Wer ist so wie Gott? Jesaja 40:12-31

von Edwin Boschmann

Wer ist so wie Gott? Jesaja 40:12-31

Wenn ich in meinem Leben zurückschaue, dann hat kein Platz auf Erden so einen starken Eindruck bei mir hinterlassen wie der Grand Canyon. Bereits die sehr lange Anfahrt über gewaltige Naturbereiche ist beeindruckend. Dann kommt man zum Grand Canyon und ist einfach von der schieren Größe und Gewalt vollkommen beeindruckt. So ging es mir. Wer sind wir als Menschen, wenn wir so etwas Gewaltiges und Großes sehen? Ich bin mir damals so wie eine kleine Ameise vor dem großen Ozean vorgekommen. Jesaja greift im Kapitel 40 diesen gewaltigen Unterschied zwischen Mensch und Gott auf. Ich lese uns die Verse 12 -31:

„Wer misst die Wasser mit der hohlen Hand, und wer bestimmt des Himmels Weite mit der Spanne und fasst den Staub der Erde mit dem Maß und wiegt die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Waage? 13 Wer bestimmt den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber unterweist ihn? 14 Wen fragt er um Rat, der ihm Einsicht gebe und lehre ihn den Weg des Rechts und lehre ihn Erkenntnis und weise ihm den Weg des Verstandes?

15 Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein. 16 Der Libanon wäre zu wenig zum Feuer und seine Tiere zu wenig zum Brandopfer. 17 Alle Völker sind vor ihm wie nichts und gelten ihm als nichtig und eitel. 18 Mit wem wollt ihr denn Gott vergleichen? Oder was für ein Abbild wollt ihr von ihm machen? 19 Der Meister gießt ein Bild und der Goldschmied vergoldet's und macht silberne Ketten daran. 20 Wer aber zu arm ist für eine solche Gabe, der wählt ein Holz, das nicht fault, und sucht einen klugen Meister dazu, ein Bild zu fertigen, das nicht wackelt. 21 Wisst ihr denn nicht? Hört ihr denn nicht? Ist's euch nicht von Anfang an verkündigt? Habt ihr's nicht gelernt von Anbeginn der Erde? 22 Er thront über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt; 23 er gibt die Fürsten preis, dass sie nichts sind, und die Richter auf Erden macht er zunichte: 24 Kaum sind sie gepflanzt, kaum sind sie gesät, kaum wurzelt ihr Stamm in der Erde, da bläst er sie an, dass sie verdorren, und ein Wirbelsturm führt sie weg wie Spreu. 25 Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich sei?, spricht der Heilige. 26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. 27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? 28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

 

  1. Gott – erhaben über alle

Viele Fragen werden gestellt, die alle auf das Eine hinaus laufen: Wer sind wir als Menschen im Vergleich zu unserem Gott? Der Mensch ist wie Staub in diesem Vergleich – einfach nichtig. Wir können Gott mit unserem Verstand nicht fassen oder gar erforschen. „Wer misst die Wasser mit der hohlen Hand? Wer bestimmt den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber unterweist ihn? Wen fragt er um Rat? Mit wem wollt ihr denn Gott vergleichen?“

Gott wird in diesen Versen als übermächtig groß und distanziert, erhaben und unverfügbar dargestellt. Gott ist Gott und wir sind nur kleine Würmchen auf Erden.

Diese Eigenwahrnehmung von uns Menschen als klein und nichtig war früher wesentlich stärker ausgeprägt als heute. Wenn man gar nicht so lange zurückschaut, dann waren die allermeisten Menschen in der Landwirtschaft tätig. Bei Katastrophen, und die gab und gibt es regelmäßig, gab es keine Versicherungen oder staatliche Hilfen. Man war früher den Naturgewalten wesentlich direkter und stärker ausgeliefert als heute.
Und doch sterben auch heute in Deutschland genug Leute bei Naturkatastrophen. Bäume stürzen um, Bäche und Flüsse treten über die Ufer, Häuser brennen ab. In solchen Situationen sind wir machtlos, überfordert, klein.

Jesaja will uns als Menschen aber nicht kleinreden. Es ist eher der Vergleich mit Gott, der den Menschen so klein aussehen lässt. Es geht darum, die Größe Gottes zu bestaunen. Und das will ich immer wieder tun. Gott ist unvergleichlich groß. Seine Dimension ist nicht meine Dimension, seine Größe nicht so, dass ich sie erfassen könnte. Seine Gedanken sind anders und höher als meine Gedanken. Wir dürfen einfach nur staunen und uns freuen. Welch einen großen Gott haben wir? Wie wunderbar und hoch erhaben ist er? Über alle Welt, über alle Kreatur, ist er Gott in Ewigkeit. „Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?“

Ich will bei Gott verweilen. Ich will mich an seiner Größe freuen. Bei mir bedeutet es tatsächlich konkret raus in die Natur zu gehen. Dort spüre ich etwas von seiner Macht und Herrlichkeit. Besonders, wenn ich neue Gegenden sehe. Besonders, wenn ich auf die Berge komme. Andere von euch werden Gott ganz anders erleben. Möglicherweise, indem sie innerlich ihre Augen erheben. Innerlich inne halten und über Gott sinnieren. Was hat Gott in euch und in eurer Umgebung getan? Was erlebt ihr von ihm? Wo spürt ihr ihn? „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet“.

