Gott wirkt. 2 Könige 5:1-10 + Lukas 4:27

von Edwin Boschmann

Gott wirkt. 2 Könige 5:1-10 + Lukas 4:27

Als Ökumene treffen wir uns jedes Jahr mit den verantwortlichen Personen vom Bürgerbüro Durlach. Da schauen wir, wie gemeinsame Anliegen besser gefördert werden können. Bei einer dieser Besprechungen wurde uns vom Bürgerbüro vorgeschlagen, dass wir gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst im Schlossgarten Durlach veranstalten. Wohl gemerkt, der Vorschlag kam nicht von den Kirchen und Gemeinden, sondern von der Stadt. Das hat mich fasziniert und bewegt mich immer noch. Dieser gemeinsame ökumenische Gottesdienst, der Pfingstmontaggottesdienst, hat sich inzwischen etabliert und wird z.Z. von ca. 500 Leuten besucht. Das ist erstaunlich, vor allem weil es immer in der Ferienzeit ist. Die Besucherzahl steigt stetig. Da hat jemand, den wir als christliche Insider einer Freikirche als Außenseiterin wahrnehmen, einen Vorschlag gemacht der sich zum Segen für viele Leute erweist. Das bewegt mich. Das ist kein Einzelfall. Wenn wir genauer hinschauen, werden wir an vielen Stellen sehen, wie unser Herr Menschen zum Segen benutzt, die wir leichthin als ungläubig oder Gott fern bezeichnen würden. Gottes Gnade ist wesentlich größer als wir es je erahnen können. Doch nun lese ich uns unseren Text aus 2 Könige 5:1-10 und Lukas 4:27: „Naaman, der Feldhauptmann des Königs von Aram, war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn und wert gehalten; denn durch ihn gab der HERR den Aramäern Sieg. Und er war ein gewaltiger Mann, jedoch aussätzig. 2 Aber die Kriegsleute der Aramäer waren ausgezogen und hatten ein junges Mädchen weggeführt aus dem Lande Israel; die war im Dienst der Frau Naamans. 3 Die sprach zu ihrer Herrin: Ach dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien. 4 Da ging Naaman hinein zu seinem Herrn und sagte es ihm an und sprach: So und so hat das Mädchen aus dem Lande Israel geredet. 5 Der König von Aram sprach: So zieh hin, ich will dem König von Israel einen Brief schreiben. Und er zog hin und nahm mit sich zehn Zentner Silber und sechstausend Schekel Gold und zehn Feierkleider 6 und brachte den Brief dem König von Israel; der lautete: Wenn dieser Brief zu dir kommt, siehe, so wisse, ich habe meinen Knecht Naaman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist. 7 Und als der König von Israel den Brief las, zerriss er seine Kleider und sprach: Bin ich denn Gott, dass ich töten und lebendig machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht! 8 Als Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen hatte, sandte er zu ihm und ließ ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lass ihn zu mir kommen, damit er innewerde, dass ein Prophet in Israel ist. 9 So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas. 10 Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden.“

„Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa, und keiner von ihnen wurde rein als allein Naaman, der Syrer.“

 

  1. Gott wirkt durch das Leben von Naaman

Naaman ist ein großer Kriegsherr. Er ist Feldhauptmann und hoch geachtet. Er ist ein gewaltiger und tapferer Krieger. Bei einem der typischen Scharmützel seiner Zeit wird ein jüdisches Mädchen gefangen genommen und landet als Sklavin im Haus von Naaman, wo sie der Frau von Naaman zu Diensten steht.

Bei der ganzen Geschichte dreht sich mir als guter Mennonit der Magen um. Ich finde Militär furchtbar. Deswegen bin ich zu meiner Zeit Kriegsdienstverweigerer gewesen. Was da an Leid und Schmerz verursacht wird, damals wie auch heute, natürlich im Namen vom Schutz des eigenen Landes, ist unsäglich. Ganz zu schweigen von den vielen Kollateralschäden die ein Krieg nach sich zieht, wie Mord an Zivilisten, Vergewaltigungen und Sachbeschädigungen. In diesem Fall landet ein unschuldiges Mädchen als Sklavin im Haus einer ihr unbekannten Familie in einem fremden Land. Was kann da gutes dran sein? Nichts, da sind wir uns doch einig, oder?

