Mose – ein Familienbild

von Edwin Boschmann

Mose – ein Familienbild

Patchworkfamilie. Das ist ein relativ neuer Begriff, um die unterschiedlichsten Familienkonstellationen zu beschreiben, die wir heute vorfinden. Ausgenommen ist die ganz normale Familie von Mama, Papa und Kind oder Kinder. Patchworkfamilie beschreibt, dass eine Familie aus verschiedenen Bereichen zusammengeführt wird (patch). Da gibt es Stiefkinder, verschiedene Mamas und Papas oder Mamas oder Papas. Oder es gibt verschiedene Kinder von verschiedenen Mamas oder/und Papas. Alles ist möglich. Auch wenn dieses Phänomen der Patchworkfamilie relativ neu in unserer heutigen Dimension ist, hat es immer schon verschiedenste Familienkons tellationen geben. Heute werden wir von einem Menschen hören, dessen Familie auch irgendwie zusammengestückelt war. Mose. 

 

  1. Am Nil

Nachdem Josef und seine Nachkommen gestorben waren, kamen die Israeliten langsam aber sicher in die Knechtschaft der Ägypter. Trotz der Knechtschaft und harten Arbeit vermehren sich die Israeliten schnell. Das wird dem Pharao zu bunt, und er gibt Befehl, dass alle männlichen Babys bei der Geburt ertränkt werden sollen. Die hebräischen Hebammen richten sich nicht nach dem Befehl des Pharao, da sie Gott fürchten. So kommt Mose zur Welt und wird nicht umgebracht. Seine Mutter versteckt ihn die ersten Monate und dann wird Mose in einem Korb in den Nil gelassen. Miriam, die ältere Schwester von Mose, behält den Korb im Auge.

Dieser Korb kommt an der Stelle vorbei, wo gerade die Tochter des Pharao badet. Diese sieht das Baby im Korb und hat Mitleid. Sie will das Baby für sich. Zuerst schickt sie das Baby zurück in die eigene Familie, damit es gestillt wird, doch dann kommt Mose zu ihr in den Palast. Somit gehört Mose schon als Baby zwei komplett getrennten und sehr unterschiedlichen Familien an.

Immer wieder gibt es Machthaber, auch leider heute, die schreckliche und menschenverachtende Befehle geben. Der Pharao war damals nicht zimperlich. Alle männlichen Babys zu ertränken war nicht gerade ein Akt der Menschlichkeit. Aber genauso wie es menschenverachtende Machthaber gibt, gibt es auch immer wieder einzelne Leute, die inmitten dieser Systeme Gott fürchten und nach Gottes Wort handeln oder zumindest einen feinen Sinn für Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit haben. Dazu gehörten damals die beiden Hebammen, die die männlichen hebräischen Babys nicht umbrachten, sowie die Eltern von Mose, sowie die Prinzessin. Deswegen konnte Mose überhaupt überleben.

Wenngleich wir in unserem Land nicht so krasse Beispiele haben mögen wie die von Mose, will uns Gott trotzdem benutzen, damit wir das Richtige tun. In einem Land in dem Abtreibung legal ist, kümmern sich einige Familien aus unserer Mitte darum, dass ein Kleinkind großgezogen werden kann, was sonst heute nicht leben würde. Da braucht es immer wieder viel Hilfe, da die Mutter regelmäßig an ihre körperlichen und finanziellen Grenzen kommt.

Gott braucht dich und mich. Welches ist die Stelle, die du einnimmst, um das Richtige zu tun, auch wenn es Arbeit, Mühe und persönliche Einschränkungen bedeutet? Welches ist die Stelle, an der du als Christ Leben gibst? Für deine Umgebung, für deine Nachbarschaft, für deine Arbeitsstelle? Wo bist du eine Schiphra oder Pua (die Hebammen), die sich nicht einschüchtern lassen, sondern einfach das Richtige tun?

 

2. Der Bruder Aaron

Als Erwachsener verließ Mose seine Geburtsfamilie und die Familie der Prinzessin, da er wegen eines Mordes fliehen musste. Er bekam eine neue Familie zur Seite gestellt. Jethro mit seiner Frau und Kindern. Mose heiratet sogar eine Tochter vom Jethro. Nach vielen Jahren in der Wüste Midians erscheint ihm Gott im brennenden Dornenbusch und beruft ihn Israel zu befreien. Moses wehrt sich mit Händen und Füßen gegen diesen Auftrag, doch Gott lässt nicht locker. In 2. Mose 4:12-13 steht: „So geh nun hin: Ich will mit deinem Munde sein und dich lehren, was du sagen sollst. 13 Mose aber sprach: Mein Herr, sende, wen du senden willst.“ Da die Hauptausrede von Mose seine schlechte Wortgewandtheit ist, wird ihm Aaron zur Seite gestellt. Interessanterweise wählt Gott den leiblichen Bruder von Mose aus, den Mose wahrscheinlich noch nicht einmal wirklich kannte.

Wohl gemerkt, Mose hatte eine ganz andere Vorstellung seines Lebens als Gott. Er war in der Wüste Midian glücklich. Er hütete die Schafe, er hatte seine Frau und seine Schwiegerfamilie. Es ging ihm gut. Mit Ägypten hatte Mose abgeschlossen. Anscheinend auch mit seiner leiblichen Familie. Und nun, nach so vielen Jahren weg vom Hofe Pharaos, hatte er gar keine Lust sich damit nochmals auseinander zu setzen.

