Weltkonferenz

von Edwin Boschmann

Weltkonferenz

Vom 21. - 26. Juli 2015 fand in USA die 16. Mennonitische Weltversammlung statt. Es haben über 8.000 Personen aus etwa 65 Ländern daran teilgenommen. Das Thema lautete „walking with God“ - „Unterwegs mit Gott“. Dem Thema liegt der Vers aus Micha 6,8 zu Grunde: „Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.“ Ich möchte euch heute an der vergangenen Weltversammlung teilhaben lassen. Christine Fehrle hat die Konferenz miterlebt und sie hat das Meiste für eine Andacht bei einer Mitgliederversammlung vom Verband vorbereitet. Dieses war so gut, dass ich es auch bei uns im Gottesdienst haben wollte. Da am kommenden Sonntag Weltgemeinschaftssonntag ist, ist diese Botschaft eine gute Vorbereitung und Erinnerung daran, dass wir weltweit in einer Glaubensfamilie als Christen und Mennoniten zusammen stehen.

 

Lied: „Ewe, thina“ - Übersetzung: Wir gehen seinen Weg. Unbewaffnet begegnet er dämonischen und todbringenden Mächten. Er zerbricht die Höllenbande mit seinem Tode am Kreuz. Der Baum der Freiheit blüht an seinem leeren Grab. Wir gehen seinen Weg. Jesu Weg ist der Weg der tätigen Gerechtigkeit. Jesu Weg ist der Weg der liebenden Gnade. Jesu Weg ist die demütige Nachfolge Gottes.

 

Auszug aus der Abschlussrede von Nelson Kraybill, gewählter Präsident der Mennonitischen Weltkonferenz, 25.07.2015 „Unsere Mission heißt Versöhnung“. An einigen Stellen von mir verändert.

 

Am 17. Juni 2015 hat ein (weißer) Mann eine (schwarze) Kirche in Charleston, South Carolina (USA) betreten. Sein Herz war erfüllt von Rassenhass. Für eine Stunde hat er mit dieser Gemeinde Gottesdienst gefeiert. Danach hat er ein Gewehr gezogen und neun (schwarze) Gemeindeglieder getötet. Zwei Tage später hat Nelson Kraybill einen schwarzen mennonitischen Pastor getroffen. Er hat sein Kreuz von seinem Hals genommen und ihm umgehängt. Er hat ihn aufgefordert, es bis zur vergangenen Mennonitischen Weltkonferenz zu tragen und gebeten: „Hilf uns, das Kreuz zu tragen“. Wo könnt und dürft ihr helfen, dass Kreuz von Krankheit, Bedrängnis und Not anderer zu tragen? Wo hängt jemand dir sein Kreuz um deinen Hals?

In Europa mehrt sich der Rassismus. Auch unter Christen. Auch in Deutschland und auch in Gemeinden hier in Karlsruhe. Es gibt zunehmend Angst vor den Flüchtlingsströmen. Heute gibt es etwa 50 Millionen Flüchtlinge auf der Welt; das sind mehr denn je seit dem Ende des 2. Weltkrieges. Es gibt Konflikte zwischen Religionen, Konflikte zwischen Supermächten, Konflikte zwischen arm und reich. Die neulich geschehenen Übergriffe gegenüber Frauen in Köln schüren so ein Denken.

Komm, Herr Jesus, heile unser Land!

 

Was können wir diesen Konflikten entgegensetzen? Wie können wir den Entwicklungen begegnen? Die weltweite mennonitische Gemeinde, und alle anderen Christen eingeschlossen, scheinen klein im Angesicht dieser Herausforderungen. Nelson Kraybill stellt uns zwei Symbole vor, welche die Macht Gottes verherrlichen und Veränderung schaffen können. Wir können es nicht, aber Gott kann die Welt verändern. Die beiden Symbole sollen auch insbesondere unseren Ruf als Mennoniten verdeutlichen, welche den Schwerpunkt auf Nachfolge auch im Leid legt.

Das erste Symbol ist das Kreuz – Gottes Strategie dem Bösen zu begegnen.

Das zweite Symbol ist das Schofar, ein traditionelles jüdisches Instrument, eine Trompete, welche in der Bibel meistens für die Verkündigung von Gottes Wort steht.

Am Berg Sinai „...begann es zu donnern und zu blitzen. Schwere Wolken lagen über dem Berg und gewaltiger Hörnerschall erklang. Das ganze Volk im Lager begann zu zittern.“ (2. Mose 19,16)

Gottes Wort leitet uns als Menschheit. Mit dem Klang des Shofars beginnt das Jubeljahr (3. Mose 25). Gottes Wort verkündet wirtschaftliche Gerechtigkeit. Wie weit sind wir von dieser entfernt. Beim Klang der Schofar werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen um unserem Herrn zu begegnen (1. Thessalonicher 4,16). Gottes Wort bringt ewiges Leben. Wie nötig haben wir diese Erkenntnis.

