Welche Hoffnung haben wir? Jesaja 9:1-6

von Edwin Boschmann

Welche Hoffnung haben wir? Jesaja 9:1-6

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.“

 

Wir haben heute den 1. Advent. Viel Trubel. Die Geschenke für Weihnachten müssen besorgt werden. Aber auch Lichter und Kerzen sind da. Eine Aufforderung zur Stille zu kommen. Und dann noch die Aufforderung vom Jesajatext. Über dem Volk im finsteren Land scheint es hell. Man könnte z.Z. grad denken, dass es Worte für das heutige Europa sind. Kriegsstiefel und blutige Mäntel werden verbrannt. Das wird es nicht mehr geben. Wer wird solch ein Wunder vollbringen? Der Eifer des HERRN Zebaoth – Gott, der Allmächtige wird dies in Jesus Christus zur Vollendung führen.

Die Vollendung sehen wir heute noch nicht. Wir leben ja auch im Advent, in der Erwartung, dass dieses geschehen wird. Als Britta und ich uns vor vielen Jahren auf die Ausreise nach Mosambik vorbereitet haben, war das eine spannende Sache. Wir haben so viele Informationen wie möglich gesammelt. Leute haben uns für verrückt erklärt, dass wir nach Mosambik wollten. Was war da zu tun? Es war doch nur ein zerstörtes Land? Aber in den Vorbereitungsmonaten steigerte sich unsere Erwartung ins unermessliche. Wie wird es sein? Was wird uns begegnen? Wird es wirklich so sein, wie man es uns geschildert hat? Teilweise war es dann auch so, teilweise aber auch nicht.

 

  1.              Woher kommt unsere Hoffnung?
    A.     Unsere Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu (Advent)

Wie gesagt, heute ist der 1. Advent. Wir haben die Hoffnung auf Jesu Wiederkommen. Diese Wochen vor Weihnachten wollen wir ganz bewusst nutzen, um uns daran zu erinnern. „Ein Kind ist uns geboren…“ Die Herrschaft wird auf seiner Schulter ruhen, des Friedens wird kein Ende sein. Dieser Text sagt die Geburt Jesu voraus. „Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.“ Uns als Christen weltweit ist wohl bewusst, dass mit der Geburt Jesu nur der erste Teil der Verheißung erfüllt wurde. Nach wie vor warten wir auf die Wiederkunft Jesu, wenn tatsächlich keine Kriegsstiefel mehr zu hören sein werden und kein Mantel mehr durch Blut geschleift wird. Wenn es kein Krieg und Terror mehr geben wird. Es ist zum Teil wie bei unserer Vorbereitung auf Mosambik. Wir haben alles getan, was nötig war, um nach Mosambik zu kommen. Wir haben Portugiesisch gelernt und Landeskunde belegt. Und noch vieles andere gelernt. Wir wollten gut vorbereitet sein.

Als Christen wollen wir gut vorbereitet sein. Auf die Wiederkunft unseres Herrn. Dafür brauchen wir kein Portugiesisch lernen. Aber Landeskunde ist schon gut. Wie wird dieses neue Land sein, welches Jesus etablieren wird? Dabei dreht sich alles um Jesus – das Baby in der Krippe, der gestorbene und auferstandene Herr. Er ist Dreh- und Angelpunkt dessen, worum es im Advent geht. Wer ist dieser Jesus? Was bedeutet ER dir? Welche Erlebnisse hast du mit ihm? Von diesem Jesus kommt unsere Hoffnung. Unsere Hoffnung besteht darin, dass ER wieder kommen wird. Und als gute Vorbereitung auf eine Zukunft in diesem neuen Land, dem wir entgegen gehen, richten wir unser Leben nach Jesus aus. Wir tun bereits jetzt, soweit es an uns liegt das, was ihm Ehre bereitet.

B.      Unsere Hoffnung auf ewiges Leben (das dann unser Leben hier bestimmt) –

Wenn Jesus wiederkommen wird, werden wir mit ihm Leben. Somit haben wir eine Hoffnung auf ein Leben mit ihm, auch wenn wir jetzt sterben. Für mich passt das Bild der Jahreszeiten sehr gut dazu. Wir sind jetzt im Spätherbst. Bald ist es Winter. Wenn es euch wie mir geht, freut ihr euch zwar auf die Kerzen und das Feuer im Kamin, aber vor allem freut ihr euch auf den kommenden Frühling. Wir haben jetzt schon das Versprechen, die Vorboten des Frühlings. Die Knospen sind bereits jetzt angesetzt, damit im Frühjahr alles wieder sprießen und gedeihen kann. Noch sehen wir den Frühling nicht. Der Winter steht vor der Tür. Aber wir haben die feste Überzeugung, dass es wieder Frühling werden wird. Das Versprechen des Frühlings ist in der Natur bereits enthalten. Jesus hat uns versprochen, dass er wieder kommen wird. Er ist unser Versprechen – unser Zeichen, dass die Gewalt und der Terror nicht siegen werden.

