Nachfolge Matthäus. 16:21-28

von Edwin Boschmann

Nachfolge. Matthäus 16:21-28

Stellt euch vor ihr wechselt eure Arbeitsstelle. Das steht mir ja direkt bevor. Dazu gehört es, dass man sich an verschiedenen Stellen bewirbt. Dann kommt es zum Einstellungsgespräch. Einige aus unserer Gemeinde sind damit beschäftigt, diesen Prozess mit einigen Bewerbern zu erarbeiten. Der Bewerber präsentiert sich von seiner besten Seite. Er will ja im Normalfall die Arbeitsstelle bekommen und zeigen, dass er sehr wohl fähig ist die Arbeitsstelle auszufüllen. Der anstellende Betrieb präsentiert sich im Normalfall ebenfalls von seiner besten Seite. Zumindest in der jetzigen Arbeitsmarktsituation, in der Fachkräfte Mangelware sind. Dann kommen wir zu unserem heutigen Bibeltext aus Matthäus 16:21-28. Das ist nämlich das Einstellungsgespräch Jesu für seine Nachfolger. Da stellt Jesus alles auf den Kopf. Das Einstellungsgespräch Jesu mit seinen Nachfolgern ist fast unerträglich hart. Da steht: „Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen. 22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht! 23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. 25 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden. 26 Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? 27 Denn es wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun. 28 Wahrlich, ich sage euch: Es sind etliche unter denen, die hier stehen, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.“

 

  1. Jesu persönlicher Leidensweg

Am Anfang unseres Textes zeigt Jesus auf, was demnächst mit ihm passieren wird. Er bereitet seine Jünger auf seinen Weggang vor. Es wird nicht schön. Es wird sogar ganz furchtbar. Sein Tod ist die Konsequenz seines Lebenswandels. Die jüdische Elite sah in Jesus eine zu große Konkurrenz und Bedrohung. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Nach seinem Tod wird er am dritten Tag auferstehen.

Auf die Ansage von Jesus reagiert Petrus eigentlich ganz normal. So würden sich wohl die meisten von uns verhalten. Er will sich schützend vor seinen Meister stellen. Wer von uns würde das nicht auch tun wollen? Er sagt: „Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!“ Die zutiefst schockierende Antwort von Jesus ist uns zur Genüge bekannt.

Jesus will auf eins hinaus. Wir sollen nicht unsere eigenen Gefühle und unser Wohlbefinden zum Maßstab machen. Wenn es uns rundum gut geht bedeutet es nicht automatisch, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Umgekehrt gilt es auch: wenn wir durch große Krisen gehen, bedeutet es nicht automatisch, dass etwas falsch mit unserem Leben ist. Es kann gut sein, dass wir gerade in diesen schweren Zeiten den Weg Jesu in besonderer Weise beschreiten.

Trotzdem: Jesus ist kein Masochist. Er zieht keine besondere Erfüllung irgendwelcher heimlichen Wünsche durch sein Leiden. Wenn es vermeidbar gewesen wäre, hätte er einen anderen Weg gewählt. Jesus fordert uns nicht auf masochistisch zu denken oder zu handeln. Er fordert uns aber auf, konsequent unserem Herrn und Heiland zu folgen und ihm zu dienen. In vielen Fällen führt das weltweit zu Leid, Folter, Martyrium oder dergleichen. Vor ein paar Monaten haben z.B. verschiedenen Kirchenleiter aus Syrien die Christen in Syrien aufgefordert zu bleiben. Trotz Verfolgung und großer Gefahren. Wenn nicht, würde das ganze christliche Zeugnis in diesem zerrütteten Land vernichtet werden. Das ist kein Aufruf, den einfacheren Weg zu wählen. Beileibe nicht.

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Alles geht. Bei uns mag es zu Belächelungen kommen. In seltenen Fällen vielleicht sogar zu Ausgrenzungen oder gar Beschimpfungen. Trotzdem müssen wir uns die Frage gefallen lassen, wo wir es uns zu gemütlich gemacht haben um wegen unseres Glaubens nicht anzuecken. Wir sollen uns froh und mutig zu Jesus bekennen.

 

2. Nachfolge auf den Leidensweg

Obwohl Jesus seine Jünger direkt anspricht, ist die Formulierung ab Vers 24 generisch gehalten. Sie gilt uns allen. Somit sind zwar insbesondere die Jünger Jesu gemeint, aber nicht nur sie. Wir alle sind als Nachfolger Christi gemeint.

Damit kommen wir zum Einstellungsgespräch Jesu. „Will mir jemand nachfolgen.“ Jesus möchte sehr gerne Nachfolger haben, aber nicht um jeden Preis. Sie sollen von Anfang an wissen, was sie erwartet. Es kann durchaus sein, dass es nicht schön wird. Es kann schwierige Zeiten geben.

In der damaligen Zeit ging es vor allem darum, sich nicht durch sein privates Beziehungsgeflecht zu definiert. Nicht meine Eltern, nicht meine Freunde, nicht meine Arbeitskollegen entscheiden über meine Nachfolge Jesu. Es kann sogar so weit gehen, dass ich mit Eltern, Freunden und Arbeitskollegen Ärger bekomme, weil ich Christus nachfolge. Im Extremfall kann es bei uns dazu kommen, dass ich sogar mit einzelnen dieser Leute wegen meines Glaubens den Kontakt abbreche und sie aus den Augen verliere. Das tut weh. Aber es geht um die Nachfolge Jesu. Er steht an erster Stelle. Alles andere muss sich ihm unterordnen.