 

So wie das Shofar am Sinai erschallte sind auch wir als Christen aufgefordert unser Shofar erklingen zu lassen. Unsere Herausforderung als Christen ist es, dass wir sicher sein müssen, dass unsere Trompete das Wort Gottes verkündet. Der Apostel Paulus sagt in 1. Korinther 14,8: Wenn das Schofar unklare Laute von sich gibt, wer wird dann zu den Waffen greifen? Als Christen begegnen wir geistlichen Kämpfen in Form von Gewalt und Rassismus, von Habgier von Weltreichen, von abgöttischem Nationalismus, in Form von Teilung und Zerstörung der menschlichen Familie. Wir gehen hinein in eine Welt, welche Gottes Schöpfung zerstört, insbesondere Körper und Seele aber auch Familien und Beziehungen.

 

Das klare Signal Gottes ruft uns Christen dazu auf, in dieser zerbrochenen Welt zu erschallen, wie es im ersten Satz unserer „Gemeinsamen Glaubensüberzeugungen“ steht:

Gott teilt sich uns mit als Vater, Sohn und Heiliger Geist, als Schöpfer, der die gefallene Menschheit wiederherstellen will, indem er ein Volk beruft, das treu sein soll in der Gemeinschaft, im Gottesdienst, in Dienst und Zeugnis.

Wir sind Jesu Botschafter, wie es in 2. Korinther 5,19 steht. Eine Trompete oder auch ein Shofar kann man nicht heimlich spielen. Selbst wenn man sie zu Hause spielt hören es die Nachbarn.

 

Im Märtyrerspiegel, einem Buch von 1660, sind hunderte von Briefen und Gerichtsprotokolle der frühen Täufer in Europa zusammengefasst, welche für ihren Glauben durch die Hand der Regierung oder der Staatskirche getötet wurden. Unzählige Male werden in diesen Seiten Bibelzitate genannt, welche unsere Glaubensvorfahren auswendig wiedergaben. Dadurch geben sie ein klares Signal, dass es besser ist, Jesus zu kennen als ein Leben als solches.

 

Leider wird diese traurige Geschichte von Verfolgung, Folter und Martyrium von Glaubensgeschwistern weltweit weitergeschrieben. Es werden neue Kapitel des Märtyrerspiegels von Leuten in unseren weltweiten Gemeinden, die ihr Leben für Versöhnung aufs Spiel setzen, geschrieben. Und, jeder von uns hat seine eigene Versöhnungsgeschichte.

 

Als Christen in der ganzen Welt teilen wir die Überzeugung, dass das Kreuz und die Auferstehung von Jesus Christus das Leitbild ist, wie wir in der Welt handeln sollen. In zu vielen Gesellschaften wollen Menschen die Welt verändern, indem sie beim Klang der Trompete das Schwert ergreifen. Die Mennoniten nehmen beim Klang der Trompete das Kreuz auf sich – sie folgen Jesus in ertragender Liebe – auch für ihre Feinde. Dadurch nehmen Sie Teil am Projekt Gottes, das Heilung für alle Nationen bringt.

 

Meine Hoffnung für uns Christen ist, dass wir - vor einer Welt die ihren Blick auf uns richtet – Worte der Versöhnung Gottes durch Jesus Christus aussprechen und ertragende Liebe vorleben, in dem unser Handeln durch Versöhnung mit unseren Nachbarn und Feinden sichtbar wird.

 

Wenn wir als Mennoniten unseren Fokus nur auf gute Gemeinschaft richten, sind wir nicht mehr als ein Verein.

Wenn wir nur unsere täuferische Geschichte feiern, sehen wir nicht auf Gottes Zukunft.

Wenn wir uns nur auf friedensstiftende Methoden konzentrieren, verlieren wir die Kraft der Auferstehung.

Wenn wir das zahlenmäßige Wachstum der Gemeinde als Selbstzweck erheben, werden wir bloß Straßenhändler der Religion.

Wenn wir niemals die Euphorie der Anbetung hinter uns lassen, versäumen wir es, Salz und Licht zu sein.

 

Wenn das Schofar unklare Laute von sich gibt, wer wird dann zu den Waffen greifen?

 

Den deutlichen Schall, den wir in die Welt hinaustragen ist, dass sich Gott selbst in Jesus Christus gezeigt hat, dass Jesus lebt, dass wir unterwegs sind mit Gott, dass der Heilige Geist uns dazu befähigt, unser Kreuz zu tragen und ihm nachzufolgen.

Wir sind Botschafter Christi, Gott hat uns den Bereich der Versöhnungsarbeit anvertraut.

Wir leben aus der wunderbaren Hoffnung der neuen Schöpfung Gottes, die bereits begonnen hat.

 

Um dieses radikale Volk in dieser Welt zu sein, brauchen auch wir auf dem Thomashof aus unserer Mitte Beter, besonders für unsere verfolgten Geschwister, für die, die in Gefängnissen sind, die unter Verfolgung leiden.

Wir müssen unsere Angst ablegen und für Frieden und Versöhnung eintreten. Im Großen und im Kleinen in unserem Alltag. Wo Streit auf der Arbeit oder in der Familie herrscht.

Wir müssen Ungerechtigkeit mutig ansprechen, die durch Gier und Vorurteile entsteht.

Wir brauchen die Kraft des Heiligen Geistes, die tief im Wort Gottes verwurzelt ist sowie eine beständige Hoffnung, dass das neue Jerusalem – eine gerechte Gesellschaft, die sich um das geopferte Lamm dreht – Gottes Werk ist und nicht das unsere.

 

Maranatha - Komm Herr Jesus! Amen.

Zurück

Einen Kommentar schreiben