Mitten im ersten Vers steht ein Teil, der mich verwirrt und stört. Da steht: „durch ihn gab der HERR den Aramäern Sieg“. Was soll das bitteschön heißen? Da ist ein Kriegsherr, und noch dazu ein Ausländer- also kein Israelit. Er ist sogar ein gewaltiger und tapferer Krieger. Und zusätzlich hält er sich eine jüdische Sklavin. In meinen Augen ein durch und durch schlechter Mensch. Allerdings war dieser Naaman auch ein geschätzter Mann, hoch angesehen. Und durch ihn gibt unser Gott den Aramäern Sieg? Sollte es heute noch möglich sein, dass Gott auch im Militär und woanders seine Leute hat, durch die er Heil bringt?

Es fällt mir manchmal schwer zu akzeptieren, aber Gottes Wirkungsbereich ist wesentlich größer und umfangreicher als ich es oft denke. Oftmals limitiere ich Gott und sein Wirken auf seine Gemeinde und dem Wirkungskreis der Gemeinde. Natürlich lese und höre ich regelmäßig von Christen in der Wirtschaft, Politik oder anderen Stellen, die jeweils ein sehr großer Segen in ihren Wirkungsfeldern sind. Das fasziniert und motiviert mich. Ja, unser Glaube soll nach außen wirken.
Aber die Geschichte von Naaman ist eine ganz andere Sache. Hier ist ein weltlicher Mensch, ein erfolgreicher Kriegsherr, und Gott gebraucht ihn. Gott verhilft die Aramäer durch diesen Mann zum Sieg, oder Heil, wie es in anderen Übersetzungen steht.

Gott wirkt auf vielfältiger Weise – auch durch Menschen die ihm nicht unbedingt bewusst nachfolgen. Die ganzen Errungenschaften in Medizin, Technik, Landwirtschaft, usw. sind von Gott geschenkt. Gott wirkt, durch die Gaben die diese Menschen haben, zum Wohl der ganzen Gesellschaft.

Jakobus schreibt in Kapitel 1:17: „Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts.“ Ja, Gott ist mächtig am Wirken in dieser Welt und in unserer Gesellschaft. Auch da wo wir ihn nicht vermuten.

 

2. Gott wirkt durch das Leben des Mädchen

Im Hause von Naaman ist man natürlich bekümmert über die Krankheit des Hausvaters. Die jüdische Sklavin lässt die Situation nicht in Ruhe. Sie geht zu ihrer Herrin und redet mit ihr. Sie gibt Zeugnis von der Größe ihres Gottes, und das dieser Gott in ihrer Heimat einen Propheten hat, der sehr wohl Naaman heilen könnte.

Die junge Sklavin steht im Kontrast zum König von Samarien, wo Naaman als erstes hinreist. Naaman weiß es nicht besser und denkt er könnte den König von Samarien kaufen, damit er gesund würde. Aber der König von Samarien kommt tatsächlich nicht auf den Gedanken, dass der Prophet Elisa den Naaman heilen könnte. Das ist krass! Die junge Sklavin weiß von der heilenden Kraft Gottes durch den Propheten Elisa in Samarien. Der König von Samarien hat das überhaupt nicht im Blick, obwohl Elisa in seinem Bereich lebt und Samarien beileibe nicht groß ist. Lukas 4:27 greift diesen Gedanken auf. Da steht: „Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa, und keiner von ihnen wurde rein als allein Naaman, der Syrer.“ Lukas, der Evangeliumsschreiber, schreibt dies dem Unglauben des Volkes zu, dessen Vertreter der König ja ist.

Hier wird etwas deutlich: Gott wirkte durch Naaman – im sehr allgemeinen Sinn. Das Wirken der jüdischen Sklavin ist aber schon sehr viel spezifischer. Sie lenkt die Aufmerksamkeit von Naaman ganz direkt auf den Propheten Elisa.

So ist es auch noch heute. Alles Gute, was wir in dieser Welt erleben, kommt von Gott. In diesem Bereich sind alle Menschen Handlanger Gottes. Wenn es aber um das konkrete Einschreiten Gottes im Leben einzelner Leute geht, dann braucht es konkrete Personen die dieses in die Wege leiten. Das jüdische Mädchen ist so ein Wegweiser Gottes im Leben von Naaman. Und ich bin sicher, Naaman hat sich nach der Heilung zuhause wesentlich stärker damit beschäftigt, warum und wie er geheilt wurde. Die Frage nach Gott konnte er nicht ausklammern.

