Ich bin das Brot des Lebens. Johannes 6:22-59

von Edwin Boschmann

Ich bin das Brot des Lebens. Johannes 6:22-59

Letzten Sonntag haben wir einiges über Wasser gehört. Wir haben von stehendem Wasser und fließendem Wasser gehört. Von lebendigem Wasser. Es ging um die Geschichte von Jesus mit der Frau am Brunnen.

Heute geht es um Brot. Allein in unserem heutigen Bibeltext wird das Wort Brot oder Manna 19 Mal erwähnt. Brot ist für uns Menschen wichtig. In Deutschland werden täglich über 3.000 Brotsorten gebacken. Wir geben monatlich ca. 18 € pro Haushalt für Brot aus. Die Bezeichnung „Brot“ stand früher nicht allein für das Lebensmittel Nummer 1, sondern war das Synonym für Nahrung, Speise, Beschäftigung und Unterhalt (wir kennen das Sprichwort: jemand steht in Lohn und Brot).

Der heutige Bibeltext ist der erste der 7 „Ich bin“ Worte die wir im Johannesevangelium finden. Dabei ist die Andeutung zu 2 Mose 3:14, wo Gott dem Mose im brennenden Dornenbusch begegnet und ihm seinen Namen sagt (ich bin, der ich bin), eindeutig. Jesus identifiziert sich eindeutig mit diesem Gott, der dem Mose damals erschienen war.

Doch nun zum Text aus Johannes 6:22-59.

 

  1. Vergängliche Werke

Brot ist gut. Es ist bei uns ein Hauptnahrungsmittel. Bei den Juden gibt es zu allen Mahlzeiten Brot dazu. Es ist Inbegriff von Essen.

Wir in Deutschland haben viele Brotsorten. Viele davon sind schwer und sehr nahrhaft. Andere Länder verstehen unter Brot was ganz anderes. Wenn man in Frankreich von Brot spricht, denkt man vor allem an Baguette. Wenn man in England Brot erwähnt, ist Toastbrot gemeint. In Nordamerika wird in den meisten Fällen dann an Burgerbrot gedacht. Alle diese Brote haben eins gemeinsam. Wenn man davon isst, wird man erst einmal satt. Aber wir werden wieder hungrig. Unweigerlich. Es braucht nur genug Zeit zu vergehen und wir brauchen wieder was zu essen.

So unterschiedlich auch das Wort Brot in den unterschiedlichen Ländern benutzt wird, so unterschiedlich sind auch unsere Zugänge zum Brot des Lebens, Jesus Christus. Verschiedene Menschen und Völker werden durch unterschiedliche biblische Aussagen und Erlebnisse zum Glauben geführt. So sprechen Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, allein schon in den vier Evangelien ganz unterschiedliche Menschen unterschiedlich an.

Damit kommen wir zu unserem Text. Am Anfang von unserem Kapitel haben wir die Speisung der 5.000. Ein echtes und eindrückliches Wunder. Wer hätte so etwas nicht erleben wollen! Somit ist es verständlich, dass die Leute Jesus aufsuchen und ihm hinterher rennen. Jesus war wer besonderes. Und Jesus kommt mit den Menschen ins Gespräch über Brot.

Zuerst geht es um Manna – das Brot was Israel bei der Wüstenwanderung von Gott bekam. Konnte Jesus so etwas bewirken? Haben die Leute damals die Speisung der 5.000 für doch nicht so außergewöhnlich erachtet? Oder haben sie schnell die Sensationalität davon verdrängt?

Egal wie, ob Manna oder Brotvermehrung, die Leute wurden wieder hungrig. Es musste wieder was gegessen werden.
Jesus setzt dieses Brot mit vergänglichen Werken gleich. Es sind Werke, die wir als Menschen tun, die aber nicht von Bestand sind. Wie gewonnen so zerronnen. Vieles von dem was wir tun ist gut und schön. Aber hat es tatsächlich Bestand? Ist es zentral? Ist es wichtig? Wie lange hält es an? Wir gehen zur Arbeit und verdienen damit unseren Lohn. Hoffentlich haben wir auch noch das Gefühl, etwas Gutes für die Menschheit zu bewirken. Es ist aber ernüchternd zu wissen, dass wir irgendwann auch wieder ausscheiden werden und es dann nicht lange sein wird, bevor wir nicht mehr vermisst werden. Und schon gar nicht das, was wir auf der Arbeitsstelle so getan haben. Das ist der Normalfall. Ich habe damit einiges an persönlicher Erfahrung, bedingt durch die verschiedene Arbeitsstellen und Orte an denen ich gewesen bin. Es ist für mich wichtig zu reflektieren, was für bleibende Spuren ich tatsächlich an den einzelnen Stellen hinterlassen habe. Unser vergangener Urlaub in Bad Pyrmont war wieder so eine Begegnung mit dem was wir in anderen Menschen bewirkt haben. Es war gut das zu sehen, aber teilweise auch ernüchternd zu merken, dass einige Leute von früheren Arbeitsstellen sich schon gar nicht mehr gut an einem erinnern können.

