In verwirrender Erwartung. Lukas 1:39-45

von Edwin Boschmann

In verwirrender Erwartung. Lukas 1:39-45

Heute ist der 1. Advent. Spekulatiuskekse werden gekauft, es gibt Lebkuchen, besondere Teesorten, Glühwein, Weihnachtsstände, vielleicht bald noch Schlittschuhlaufen? Wir haben gestern das Adventsbasteln gehabt und man kann hinten Adventsgestecke kaufen. Ja, die Weihnachtszeit ist eine sehr besondere Zeit. Wenn wir von den persönlichen Erfahrungen an Wohlbefinden, Geborgenheit und Glück wegrücken, kommen wir zum eigentlich Weihnachtsgeschehen. Gott selber wird in Jesus Christus Mensch. Und vor Weihnachten haben wir ganz bewusst die Adventszeit, die uns auf das Kommen und das Wiederkommen Christi einstimmt. Auf dieses Kommen Jesu wollen wir heute genauer achten. Dazu lese ich uns Lukas 2:39-45: „Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt 42 und rief laut und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! 43 Und wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. 45 Ja, selig ist, die da geglaubt hat! Denn es wird vollendet werden, was ihr gesagt ist von dem Herrn.“

 

  1. Maria macht sich auf den Weg

Nachdem der Engel Maria begegnet ist und ihr von der anstehenden Schwangerschaft mit Jesus berichtet hat, macht sich Maria auf zu ihrer Verwandten Elisabeth, die ebenfalls auf wundersamer Weise schwanger ist, wie es ihr der Engel gesagt hatte.

Das war für eine junge Frau damals extrem ungewöhnlich. 70 Km Fußmarsch hoch ins Gebirge, als Frau alleine, am Anfang einer Schwangerschaft in der es einem sowieso schlecht geht. Da musste der Druck groß genug sein. Bei Maria war das sicherlich der Fall. Wie sollte sie all das ihrer Familie erklären? Schwanger ohne Mann?
Maria zieht sich zwar in eine sichere Umgebung zurück, aber sie schottet sich nicht ab. Sie muss erst einmal alles einsortieren, bevor sie in ihre bekannte Umgebung zurückkehrt. Somit geht sie zu Elisabeth. Sie sucht die Gemeinschaft einer erfahrenen Frau, die ihr geistig und geistlich Stütze sein kann. Und dort bleibt sie 3 Monate.
Wann machen wir uns auf den Weg um unser Leben auszusortieren? Wohin gehen wir mit all unseren Fragen? Wer ist für dich Anlaufpunkt, bei dem du körperlich gestärkt und geistlich ernährt wirst? Hast du solch einen Lebensanker für Zeiten deiner Krisen?

Der Engel Gabriel ist der gemeinsame Nenner von Elisabeth und Maria. Er gibt die Information der wundersamen Empfängnisse beiden weiter und lenkt die Erwartung auf die Zukunft dieser beiden Babys. Er lenkt die Erwartung auf das Handeln Gottes in der nahen Zukunft.

Die Schwangerschaften passten sicherlich beiden Frauen nicht. Die Schwangerschaft von Elisabeth passte nicht zu ihrem Alter. Sie war viel zu alt für eine Schwangerschaft. Und Maria war viel zu jung für eine Schwangerschaft, unverheiratet, unmöglich. Beide Babys würden zum Heil ihrer Nation da sein. Die Verheißung wurde den Frauen gegeben. Somit wird die Vorfreude auf die Babys sicherlich von beiden Frauen geteilt, wenngleich auch viele offene Fragen dabei sind.

Die gemeinsame Zeit von Maria und Elisabeth war eine Vorbereitungszeit. Es war die Vorbereitungszeit um mit ungewöhnlichen Kindern umgehen zu lernen. Das gemeinsame Wunder der außergewöhnlichen Empfängnis zu verstehen.

Unterschiedliche Zeiten haben auch bei uns im Leben ihre Bedeutung. Es gibt krasse Zeiten, in denen sich viel in unserem Leben verändert. Es gibt Zeiten der Vorbereitung für nächste Schritte. Es gibt Zeiten der Entspannung und Rückbesinnung. In welcher Phase deines Lebens bist du? Was steht als nächstes an? Wie wird es weitergehen?

 

2. Die Verwandtschaft bietet Unterschlupf und Segen

Die Unterschiede zwischen Zacharias/Elisabeth und Maria könnten nicht größer sein. Zacharias zweifelte und wollte nicht recht der Ankündigung des Engels glauben. Maria glaubte, obwohl sie nicht verstand wie sie ohne Mann schwanger werden könnte. Zacharias wollte ein Zeichen, Maria wollte eine Erklärung. Zacharias argumentiert rational. Er will nicht leichtgläubig sein. Dazu sind die Schmerzen der langjährigen Kinderlosigkeit wohl auch zu groß.

