Nie wieder müde werden. Jesaja 40:26-31

von Edwin Boschmann

Nie wieder müde werden. Jesaja 40:26-31

„Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. 27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«? 28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

 

Burnout. Wer von euch hat davon noch nicht gehört? Alle haben davon gehört, und vermutlich kennt ihr alle jemanden, der betroffen ist. Man ist am Ende. Man kann nicht mehr In Wikipedia steht: „Es handelt sich um eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund beruflicher oder anderweitiger Überlastung bei der Lebensbewältigung. Diese wird meist durch Stress ausgelöst, der wegen der verminderten Belastbarkeit nicht bewältigt werden kann.“ Männer, junge Leute, Frauen – alle sind betroffen. Es gibt keine Gruppe, die irgendwie ausgespart wird.

Nicht alle haben gleich einen Burnout. Die Erfahrung am Ende zu sein und nicht mehr zu können, kennen wir aber alle. Diese Erfahrung kennen wir aus dem normalen Leben aber auch aus unserem geistlichen Leben. Das Licht geht aus, wir sind am Ende. Die Batterien sind leer.

 

  1. Gott sehen

Gott weist uns in Jesaja 40 darauf hin, dass wir ihn nicht ergründen können. Er hat das ganze Universum im Blick, und auch uns als kleine Menschlein, wo immer wir auch sind. „Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen?“ Wer hat Sonne, Mond und Sterne gemacht? Unser Universum und die ganzen Planeten? „Seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.“ Wie sollten wir als Menschen wissen, ob eins dieser Planeten fehlt, besonders wenn man bedenkt, dass lange noch nicht alles im Universum erforscht oder gar bekannt ist. Je mehr wir von unserem Universum entdecken, desto mehr können wir nur staunen.

Israel war am Ende. Sie hatten keine Kraft mehr. Vieles lag im Argen in ihrem Land. Deshalb ihre verständliche Aussage: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«. Ist das nicht auch manchmal unser Gefühl? Wir fühlen uns von Gott verlassen und denken: „Gott hat mich aus dem Blick verloren“. Diese Gefühle kommen bei Lebenskrisen, bei Umbrüchen in unserem Leben. Manchmal aber auch aus heiterem Himmel. Ganz unverhofft. Mitten im Leben.

Gott korrigiert unseren Blick und sagt: „Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.“ Wir können Gott nicht erforschen, aber er hat trotzdem alles im Blick.

Perspektivwechsel. Wie bei einem Burnout. Die betroffene Person muss einen Perspektivwechsel vollziehen. Was ist wirklich wichtig? Was kann ich aus meinem Leben streichen? Was belastet mich? So ist es mit unserem Blick zu Gott. Wir mögen aus Gott jemanden gemacht haben, der uns belastet, der mehr von mir fordert als ich geben kann. Weit gefehlt. Perspektivwechsel. Gott wird weder müde noch matt. Er gibt was er hat. Er gibt von sich ab, damit wir ebenfalls nicht müde noch matt werden. Unser Blickwinkel muss sich schärfen, manchmal auch ändern. Wann hast du das letzte Mal einen geistlichen Perspektivwechsel erlebt?

 

2. Gott gibt

„Gott gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.“ Wir Menschen können uns nicht selber aus einem Burnout herausziehen. Beim Burnout brauchen wir professionelle Hilfe, die uns die nächsten Schritte zeigt. Diese Schritte müssen dann gegangen werden. Der Arzt, der Psychotherapeut, kann diese Schritte für uns nicht gehen. Aber er zeigt uns die richtige Richtung.

„Gott gibt den Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.“ Wenn wir geistlich aber auch anderweitig am Ende sind, dann will Gott geben. Und er gibt. Er ist es, der in Situationen, wenn wir am Ende sind, weiter hilft.

Mich faszinieren biblische Personen. Ein Mose, der sich selber als völlig unzureichend einstufte. „Ich kann nicht reden“, sagte er. Gott hat ihn für einen sehr großen Dienst ausgesucht. Gott musste ihn immer wieder bestätigen, auch wenn er selber sich schon längst abgeschrieben hatte, wie etwa bei der Auseinandersetzung mit Miriam und Aaron. Oder ein David. Als Samuel ihn zum König salben wollte, war er nicht zu finden. Als jüngster und kleinster in der Familie taugte er gerade genug zum Schafe hüten. Gott hatte ihn als König für Israel erwählt. Wir können auch die verschiedensten Propheten anschauen. Ein Jeremia, der sagt: „Ich bin zu jung.“ Oder ein Jesaja, der bei seiner Berufung durch Gott sagt: „Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen“. Man kann auch die Jünger Jesu nehmen, die bis nach Jesu Tod an Jesus zweifelten und verzweifelten. Bis ihnen endlich der Heilige Geist gegeben wurde und sie neue Kraft erlebten, wie sie es vorher nicht erfahren hatten. Petrus, der vorher in Gethsemane und im Palast des Hohepriesters geflohen war, ist nun ein mutiger Bekenner, auch wenn es ihm Kopf und Kragen kosten kann. Gott erwählt interessanterweise nicht die perfekten Menschen. Bei denen es nichts mehr zu korrigieren gibt. Allerdings füllt er seine auserwählten Personen mit Kraft, und gibt ihnen Stärke, körperlich wie auch geistlich. Er nimmt dich und mich, bedeutende wie unbedeutende Personen. ER ist es, der gibt. Wann hast du das letzte Mal erlebt, dass Gott dir Kraft gegeben hat, als du am Ende warst? Was ist dann geschehen? Solche Erinnerungen helfen uns auch in der Zukunft auf Gott zu warten.

„Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft.“ Diese Kraft Gottes kommt nicht immer dann, wenn wir sie gern hätten. Sie schützt uns nicht vor Leid. Und harren, warten, aushalten in schwierigen Situationen, ist nicht gerade Stärke unserer Zeit. Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell geht. Auf der Arbeit muss alles schnell getan und erledigt werden. Man muss effizient und gut sein. Man muss leisten. Veränderungen finden in einem Tempo statt, die sich alle Generationen vor uns nicht hätten erträumen lassen. Harren, warten?? Die Kraft Gottes ist nicht automatisch und immer für uns abrufbar. Und wir verfügen nicht frei über diese Kraft, als ob es eine Maschine sei, die wir einfach bedienen können. Manchmal, wenn es uns gar nicht gut geht, wenn wir ganz am Ende sind, können wir einfach nur vertrauen und warten, auf Gott harren. Als Gudrun am Ende ihres Lebens im Krankenhaus war, sagte sie zu mir. „Edwin, ich kann nicht mehr beten, ich habe keine Kraft mehr. Ich bin am Ende. Bitte bete für mich“ In solchen Situationen sind wir dann als Gemeinschaft gefordert für unsere Mitgeschwister zu beten und für sie einzustehen. Dann ist harren angesagt. Sogar Jesus bat seinen Jüngern mit ihm zu beten und wach zu bleiben, als die letzte Wegstrecke vor ihm lag. 

 

Wir alle kennen das eine Kinderlied sehr gut: „Weisst du, wie viel Sternlein stehen, an dem blauen Himmelszelt. Weisst du, wieviel Wolken gehen, weit hin über alle Welt. Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet, an der ganzen großen Zahl.“ Ganz am Ende des Liedes heißt es: „Kennt auch dich und hat dich lieb.“ Dieses Lied ist eine andere Art das Ende von Jesaja 40 auszudrücken. Mit dem „Kennt auch dich und hat dich lieb“ kommen wir zu drei wunderbaren Bilder, die uns Gott zuspricht.

  • Auffahren mit Flügeln wie Adler

Gott gibt dir Kraft, dass du diesen Auftrieb bekommst, den Vögel, Adler ganz intuitiv haben. ER gibt Kraft den Unvermögenden.

  • Laufen und nicht matt werden

Wer wünscht sich das nicht? Ich bewundere Marathonläufer. Es war nie ein Sport, das mich gereizt hätte. Aber die Ausdauer, nach so langer Strecke immer noch Kraft zu haben, das ist bewundernswert. Gott gibt diese Kraft, gerade wenn wir meinen, dass es nicht mehr weiter geht.

  • Wandeln und nicht müde werden

Ich wandere gerne. Ich wandere gerne in den Bergen. Wenn man mit viel Mühe und Not die Bergkuppen erklommen hat, hat man eine wunderbare Sicht. Das lohnt sich. Nach solchen wunderbaren Wanderungen bin ich allerdings gerädert und ko. Dann nicht müde sein? Ohne Stopp gerade weiter machen zu können?

Gott will uns diese unmenschliche, diese göttliche Kraft geben. Nicht um unmenschliches zu schaffen, sondern vielmehr um göttliches zu bewirken.

 

Ich wünsche dir, dass du diese Woche auf Gott schaust. Sollte es dir schwer fallen, weil dein Leben auf schwere Zeiten gestoßen ist, dass du die Hoffnung nicht verlierst und auf Gott wartest, auf ihn harrst. Auf ihn schaust, der Himmel und Erde gemacht hat. Dass du ein Perspektivwechsel einleitest. Ich wünsche dir, dass du aber auch Zeiten erlebst, in denen du diese Kraft Gottes wirklich erfährst. Dass du auffährst mit Flügeln wie Adler, dass du läufst und nicht matt wirst und dass du wandelst und nicht müde wirst.

                                                                                              Möge Gott dir das schenken.

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