Vielfalt in der Gemeinde. Römer 12:3-8

von Edwin Boschmann

Vielfalt in der Gemeinde. Römer 12:3-8

Papst Franziskus ist ein Mann der fasziniert. Wenn andere Päpste sich von der Kurie haben schubsen lassen und super teure Luxusautos gefahren sind, die natürlich kugelsichere Spezialanfertigungen waren, fordert Papst Franziskus seine Priester dazu auf keine Luxusautos zu fahren. Er selber ist sich nicht zu schade sogar in einem uralten R4 zu fahren, der ihm von einem Dorfpriester geschenkt wurde, der ihn nicht mehr brauchte. Papst Franziskus verzichtet auf viele Sicherheiten, damit er dem Volk nahe sein kann. Als absoluter Monarch ist der Papst allerdings auch Souverän des Staates Vatikanstadt und besitzt dort die gesetzgebende, ausführende und richterliche Gewalt. Er verfügt in der römisch-katholischen Kirche „über höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt, die er immer frei ausüben kann“. So viel Macht würden sich viele Politiker wünschen. Und doch bleibt Papst Franziskus bescheiden und ruft zu Bescheidenheit auf. Er ist ein Vorbild für viele.

Diese Gedanken führen mich zu unserer 2. Predigt aus Römer 12, in der Themenreihe der Wertschätzung. Letztes Mal ging es darum, wie wir ein Gott wohlgefälliges Leben führen können. Wie wir uns nicht dem Schema dieser Welt anpassen, sondern unser Denken und Handeln von Gott verändern lassen. Heute lese ich uns die darauffolgenden Verse, also Römer 12:3-8. Da steht: „Denn ich sage einem jeden unter euch kraft der mir verliehenen Gnade: Sinnt nicht über das hinaus, was zu sinnen nottut! Seid vielmehr auf Besonnenheit bedacht, jeder, wie Gott ihm das Mass des Glaubens zugeteilt hat. 4 Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, die Glieder aber nicht alle dieselbe Aufgabe erfüllen, 5 so sind wir, die vielen, in Christus ein Leib, im Verhältnis zueinander aber Glieder. 6 Wir haben verschiedene Gaben entsprechend der Gnade, die uns gegeben wurde: sei es die Gabe, prophetisch zu reden in Ausrichtung auf den Glauben, 7 sei es die Gabe zu dienen, wo es um Dienst geht, zu lehren, wo es um Lehre geht, 8 Trost zu spenden, wo es um Trost geht. Wer andern etwas gibt, tue es ohne Hintergedanken; wer eine Leitungsaufgabe versieht, tue es mit Hingabe; wer Barmherzigkeit übt, tue es heiter und fröhlich.“ (Züricher)

 

  1. Auf Besonnenheit bedacht
    A. Nüchterne Selbsteinschätzung

Unser Selbstbild ist im Grunde genommen ein Fremdbild das von unserer Familie, Freunde und Bekannte geprägt wird. Wir nehmen uns so wahr wie wir uns wahrnehmen, weil andere uns gesagt haben, wie sie uns wahrnehmen. Unser Selbstbild, unsere Selbsteinschätzung, stimmt allerdings selten mit der Wahrnehmung anderer überein. Insofern ist ein Abfragen, wie andere uns wahrnehmen, und zwar bei Leuten von denen wir auch eine ehrliche Antwort erwarten, oft sehr ernüchternd.

Typische Fehleinschätzungen finden wir bei Kindern, die ganz oft sagen: „will alleine“. Kinder wollen selber Dinge tun, und erkennen dadurch, was sie können und was sie nicht können. Das ist ein langer Prozess. Wenn man alt wird steht die gleiche Debatte an. Die Familie meint z.B., man soll womöglich nicht mehr Auto fahren. Man selber meint aber noch gut fahren zu können.

Paulus fordert zu einer nüchternen Selbsteinschätzung auf. Wir sollen uns nicht höher einschätzen als wir wirklich sind, aber natürlich auch nicht niedriger. Es ist das Geheimnis des eigenen Wertes. Wenn wir wissen, dass wir wertvoll sind, in Gottes Augen sogar sehr wertvoll, brauchen wir uns nicht profilieren. Es ist nämlich sehr anstrengend den Leuten beweisen zu müssen, dass wir mehr sind als wir wirklich sind. Ehrlichkeit ist befreiend und für die anderen angenehm.  

       A. Bescheiden bleiben

Bei der Selbsteinschätzung sollen wir nüchtern sein und uns nicht überschätzen. Zugleich sollen wir aber bescheiden bleiben. Das ist ein hoher Auftrag.

Während meines Studiums in Kanada haben mich super begabte Pastoren komplett eingeschüchtert. Das waren Pastoren, die musikalisch top drauf waren, die die Leitung im Gottesdienst übernommen haben und dann vom Klavier auf die Kanzel gestiegen sind um eine flammende Botschaft zu übermitteln. Mit zunehmender Zeit ist meine Einschüchterung übergekippt auf Skepsis. Denn solche Pastoren waren nicht unbedingt in guten und wachsenden Gemeinden zu finden. Alleinunterhalter spiegeln nicht den Charakter Gottes wieder. Sie schätzen und fördern die Gaben der Gemeinde nicht. Doch dazu kommen wir noch etwas später.