Wie leicht tut wir uns damit, etwas zu glauben, was rational nicht möglich ist? Wie geht es bei dir? Zum Beispiel wenn es um eine wundersame Heilung geht. Gehen bei dir dann die Alarmglocken los, oder glaubst du kindlich solchen Ansagen? Ich will uns nicht in die Leichtgläubigkeit hinein lenken, aber doch bin ich mir sehr bewusst, dass bei Gott nichts unmöglich ist. Auch heute nicht. Auch in unserer Mitte nicht. Dafür will ich offen bleiben, auch wenn ich im Einzelfall Fragen habe, wie Maria.

Auch wenn Zacharias zweifelte, wird er nicht verstoßen. Das gibt mir Hoffnung. Wir müssen vielleicht unsere Lektionen lernen, vielleicht sogar über Umwege und mit Erschwernissen, aber wir werden nicht von Gott verstoßen. Das tröstet mich.

Bei Maria und Elisabeth finden wir die normale Ordnung der damaligen Zeit komplett auf den Kopf gestellt. Als Regel grüßt der Niedriggestelle den Höhergestellten. Der Diener geht zu seinem Herrn. Hier wird alles auf den Kopf gestellt. Zum einen sind beide schwanger, Elisabeth zwar gewollt aber schon weit über das gebärfähige Alter hinaus. Maria noch zu jung und ohne Mann. Dann segnet Elisabeth, Frau eines Priesters, aus der Linie von Aaron, die ältere Frau, Maria, die jüngere Frau, die den Sohn Gottes in sich trägt.

Das Baby hüpft im Bauch von Elisabeth und sie wird vom Geist Gottes erfüllt. Es ist Elisabeth, die Maria segnet, und das was in ihr wächst. Das ist eine Bestätigung der großen Freude über den erwarteten Retter. Und in diesem Zug benennt sie das Baby Jesus, im Bauch der Maria, als ihren Herrn. Wie unglaublich!

 

3. Jesus ist Herr

Ein kleines Detail in diesen Versen hat für uns heute große Konsequenzen. Wenn wir zu schnell den Text lesen, werden wir das aber erst gar nicht merken.
Elisabeth spricht 2 Mal einen Segen über Maria aus. Beim erste Segen in Vers 42 sagt Elisabeth: „Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ Da wird Maria persönlich angesprochen. Gesegnet bist DU! Beim zweiten Segen ist es ganz anders. Ich bin erstaunt gewesen, dass keine von den 11 Bibelübersetzungen, die ich angeschaut habe, diese Passage passend wiedergibt. So gebe ich den Luthertext wieder, und korrigiere ihn. Da steht: „Ja, selig ist, die da geglaubt hat! Denn es wird vollendet werden, was ihr gesagt ist von dem Herrn.“ Richtig wäre: Selig ist die glaubende Person, usw. Diese Aussage ist nicht in der 2. Person Singular, sondern im Aorist Partizip. Das drückt eine in der Vergangenheit abgeschlossene Handlung aus, deren Ergebnis in der Gegenwart anhält. Es ist somit keine alleinige Aussage der abgeschlossenen Vergangenheit, sondern eine Aussage der andauernden Handlung. Somit: Selig ist die glaubende Person. Wir, du und ich, werden ganz bewusst vom Schreiber Lukas mit in die Geschichte hinein genommen. Selig sind wir, wenn wir glauben- selig sind wir, wenn wir an diesen Jesus Christus glauben, der von Maria geboren wurde und dann als Gott-Mensch auf dieser Erde gelebt hat. Wir sind gefragt! Wir werden heute herausgefordert zu glauben, wie es Maria damals getan hat. Auch wenn wir uns verwundern und unsere Fragen haben. Selig bist du, wenn du diesem Wunder glaubst, dieser Hoffnung die damals als Baby im Bauch von Maria keimte. Jesus war damals noch nicht wirklich sichtbar, nur als Baby war die Hoffnung auf die Versprechen vorhanden. Jesus ist heute nicht mehr unter uns sichtbar. Und nach wie vor haben wir diese Hoffnung der Herrlichkeit. Die Hoffnung des Wiederkommens Christi. Die Hoffnung auf Weihnacht, als Gott in Form von Jesus zu uns kam. Selig bist du, wenn du dem glaubst.

Das wünsche ich jedem von uns von ganzem Herzen. Selig bist du, der Glaubende. Dann macht Advent für dich sehr viel Sinn!

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