Im Hohelied der Liebe, in 1. Korinther 13:13 steht: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Voraussetzung für die Hoffnung ist, dass wir Vertrauen haben, Glaube. Das Vertrauen, dass es so sein wird, wie Jesus es uns gesagt hat. Wie die Knospen im Herbst uns auf den Frühling weisen, so weist uns Jesu Leben auf sein Kommen hin. Dieses Vertrauen in Jesus setzt uns frei, Liebe zu üben. Dieses Vertrauen setzt uns frei, Menschen in unserer Umgebung anders zu begegnen, als wir es sonst tun würden. Mit einer Hoffnung auf eine Herrlichkeit, die wir noch nicht so sehen. Aber die uns zugesagt ist. Somit ist unsere Hoffnung eingebettet in unser Vertrauen in Jesus und in der Liebe, die dieses Vertrauen lebendig werden lässt. Die Liebe verleiht unserer Hoffnung und unserem Vertrauen Ausdruck. Lebst du in der Erwartung, dass sich tatsächlich alles verändern wird? Ist dein tägliches Leben davon bestimmt, dass es geistlich Frühling werden wird, auch wenn wir im Winter stehen?

 

2.                Wozu setzt die Hoffnung uns frei?

Als wir in Mosambik waren, haben Alfred und seine Frau mit unserer Organisation in unserer Nähe gearbeitet. Alfred ist inzwischen Oberarzt in Bochum und bereist jährlich Afrika, um in den schlimmsten Stellen der Erde ein Hoffnungsschimmer zu hinterlassen. Jetzt ist er gerade im Nordsudan. Ein paar Auszüge aus einem seiner Mails möchte ich uns lesen. Er schreibt: „Irgendwie muss ich hier immer an den Nubier denken, der sich bei Asterix im Ausguck des Piratenschiffs bei Kälte schüttelte und B‘‘‘‘‘‘ sagte, weil er das „R“ nicht aussprechen konnte, oder auch sein Vetter in Ägypten, bei Cleopatra.  Sie kamen beide von hier, schon damals die „besten Sklaven“ auf dem Weltmarkt.  Die Situation hier ist immer noch Nord gegen Süd, Sklavenjäger gegen die Beute. Die Nubamountains wurden – ungefragt – dem Norden zugeschlagen, und der will nur die Macht (Sklaverei ist im Sudan immer noch erlaubt!) bzw. die etwaigen Bodenschätze, um die bereits seit Jahren weltweit geschachert wird. Die Menschen sind egal, eine Infrastruktur wird nicht ausgebaut.  Es gibt hier keine Transportmittel, keine Ambulanz, keine Evakuierung.  Die ganze Gegend ist geprägt von dieser Ausweglosigkeit, trotz des Waffenstillstandes ohne Gewähr.

Ganz Nubamountains? Nicht ganz.  Ein kleines Krankenhaus leistet Widerstand gegen die Hoffnungslosigkeit.  Seit 2008 hat die katholische Diözese El Obeid mit dem „Bishop Macram Relief and Rescue Foundation“ in dieser verlassenen Gegend (na ja, es leben etwa eine halbe Million Menschen hier) eine Gesundheitsarbeit aufgebaut, das Mary-Mother-of-Mercy-Hospital.  Alle Materialien wurden vom Süden eingeflogen, bis 2011 in die Nähe, danach nur bis Yida, und von dort mit LKWs durch das Gelände transportiert. Das Personal wurde aus anderen kirchlichen Häusern aus Kenia und vor allem Uganda rekrutiert, auch der ärztliche Direktor Dr. Tom war von Anfang an dabei. Es wurden zunächst einzelne Internierungseinheiten und der OP Trakt fertiggestellt, dann kamen andere Abteilungen dazu, Kooperationen mit anderen Hilfsorganisationen, Tuberkuloseprogramm und Lepraprogramm wurden standardisiert. Dazu bedarf es ein Heer von Angestellten, die – muss man so sagen – für wenig Lohn und viel Engagement versuchen, Barmherzigkeit zu üben, so wie es der Name des Krankenhauses schon sagt.“

Nicht jeder von uns wird jährlich nach Afrika reisen. Wie dieses katholische Krankenhaus im muslimischen Nordsudan aber ein Zeichen der Hoffnung Jesu ist, so ist jeder von euch ein Zeichen der Hoffnung in seiner Umgebung. Auf seiner Arbeitsstelle, in seiner Familie, in seiner Freizeit. Ein Zeichen der Hoffnung – Advent – inmitten einer Gesellschaft, die von Angst und Sorgen befallen ist. Wir als Nachfolger Christi tragen die Knospen der Hoffnung in uns, dass es Frühling werden wird. Dass die Hoffnungslosigkeit nicht gewinnen wird. Dass der Eifer des HERRN das tun wird, was ER versprochen hat.

 

Diese Hoffnung beeinflusst unsere ganze christliche Existenz. Letzten Sonntag habe ich über Vergebung gesprochen. Ja, das ist ein zentraler Punkt unseres Glaubens. Die Art und Weise, wie wir mit eigener Trauer und eigenem Verlust umgehen, zeigt im ganzen Leid trotzdem unsere Hoffnung auf die kommende Herrlichkeit. Der Umgang im sozial-diakonischen Bereich, besonders jetzt auch unser Umgang mit den Flüchtlingen, zeigt unsere Liebe, die aus unserer Hoffnung gespeist wird.

 

Durch welchen Teil deines Lebens wird Advent, Hoffnung der kommenden Herrlichkeit in Jesus, für deine Umgebung sichtbar? Vielleicht auch gerade jetzt in dieser besonderen Adventszeit? Wie kannst du diese Hoffnung in deinem Leben vielleicht für andere sichtbarer, erlebbarer machen? Ich wünsche mir, dass jeder von uns, wie dieses eine christliche Krankenhaus im Nordsudan, ein Zeichen der Hoffnung für unsere Umgebung ist. Es ist keine blinde Hoffnung die wir haben. Christus in uns, das ist unsere Hoffnung der Herrlichkeit (Kolosser 1:27).

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