Wieviel mehr sollten wir uns doch Gedanken darüber machen, was als Vermächtnis von uns tatsächlich bleibt. Was für Spuren hinterlassen wir auf dieser Welt, bei Arbeitskollegen, bei Freunden, Verwandten und anderen? Wie viel ist davon vergänglich und nichtig, wie viel ein bleibender Segen? Welches sind deine und meine bleibenden Werke?

 

2. Gottes Werk

Damit kommen wir zum Brot des Lebens. Wie gesagt, Brot ist gut – es ist leben. Aber es ist auch vergänglich, schnell vergänglich. Somit ist es auch nicht genug. Deswegen lenkt Jesus, mit der Aussage „Ich bin das Brot des Lebens“, unser Augenmerk auf sich. Es geht alles um Jesus!

Bleibende Speise, bleibendes Brot ist wichtig. Im Gespräch mit den Juden fragen die Juden Jesus: „Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Diese Antwort Jesu ist sehr wichtig und mit voller Absicht doppeldeutig gehalten. Man kann es so lesen: „Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Oder man kann es so lesen: „Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Ohne Zweifel ist unser Leben pure Gnade Gottes. Unser Leben ist Gottes Werk. Wenn wir an Gott glauben dürfen, ist das auch reine Gnade. Zugleich lädt Jesus alle Menschen ein an ihn zu glauben. Somit ist Glaube an Gott ein Wechselspiel zwischen der Gnade und Einladung Gottes und unserer Reaktion.

Damit kommen wir wieder zum Brot des Lebens, Jesus Christus selber. Brot des Lebens ist Speise des Lebens, lebendige Nahrung. Jesus greift noch als Beispiel sein Fleisch und sein Blut auf. Er allein ist unsere bleibende Nahrung. Sein Leben, Sterben und Auferstehen wirkt in uns Leben, ewiges Leben, bleibendes Leben. Das ist ganz und gar ausschließlich Gottes Werk.

Wie kann aber dieses Werk Gottes in uns geschehen? Wie können wir an ihn glauben? Zum einen müssen wir uns auf die Suche begeben. Wir müssen Gott suchen. Oft braucht es dafür eine Initialzündung. Die Juden hatten erlebt wie Jesus das Brot vermehrt hatte. Jesus braucht dieses Brot als Analogie um zu zeigen wer das Brot des Lebens ist. Was hast du erlebt, was dich zu Jesus gezogen hat? Was zieht dich zu ihm? Es ist gut, wenn wir uns erinnern. Ist es eine Ahnung, ein Gespür? Oder ein konkretes Erlebnis? Bei mir hat sicherlich die christliche Erziehung geholfen, aber vor allem immer wieder Erlebnisse der Kraft Gottes im alltäglichen Leben führen mich erneut zu Jesus.

Dann müssen wir uns täglich die Frage stellen: „Gott, was ist dein Werk? Heute, in meinem Leben?“ Das hat sehr stark mit Werte in unserem Leben zu tun. Wenn Jesus so wichtig ist, dann nehme ich mir auch für ihn Zeit. In der Bibellese, im Gebet, in meinen Gedanken, im Meditieren an ihn. In meinen Handlungen, Gedanken und Worten. In der Literatur die ich lese, in dem was ich mir anschaue.

Das Brot das wir essen wird uns prägen. Wenn ich nur eine Scheibe Toastbrot esse, habe ich bald wieder Hunger. Womit stille ich meinen Hunger? Unseren Kindern sagen wir: keine Süßigkeiten vor den Mahlzeiten. Bitte nicht so viel Junkfood. Die vergangene Woche war der Geburtstag unseres Sohnes. Dann ist mal eine Ausnahme. Aber das soll ja auch erkennbar sein, dass es eine Ausnahme ist.