Der allernormalste Wunsch von uns Menschen ist gut und unversehrt durchs Leben zu kommen. Auch diesen Wunsch möchte Gott in seiner Hand halten. Mal wird es so gelingen, mal auch nicht. Wenn es aber um Treue und Nachfolge geht, muss dieser normale Wunsch hintenan stehen.

Ein weiterer normaler Wunsch ist, dass wir Glück in menschlichen Dingen suchen. Da geht es um unsere Ehepartner, unsere Familie, unsere Kinder, unser Haus, unser Auto, unsere Kleider, unsere Arbeit, usw. In was stecke ich meine Zeit rein, meine Energie? Was erfüllt mich, was begeistert mich? In all diesen Bereichen können wir nur sehr bedingt unser Glück finden. All das kann uns schnell genommen werden. Unsere tiefste Sehnsucht und Zufriedenheit kann nur Gott stillen.

Sein Leben für Jesus zu verlieren bedeutet Dinge nicht zu tun, die andere tun würden, z.B. sich auf Kosten anderer unlauter zu bereichern. Die Praktiken unserer Wirtschaft stehen dem entgegengesetzt, da es dort um Gewinnmaximierung geht. Da werden oftmals gute Grenzen überschritten. Es bedeutet auch, Dinge zu tun, die andere nicht tun würden, weil sie den eigenen Interessen nicht förderlich sind. Es bedeutet sich gesellschaftlichen Fragen aus der Jesusperspektive zu stellen. Nicht umsonst haben wir in Deutschland Glaubensfreiheit, die Freiheit unsere Meinung frei zu äußern und vieles mehr. Das kommt aus der christlichen Überzeugung früherer politischer Leiter. Sein Leben für Jesus zu verlieren findet auch Anwendung in meinem Umgangston. Gehe ich achtsam mit anderen Menschen um, oder sind sie mir egal? Es findet auch Anwendung in meinem Umgang mit Macht und Reichtum. Vor allem geht es nicht nur um einen intellektuellen Glauben, der nicht im Leben der Nachfolger Jesu Wirkung zeigt, sondern sich in der Praxis bewährt. Nicht umsonst sagt Jesus hier: Er wird einen jeden vergelten nach seinem Tun.

Wie können wir also Schaden von unserer Seele abwenden? Indem wir in Christus bleiben. Indem wir uns nicht über das definieren, was wir sind, haben und können, sondern in unserer Zugehörigkeit zu Jesus Christus. Die Seele ist der Platz meiner Emotionen. In meiner Seele spüre ich Liebe und mit ihr kann ich Liebe weitergeben. Meine Seele kann durch Verletzungen zuwuchern und sich abkapseln. Meine Seele kann sich aber auch wieder öffnen, damit Dinge geklärt werden und Heilung stattfindet. Unsere Seele kann frei oder auch gefangen sein. Jesus möchte unsere Seele befreien und vor Schaden schützen.

 

3. Naherwartung

Zu guter Letzt kommen wir zur Naherwartung Jesu Christi, den wir am Ende unseres Textes finden. „Der Sohn des Menschen wird in der Herrlichkeit seines Vaters, mit seinen Engeln kommen.“ Und weiter: „Wahrlich, ich sage euch: Es sind etliche unter denen, die hier stehen, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.“ Diese Worte haben schon z.Z. Jesu zu einigen Spekulationen geführt. Die will ich hier gar nicht ausbreiten. Vielmehr will ich die Frage stellen, wie präsent uns die Wiederkunft Christi ist?

Lebst du in der Erwartung, dass Jesus möglicherweise in den nächsten Tagen oder Jahren vor unserer Tür steht und wir dann einen neuen Himmel und eine neue Erde haben? Dann macht es viel Sinn, was Jesus bis dahin gesagt hat. Dann macht es Sinn sein Leben ganz nach ihm auszurichten. Dann macht es Sinn seine Seele in Jesus zur Ruhe kommen zu lassen. Dann macht es Sinn, ein Leben in Ehrfurcht vor Gott zu leben, als ein Wohlgeruch für unsere Gesellschaft.

Wie präsent ist dir die Erwartung auf die Wiederkunft Christi? Zur Zeit des 1. und 2. Weltkriegs war die Naherwartung Christi recht hoch unter den Christen. Z.Z. beobachte ich eher eine Indifferenz in diesem Bereich. Wenn Jesus in den letzten 2.000 Jahren nicht gekommen ist, warum jetzt? Und doch kann ich mir heute eine Wiederkunft Jesu besser vorstellen als je zuvor. Unsere Weltbevölkerung vermehrt sich rasant. Dadurch kommen bislang nicht dagewesene Probleme auf uns zu.

Wir müllen unsere Welt so schnell zu und haben keine Lösungen parat. Mit dem vorhandenen Waffenarsenal können wir jegliches Leben auf unseren Planeten liquidieren.

Ich will gar nicht spekulieren. Darum geht es mir nicht. Zeit und Stunde, wann Jesus wiederkommen wird, ist nur dem Vater vorbehalten. Ob es nun morgen ist oder in 1.000 Jahren, das ist nicht meine Baustelle. Aber die Jünger Jesu haben auf die Wiederkunft Christi gewartet und ihr Leben danach ausgerichtet.

So will ich leben. Ich will in täglicher Erwartung leben und mein Leben danach ausrichten. Ich hoffe es geht euch auch so. Angst und Schrecken sollen mich nicht bestimmen, sondern die Erwartung des Kommens meines Heilands und Erlösers. Darauf dürfen wir uns alle freuen. Wenn wir dafür auf dieser Erde möglicherweise Leiden in Kauf nehmen müssen, dann ist es ein geringes im Vergleich zu der Herrlichkeit die uns erwartet.

Herr, komme wieder. Herr, komme bald.

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