Wie geht es dir in deinem Leben. Hast du es dir schön und bequem eingerichtet? Daran ist als solches nichts verkehrt. Trotzdem stellt sich die Frage: Wenn Gott in dein Leben hinein spricht und etwas anderes von dir möchte, bist du bereit zu hören? Bist du bereit dein Leben wegen Gott auf den Kopf zu stellen? Mose war überhaupt nicht bereit sein Hirtenleben aufzugeben, aber Gott hat nicht losgelassen.

Ich wünsche mir, dass wenn Gott in unser Leben hinein spricht, in dein und mein Leben, wir hören und dann auch handeln. Das wünsche ich mir für dich und für mich. Ich wünsche mir, dass wir es uns nicht so gemütlich machen, dass wir nicht mehr fähig sind, überhaupt auf Gott zu hören, geschweige denn auf sein Rufen zu reagieren. Gott hat vielleicht eine komplett andere Vorstellung deiner Zukunft als du es dir überhaupt erträumen kannst.

Zurück zu Mose. Als Kind war er vielleicht die ersten 5 Lebensjahre bei seiner leiblichen Familie. Danach ist er ca. 35 Jahre im Hause des Pharao. Und dann nochmals ca. 40 Jahre in der Wüste Midian. Sicherlich hat Mose über 70 Jahre seinen Bruder Aaron nicht getroffen. Aaron war ein Fremder für ihn. Trotzdem finde ich es spannend, dass Gott dem Mose gerade seinen leiblichen Bruder zur Seite stellt. Bestimmt hat es in Israel auch andere Menschen gegeben, die redegewandt waren. Nein, Gott stellt dem Mose seinen eigenen Bruder zur Seite. Und sie werden ein Team.

Zwei Dinge sind hier wichtig. Zum einen ist für Gott die Herkunftsfamilie von Mose nicht egal. Gott arbeitet an einer Familienzusammenführung. Durch Aaron lernt Mose seine leibliche Familie wieder kennen. Unsere Familien sollten uns auch nicht egal sein. Auch wenn sie manchmal sicherlich schwierig sind, egal sollten sie uns allemal nicht sein. Zum anderen stellt Gott Mose dem Aaron zur Seite. Wir müssen nicht alles selber können, damit uns Gott gebrauchen kann. Wir müssen noch nicht einmal wirklich gut sein, damit Gott uns gebrauchen kann. Gott hätte Mose auch ohne Aaron genommen, auch ohne Sprachgewandtheit. Aber Gott stellt uns trotzdem die nötigen Leute zur Seite. In der Gemeinde sind wir in eine Gemeinschaft gestellt. Wir dürfen diese Gemeinschaft bewusst nutzen, um uns gegenseitig zu stützen, zu ermutigen, zu fördern, zu helfen. Dafür sind wir da. Wir dürfen auf die Hilfe anderer vertrauen. Sei es nun in geistlichen Belangen, in Entscheidungsfragen oder aber auch ganz praktisch. Gott hat uns für die Gemeinschaft geschaffen. Welchen Platz nimmst du in dieser Gemeinschaft ein?

 

3. Der Schwiegervater Jethro

Als das Volk Israel aus Ägypten ausgezogen war und in der Wüste Sinai umherzog, kommt der Schwiegervater von Mose, Jethro, zu einem Besuch. Mose hatte seine Frau und Kinder bei Jethro gelassen, da der Auszug aus Ägypten ein gefährliches Unterfangen war. Jethro bringt nun die Frau und die Kinder zurück zu Mose. Als Jethro die Tage mit den Israeliten verbringt, sieht er Dinge, die nicht gut laufen. Mose steht umringt vom ganzen Volk von morgens bis abends, um die verschiedenen Belange des Volkes zu regeln. Streit muss geschlichtet werden, Dinge müssen geklärt werden. Entscheidungen müssen getroffen werden. Jethro bemerkt schnell, dass das nicht gut ist. Er sagt in 2. Mose 18:17-18: „Es ist nicht gut, wie du das tust. 18 Du machst dich zu müde, dazu auch das Volk, das mit dir ist. Das Geschäft ist dir zu schwer; du kannst es allein nicht ausrichten.“ Mose hört auf den Ratschlag seines Schwiegervaters und setzt Leiter über 1000, über 100, über 50 und über 10 Personen ein. Wenn dann Belange sind, die da nicht geklärt werden können, kommen diese zu Mose.

            Ist das nicht eine typische Situation? Mose war ein hervorragender Leiter seines Volkes. Aber er war betriebsblind geworden. Jethro, der Schwiegervater, ein Außenstehender, erkennt die Problematik sofort. Mose ist weise und demütig genug, sofort auf den Ratschlag vom Schwiegervater zu reagieren.

Wir brauchen regelmäßig den Blick von außen. In unseren Familien, in unserer Gemeinde, in den Betrieben. Wohl dem, der diesen Blick von außen zulässt und weise und demütig genug ist, auf gute und richtige Vorschläge zu reagieren. Wo holst du dir für dein Leben und für deine Belange diesen Blick von außen? Bist du belehrbar? Wohl dem Menschen, der Personen in seinem Beziehungsgeflecht hat, zu denen er gehen kann um Rat einzuholen. Oder Menschen, die bereit sind in unser Leben hineinzureden. Und wohl uns, wenn wir uns nicht nur weise Worte anhören, sondern sie auch in unserem Leben anwenden.

 

Mose, eine gewaltige Person im Alten Testament. Eine Person voller Demut und Dienstbereitschaft. Lass dich vom Leben von Mose inspirieren! Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.                                                                Möge unser Gott dir das schenken.

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