Wie stillen wir unseren geistlichen Hunger? Tun wir es mit Junkfood? Oder nur mit leichter Kost, die nicht lange vorhält? Oder nehmen wir geistliche Nahrung in guter und ausgewogener Weise und regelmäßig zu uns? Das wird uns sehr wohl prägen und gestalten.

 

3. Ewiges Leben

Jesus ist das Brot des Lebens. Ein Zeichen dieses Lebens mit Gott ist das Ewige Leben. Das wird in unserem Text fünf Mal erwähnt. Das ist wichtig! Auch die Auferweckung am letzten Tag wird drei Mal erwähnt. Das ist auch wichtig.

Wenn wir die Brotanalogie weiter verwenden bedeutet das: Leibliches Brot ist vergänglich. Wir müssen jeden Tag neu essen. Geistliches Brot ist nicht vergänglich. Jesus selber ist das Brot des Lebens und er verspricht uns ewiges Leben. Er sagt: „Eure Väter haben das Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben; dies ist das Brot, das vom Himmel herabkommt, damit, wer davon ißt, nicht stirbt.“ Das ist ein großer Trost. Wenn wir unsere Nahrung und Speise von Jesus selber genommen haben, haben wir die Zuversicht des Ewigen Lebens. Das ist berechtigte Hoffnung. Ich will mal ein Beispiel nennen: Wenn wir nach langem hin und her unseren Kindern etwas zu Weihnachten oder zum Geburtstag versprochen haben, und sie sich noch selber beteiligen müssen, wir dann aber nicht liefern, geht das ganz und gar nicht. Das wäre dann die schlimmste Weihnachtsfeier oder Geburtstagsfeier überhaupt. Eine bitterböse Enttäuschung und ständige Erinnerung, dass wir als Eltern nicht unser Wort halten und sie sich auf uns nicht verlassen können. Hoffentlich kommt so etwas bei keinem von uns vor. Solche Erlebnisse hinterlassen Narben.

Jesus, viel mehr als wir, kann seine Versprechen einlösen. Er verspricht uns, wenn wir unsere geistliche Nahrung bei ihm holen, uns nicht zu enttäuschen. Er wird uns belohnen. Mit einem ewigen Leben in seiner direkten Gegenwart.

Im Verständnis vom Apostel Johannes ist ewiges Leben immer etwas, was im hier und jetzt anfängt und seine Erfüllung in der Ewigkeit bei unserem Herrn haben wird. Das Ewige Leben hat jetzt schon begonnen, sobald wir Jesus als Herrn und Retter in unserem Leben haben. Hier auf Erden noch in aller Unvollkommenheit werden wir zu seinem Ebenbild geformt und umgewandelt. Die vollkommene Verwandlung findet direkt in der Gegenwart Gottes in der zukünftigen Welt statt. Und Jesus verspricht es uns. Weil er lebt, werden wir als seine Nachfolger auch leben.

 

Jesus, Brot des Lebens. Jesus, derjenige, wenn wir von ihm unsere Nahrung nehmen, der uns das Leben in Ewigkeit verspricht. Leben die Fülle. Ich hoffe das ist für euch Trost, Zuversicht und Hoffnung. Ich hoffe das ist für euch Freude und Erwartung.

Wenn ich an Jesus und an das Ewige Leben denke, dann habe ich diese unbändige Vorfreude, wie es bei meinen Kindern ist, wenn sie ein ganz bestimmtes und besonderes Geschenk erwarten. Nach wie vor ist es ein Geschenk, und auch wenn die Erwartung berechtigt ist, gibt es dafür keinen Anspruch. Es gibt nur die Erfahrung aus der Vergangenheit, wie mit so etwas umgegangen wurde und das Vertrauen in uns als Eltern.
Ich habe vollstes Vertrauen in Jesus Christus, der von sich selber sagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Und etwas weiter: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“. Dieses Vertrauen, diese Vorfreude, die wünsche ich uns allen. Lasst uns zu Jesus gehen, damit wir dort gesättigt werden.  

Zurück

Einen Kommentar schreiben