv wird. Petrus wird angesprochen, aber es ist Jesus, der Petrus als erstes anspricht. Er nimmt diese Verantwortung ernst und kümmert sich darum, dass die Zahlung erledigt wird. Die Zahlung von Steuern ist bei uns automatisiert. Im Normalfall haben wir nichts damit zu tun. Bei Abgaben an unsere Gemeinde oder freiwillige Gaben an Werke oder sonst wo sieht es schon anders aus. Da müssen wir schon selber aktiv werden. In dem Bereich muss ich euch loben. Immer wieder hören wir von unserem Kassierer, dass ihr eure Verantwortung gut und gern wahrnimmt. Das ist sehr erfreulich. Nicht nur für die Gemeindekasse, aber auch, da es das Herz Jesu wiederspiegelt. Die Frage steht trotzdem für jeden einzelnen im Raum, ob wir gerne geben. Ist fröhliches Geben ein Prinzip in unserem Leben, oder tun wir uns schwer damit? Wenn wir verstanden haben, dass alle Gaben die wir haben sowieso von Gott kommen, und dass er sie sehr wohl uns auch vorenthalten kann, dann mag das helfen gerne zu geben. Und zwar nicht nur an die Gemeinde.

 

3. Was müssen wir als Christen wirklich zahlen?

Interessant in diesem Text ist die Aussage Jesu, dass sie eigentlich gar nicht zahlen müssten. Das ist für uns nicht ganz leicht zu verstehen. In vielen Ländern dieser Erde ist es aber durchaus so, dass die Regierenden und ihre Familien keine Steuern zahlen. Sie leben ja von den Steuern der Bevölkerung. Sie bereichern sich oftmals illegal am Geld des Volkes. Selber zahlen gehört aber nicht zum Konzept. Solch ein Verständnis war z.Z. Jesu durchaus normal. Es fing ganz unten an bei den Steuereintreibern und steigerte sich bis zur Elite.

Jesus meint aber nicht, dass wir uns an einem korrupten System beteiligen sollen. Das wäre falsch gedacht. Vielmehr sind wir als Gotteskinder eigentlich befreit davon irgendetwas im Reich Gottes bezahlen zu müssen. Verpflichtungen sind passé. Wir sind Gottes Kinder und Gott kann sehr wohl auf seine eigenen Sachen aufpassen.

Mit diesem Denken bricht Jesus mit dem Alten Testament. Der Tempel war zentral im Denken des Alten Testaments. Auch die Steuern zum Erhalt des Tempels waren wichtig. Viel wichtiger als die erzwungenen Abgaben an die Römer. Es ging ja um das Zentrum jüdischen Glaubens, um die Stätte in der die Gegenwart Gottes wohnt. Jesus schaut aber schon in die Zukunft und weiß sehr wohl, dass der Tempel nicht mehr lange stehen wird.

Jesus fordert Petrus auf den Beitrag für sie beide zu zahlen, damit sie keinen Anstoß geben. Was bedeutet das für uns? Im Finanzbereich wenig. Wer von uns weiß schon, wie viel sein Sitznachbar bei uns in der Gemeinde verdient, an Steuern zahlt und sonst wo spendet? Das ist für uns Deutsche ein absoluter Tabubereich.
Die Frage stellt sich trotzdem, wo wir anderen Menschen zum Anstoß werden können, es aber aus christlicher Rücksichtnahme nicht tun. Da gibt es für uns Christen sicherlich eine Vielzahl von theologischen Themen, die in diesem Gebiet fallen. Reibe ich meine Überzeugung über Ehescheidung und Wiederheirat allen anderen unter die Nase? Wie sieht es bei meinem Verständnis von Toleranz oder Wahrheit aus? Wie in meinem Verständnis wie ein Gottesdienst optimal auszusehen hat? Unterschiedliche Leute aus unserer Gemeinde denken in diesen Bereichen, und in vielen anderen Bereichen auch, unterschiedlich. Wir leben ja schließlich in einer pluralistischen Gesellschaft. Jesus greift diese Herzensweite hier auf, Paulus greift sie an anderen Stellen mit anderen Themen wieder auf. Da geht es um das Halten von besonderen Tagen, um die Beschneidung, um Essen und vielen anderen Dingen.

 

Doch nun zurück zum Thema Geld. Mein und dein Umgang mit Geld soll auf gegenseitige Rücksichtnahme bestehen, nicht auf Rechthaberei oder unlauterem Druck. Jesus nimmt mit seinem Zahlen der Tempelsteuer Rücksicht auf den Steuereintreiber sowie auch auf Petrus, der fest davon überzeugt ist, dass diese Steuer bezahlt werden muss. Jesus selber denkt nicht, dass er dazu verpflichtet ist diese Steuer zu zahlen. Er sieht sich als befreit davon, auch wenn er diese Freiheit nicht nutzt.

Mein und dein Umgang mit Geld und anderen Themen soll von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt sein. Auch wenn ich meine ich muss dies oder jenes nicht tun, kann und darf ich es aus Rücksichtnahme tun. Oder auch umgekehrt. Wenn ich z.B. meine, ich darf Alkohol trinken, dann muss ich das nicht automatisch in allen Kreisen tun.

 

Umgang mit Geld, aufeinander Acht haben. Einander Respekt erweisen. Oberflächlich scheint dieser Text aus Matthäus 17 nur die konkrete Tempelsteuer anzusprechen. Die Art und Weise wie Jesus handelt spricht aber eine andere Sprache. Es geht darum was für eine Haltung wir generell zu unseren Finanzen haben. Aber es geht auch ganz stark darum nicht eigene Rechte in Anspruch zu nehmen, sondern den anderen höher zu achten als sich selbst. Ich wünsche uns Wachstum in diesen Bereichen. Eine selbstverständliche Umsetzung im Alltag, wie es bei Jesus und der Tempelsteuer war.

                                                           Möge uns unser Herr darin segnen und wachsen lassen.

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