Wo sind wir wie das jüdische Mädchen? Sie war keine Missionarin oder Evangelistin. Sie war eine Person die durch das Leid ihres Herrn berührt war und ihn in die richtige Richtung gewiesen hat. Wo bin ich, wo bist du gefragt diese Person zu sein? Für Menschen, die deine Hilfe brauchen? Mal mag es tatsächlich ein Gebet für Heilung sein, mal ein Hinweis auf unserem Herrn und Heiland, der wirkliches Leben schenkt. Mal ein Hinweis auf Veranstaltungen, die wir als Gemeinde haben oder auf niederschwellige Angebote wie etwa das anstehende Adoniakonzert oder den Glaubensgrundkurs im November/Dezember. In unserem Leben sind wir Wegweiser Gottes. Durch unser Reden und Handeln, sowie auch durch unser Schweigen und durch unsere Stille. Wir sind die Hände und Füße Gottes hier auf dieser Erde, auf dem Thomashof, auf unseren Arbeitsstellen, Schulen, Altenheimen und Häusern. Wir sind seine Kinder. So wie es die Magd im Hause von Naaman war.

 

3. Gott wirkt durch das Leben von Elisa

Das Wirken Gottes wird bei Naaman durch das Handeln vom Prophet Elisa zur Tat. Elisa hört das Naaman beim König war. Elisa sendet hin, damit Naaman zu ihm kommt. Elisa sendet Naaman zum Jordan, damit er sich dort 7-mal untertaucht und dadurch gesund wird. Und Naaman wird gesund.
Elisa zeigt aber auch durch sein Handeln die Werte Gottes. Naaman meinte er könnte sich seine Gesundheit erkaufen. Elisa weißt die sehr großzügigen Geschenke zurück. Hätte Elisa die Geschenke angenommen, wäre er ein gemachter Mann. Er hätte sich nie mehr finanzielle Sorgen machen müssen. Er wäre vielleicht sogar angesehener gewesen, da er bessere und teurere Kleidung gehabt hätte. Die eindeutige Botschaft des Propheten Gottes ist: Gott lässt sich nicht kaufen. Er sorgt für seine Leute.

Der Diener von Elisa, Gehasi, sieht das anders als sein Meister. Es kann ja nun wirklich nicht schaden weltliche Reichtümer zu haben, denkt er sich. Er läuft dem Naaman nach, und durch eine Lügengeschichte bekommt er einen Teil der Geschenke, die Naaman sowieso in Samarien lassen wollte. Allerdings bekommt er dafür auch die Krankheit von Naaman, da er nicht Gottes Charakter zeigt, sondern gerade das Gegenteil verkörpert.

 

Auch hier stellt sich die Frage: Wie sieht es bei uns aus? Verkörpern wir durch unser Leben und Handeln unseren Herrn und Meister, Jesus Christus? Bei Naaman war die Frage, ob Gott gekauft werden kann. Bei uns sind es andere Fragen. Natürlich ist und bleibt die Frage nach der Liebe zum Geld und Hab und Gut auch heute ein Thema. Wie sieht es mit Steuerhinterziehungen und „geschönte“ Angaben bei der Einkommenssteuer aus? Wie sieht es damit aus, Zeit im Betrieb privat zu nutzen, etwa durch privaten Mailverkehr, Telefonate oder sonstiges? Wenn es abgesprochen und erlaubt ist, ist das eine Sache. Wenn man sich aber nimmt, was einem nicht zusteht, ist das nicht in Ordnung.

 

Durch unser Leben sind wir Wegweiser zu Gott. Wir sind ein offener Brief, der von den Menschen in unserer Umgebung gelesen wird. Die Sklavin Naamans war ein guter und positiver Brief. Elisa war der nächste Wegweiser. Elisa hat nicht nur Naaman geheilt, sondern ihm viel vom Charakter Gottes wissen lassen. Naaman ist sicherlich sehr glücklich nach Hause zurückgekehrt. Aber er hatte auch viele Fragen über Gott, die er mitgenommen hat.

Ich ermutige euch diese kommende Woche euch selber zu beobachten. Welche „normalen“ Gelegenheiten habt ihr gutes und Gott wohlgefälliges Leben in eurem Alltag zu zeigen? Welche Reaktionen bekommt ihr darauf? Sind die Reaktionen so, dass sie positiv zu Gott hinweisen, oder sind die Reaktionen eher so, dass ihr als Spinner abgetan werdet? Dann muss man sein Handeln überdenken und positiv korrigieren. Wir wollen Gott durch unserem Leben verherrlichen. Ihm allein sei die Ehre.

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