Bescheiden bleiben. Warum sind Leute, die Demütig sind, so kraftvoll und gut? Spontan fallen mir Nelson Mandela oder Mutter Teresa ein. Ich habe z.B. auch von einer Direktorin in Ettlingen gehört, die nach einer Veranstaltung anpackte und mit die Stühle und Tische aufräumte. Da konnten die anderen nicht umhin selber aktiv zu werden. Sie als Direktorin hätte es sicherlich nicht nötig gehabt. Es war nicht ihr Job. Doch das sind positive Vorbilder die uns anstiften selber positiv unseren Beitrag zu leisten.

Heute scheint es in der Weltpolitik so zu sein, dass die lauten Menschen gewinnen, die mit Bescheidenheit nichts anfangen können. Sind sie uns gute Vorbilder? Wenn man die Medienberichte liest, sind das eher erschreckende und unschöne Zeichen unserer Zeit. Aber keine gute Vorbilder. Diese Vorbilder sind eher bedrohlich. Sie bewirken, dass wir uns zurückziehen und nicht aktiv werden.

Als größtes Vorbild haben wir natürlich Jesus Christus. Gott in menschlicher Gestalt. Herrscher von Ewigkeit zu Ewigkeit. Derjenige, der alle Gedanken kennt und Regierungen stürzt oder einsetzt. Er wird Mensch. Er gibt seine Rechte auf. Er macht sich ganz und gar verletzlich und wird verletzt. Er kommt nicht als König und Herrscher um Mächtige von ihren Thronen zu stürzen. Er, Jesus Christus, ist nach wie vor die Persönlichkeit weltweit, die am meisten Menschen verändert, bewegt und umgestaltet. Er kam um zu dienen. Welch ein Vorbild! Viele Menschen weltweit sind bereit ihr Leben in positiver Weise hinzugeben um diesem Vorbild nachzufolgen. Das ist echte Bescheidenheit. Ja, so will ich mehr und mehr werden.

 

2. Vielfalt in der Gemeinde

Nun nochmals zurück zu dem Pastor, der alles in der Gemeinde tut und alles kann. Die letzten Verse unseres heutigen Bibeltextes sprechen die Vielfalt in der Gemeinde an. Jeder hat seinen Beitrag zu leisten. Gemeinde ist eben gerade nicht eine 1 Mann Show. In der Bescheidenheit, in der Besonnenheit, in der nüchternen Selbsterkenntnis erkennen wir die Abhängigkeit voneinander. Für viele ist diese Erkenntnis nicht gerade sehr positiv. In unserer Zeit werden wir geradezu trainiert, selbständig zu sein. Nicht von anderen abhängig zu sein. Unsere Probleme selber zu lösen. Nicht sich an andere binden. Unabhängigkeit wird als sehr hohes Gut angepriesen.

Das biblische Prinzip läuft dem gerade entgegen. Als Gemeinde Jesu Christi sind wir voneinander abhängig. Jeder leistet seinen Beitrag. Niemand achtet sich zu hoch, um anderen zu helfen. Jeder sucht Gott zu dienen in den Bereichen, in denen Gott uns seine Gaben hineingelegt hat. Und zwar dienen wir nicht nur innerhalb der Gemeinde, sondern überall wo wir sind und leben. Das ist der uns zugeteilte Platz von Gott. Da fühlen wir uns gut und richtig eingesetzt.
Dazu gibt es ein Videoclip, der das alles besser zusammenfasst, als ich es kann. Es ist das Pinguin- Prinzip von Hirschhausen. Auch wenn er keinen christlichen Bezug hat, passt das was er sagt sehr, sehr gut zu unserem Bibeltext.

 

Das Pinguin-Prinzip. Der Pinguin, der so unbeholfen herumtapst, wird zum Helden im Wasser. Das ist sein Element.

Was ist dein Element? Im Bibeltext werden Dinge wie Weisungen für die Gemeinde von Gott empfangen, praktische Aufgaben innerhalb und außerhalb der Gemeinde übernehmen, Lehre, Ermutigung, Bedürftige unterstützt, Verantwortung übernehmen und sich um Notleidende kümmern genannt. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig, aber sie zeigt die Richtung auf. Wo ist dein Platz?

 

Im Begleitheft sind für diese Woche einige Gedanken aufgeschrieben. Als Leitgedanke: Denke nicht von dir selbst höher als es dir von Gott gebührt.

Als Verhaltensanregungen:
- Wenn dich etwas am Verhalten eines anderen Menschen stört, höre in dich hinein. Stört dich, was sie/er tut oder unterstellst du der Person schlechte oder mangelnde Beweggründe für ihr Handeln?

  • Überlege dir ob der andere vielleicht einen guten Beweggrund für sein Handeln hat. Hab Hochachtung vor dem Handeln anderer und lobe es.
  • Suche jeden Tag eine Gelegenheit, jemanden für seine von Gott geschenkte Begabung zu loben –egal ob am Arbeitsplatz, in der Freizeit, Gemeinde oder Familie. Freue dich darüber, dass wir unterschiedlich gemacht sind.

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