 

2. Götzen

Als Vergleich zu Gott werden Götzen erwähnt. Wer Götzen verehrt und reich ist, der lässt sich was aus Gold oder anderen teuren Materialien basteln. In Bad Pyrmont hatten wir engeren Kontakt zu einer Jüdin, die ihr ganzes Haus voller Buddha Statuen gestellt hatte. Teure Exemplare, die mit Blattgold überzogen waren. Als sie Christusnachfolgerin wurde, hatte sie Erklärungsnot gegenüber ihren Mann. Wie sollte sie ihm erklären, dass sie nun alle Statuen zerstören wollte – und nicht einfach wieder verkaufen wollte?
Wenn man aber nicht so reich ist, dann sucht man sich billigere Materialien aus, so wie etwa Holz. Also, egal ob man arm oder reich ist, man kann sich seine Götzen machen lassen. Doch ehrlich gesagt, so viele Götzen sieht man bei uns in Deutschland nicht. Als ich im November in Laos war, waren die Götzen nirgends zu übersehen. Vor jedem Haus standen Hausschreine und buddhistische Tempel gab es an jeder Ecke. Zurzeit von Jesaja waren die Leute eher so wie heute in Laos. Man konnte durchaus leicht die verschiedenste Götzen überall finden. Viel schwieriger wird es bei unseren Götzen. Alles was in unserem Leben den Platz von Gott einnehmen will ist ein Götze. Und das kann man von außen nicht beurteilen. Es geht um unser Herz und wem gegenüber dieses unser Herz loyal ist. Mal ist es ein Auto, was diesen Stellenwert in unserem Leben einnehmen kann. Bei anderen ist es das Haus oder die Familie. Bei wieder anderen ist es die Arbeitsstelle oder die Freizeit. Und so könnten wir schier alles in unserem Leben aufzählen.

Götzen können nie Gott ersetzen. Somit tun wir gut daran unsere Gedanken immer wieder aufs Neue auf Gott selber zu lenken. Er allein ist groß und hoch zu loben. Er hat das ganze Universum erschaffen. Aber er ist halt nicht nur groß und distanziert, er ist auch persönlich und ganz nah. Wir brauchen keine Mittler, die sich zwischen Gott und uns stellen.

 

3. Kraft gibt es bei Gott

Somit kommen wir zur Aufforderung Gottes, sich an ihn zu wenden. Auch wenn Zweifel da sind, die lautstark in der Versammlung Israels geäußert wurden, dass Gott sich doch verabschiedet hat. Es wurde Gott vorgeworfen: Er hört nicht. Er sieht nicht das Leid des Volkes. Er korrigiert nicht die Ungerechtigkeit im Land. Gottes Aussagen hingegen: Ich bin allmächtig. Ich bin allwissend. Ich weiß sehr wohl, was bei euch los ist. Ich gebe den Müden Kraft und Stärke den Unvermögenden. Bleibt dran. Gebt nicht auf. Vertraut mir.

Vertrauen ist so eine Sache, die wir in den meisten Fällen nicht gern haben. Wir wollen kontrollieren und bestimmen. Vertrauen funktioniert aber anders. Meine Kinder vertrauen mir, dass ich es gut mit ihnen meine. Zumindest ist das oft so. Wenn wir als Eltern nicht auf alle Wünsche der Kinder eingehen und nicht alles erlauben, dann fällt unseren Kindern das als erstes schwer. Im Nachhinein können wir uns aber oft unterhalten und unsere Vorgaben werden dann sogar oft verstanden. Und das wiederum führt zu weiterem Vertrauen für unsere gemeinsame Zukunft. Wenn Vertrauen aber missbraucht wird, ist es sehr schwer dieses Vertrauen wieder neu zu gewinnen.

Viele in Israel hatten das Vertrauen an Gott verloren. Gott ringt um diese Menschen, damit sie ihm wieder vertrauen. Allerdings funktioniert es nicht so, dass jeder ab sofort immer das bekommt was er haben möchte. Das wäre ein falsches Verständnis von dem, wie Gott mit uns Menschen umgeht.

 

Die auf den Herrn harren, die auf ihn vertrauen und auf ihn warten, werden gestärkt. Diese Menschen bekommen neue Kraft. Im Harren ist etwas Unverfügbares. Ich kann nicht darüber bestimmen, wann ich diese Kraft bekomme und wann sich Erleichterung einstellt. Aber an Gott dran zu bleiben ist eine Herausforderung, die sehr wohl von Gott belohnt wird. Irgendwann ist bei allen Menschen die Luft raus. Dann brauchen wir Stärkung und neue Kraft. Die Grenzen der Belastbarkeit sind individuell sehr unterschiedlich. Egal wie stark wir sind, irgendwann brauchen wir neue Kraft, wenn es weiter vorwärts mit uns gehen soll.

 

In diesem ganzen Text besteht eine Spannung zwischen Gottes Größe und Erhabenheit und seiner Nähe. Diese Spannung muss erhalten bleiben. Sie ist da. Wir erleben Gott mal ganz nah, aber andere Male auch ganz fern und übermächtig groß. Trotzdem kommt Gott auf uns zu. Er wird zuerst aktiv. Er gibt als erstes den Müden Kraft. Er will, dass wir auffahren mit Flügeln wie Adler, dass wir laufen und nicht matt werden, dass wir wandeln und nicht müde werden. Das wünsche ich uns allen, immer wieder.

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