Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. 2. Korinther 9:6-15

von Edwin Boschmann

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. 2. Korinther 9:6-15

Wenn Geld in der Gemeinde knapp ist, dann wird gern über Geld gepredigt und auch um Geld gebettelt. Das ist allerdings eine schlechte Zeit um über Geld und Besitz zu predigen. Bei uns ist das z.Z. nicht der Fall. Dafür bin ich sehr dankbar. Laut unserem Kassierer darf man euch wieder loben! Unsere Bücher sehen ganz ordentlich aus. Für mich ist und bleibt es allerdings interessant, dass Jesus viel häufiger über Geld als über den Himmel redet. Das tun wir, glaube ich, nicht, aber wir können ja zumindest an diesem Thema dran bleiben. Heute wollen wir es tun. Dazu lese ich uns 2. Korinther 9:6-15 vor: „Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. 7 Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. 8 Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; 9 wie geschrieben steht (Psalm 112,9): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.« 10 Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. 11 So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. 12 Denn der Dienst dieser Sammlung füllt nicht allein aus, woran es den Heiligen mangelt, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. 13 Um dieses treuen Dienstes willen preisen sie Gott für euren Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und für die Lauterkeit eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. 14 Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. 15 Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!“

 

Zum Anfang lese ich uns einen Traum vor, den Tim Geddert in seinem Buch „Verantwortlich leben“ beschreibt (Tim Geddert S. 169).  Aus diesem Buch habe ich auch einige meiner Gedanken genommen.

 

  1. Alles gehört Gott

In  5. Mose 10:14 steht: „Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, das ist des HERRN, deines Gottes.“ Zwei Prinzipien dürfen wir aus diesem Vers ableiten. 1. Wir dürfen alles als gutes Geschenk Gottes an uns genießen. 2. Wir sind Verwalter Gottes.

Wenn wir erkennen, dass alles was wir haben, nicht unser ist, dann fällt es wesentlich leichter etwas abzugeben. Ich gebe ja nicht von dem ab, was meins ist, sondern von dem, was sowieso Gottes ist. Bei meinem Tod werde ich alles zurücklassen. Gar nichts, überhaupt nichts was uns jetzt an äußeren Dingen so wichtig scheint, spielt dann eine Rolle. C.S. Lewis schreibt sehr treffend: „Nichts von dem, was du nicht weggegeben hast, wird jemals wirklich dein sein.“

Als Jesus über das Reich Gottes und dem Nadelöhr spricht sagt er sinngemäß: „Es ist eigentlich für alle Menschen ganz und gar unmöglich, ins Himmelreich zu kommen…und für die Reichen noch schwieriger.“ Das liegt daran, dass man sich das Himmelreich nicht erkaufen kann. Wenn man sich aber im Leben angewöhnt hat mit Geld alles zu bekommen, ist es schwierig sich dieses komplett andere Denken Gottes zu eigen zu machen. Das trifft auf fast alle von uns zu! Das macht mir Angst.

Gott ist zutiefst ein gebender Gott. Er gibt sich ganz und gar hin. In seiner Beziehung zu uns gibt er sich ganz hin. Er gibt seinen himmlischen Sohn auf, damit dieser Mensch wird. Als Mensch kommt Jesu auf seine Erde, und die Seinen (oder das Seine) nahmen ihn nicht auf. Das bricht aber nicht die Charaktereigenschaft Gottes, dass er sich weiterhin ganz und gar hingibt. Das ist Gott. Und Gott lädt uns ein so zu handeln wie er ist. Frei haben wir empfangen. Frei geben wir weiter. Gaben an Zeit (Freiwilligenjahre, z.B.), Geld, Kreativität, Ehrenamt, etc.

 

  1. Freude am Geben

Nach Jesu Tod und Auferstehung haben die ersten Jünger in Gütergemeinschaft gelebt. Ich sage nicht, dass das unser Vorbild sein muss. Es hat ja auch nicht lange gehalten. Es zeigt aber das Verständnis der frühen Jünger für Hab und Gut und deren Leidenschaft füreinander. Der, der mehr hatte, hat dem gegeben, der nicht so viel hatte. Das haben sie ganz praktisch gelebt. Und das Prinzip ist ja bis heute so erhalten geblieben.   

Das Prinzip aus 2. Korinther 9 ist ebenfalls einfach. Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Wir sollen nicht mit Unwillen oder aus Zwang geben. Es kommt also auf unsere Herzenshaltung an. Und unsere Herzenshaltung können wir durchaus gestalten und verändern. Das ist nicht statisch. Wir müssen also lernen: geben ist cool. Wir dürfen aus vollem Herzen genießen, was Gott uns zur Verfügung gestellt hat und wir dürfen das, was uns zur Verfügung gestellt wurde, mit anderen teilen. Gemeinsame Freude ist doppelte Freude. Geben ist wirklich cool. Damit kann man echt tolle Erfahrungen machen.

Claudius erzählte mir, wie er vor Jahren mal einen seiner Lieblingspullis an einen Freund verschenkt hat, weil der diesen Pulli auch so gut fand. Für Claudius war das am Anfang schwer, aber dann hat sein Freund ebenfalls angefangen Dinge zu verschenken, die ihm viel bedeutet haben. Die Kettenreaktion zu erleben war wohl ein besonderes Erlebnis, was man mit Geld gar nicht aufwiegen konnte.
Als ich in Paraguay war, brauchte ein junger Lehrer einen Wagen. Bedingt durch die hohen Zinsen konnte er aber kein Geld dafür aufnehmen. Somit habe ich ihm Geld geliehen, ohne Zinsen zu verlangen, und er konnte sich einen Wagen kaufen. Diese Vorgehensweise hat Spuren bei diesem Ehepaar hinterlassen.

Geben bereitet Freude. Wann habt ihr das letzte Mal etwas gegeben und es hat euch Freude gemacht? Überlegt mal, wie das bei euch aussehen könnte.  Und habt Mut zum Risiko. Es kann gut sein, dass etwas von eurem Geld dabei tatsächlich verloren geht oder von anderen Menschen nicht gut eingesetzt wird. Ist es aber nicht genau so, wenn wir uns etwas kaufen und danach merken, dass es eigentlich ein totaler Fehlkauf war und die Sachen dann im Keller verrotten? Da dürfen wir ruhig Mut zum Risiko haben.

Für mich ist es interessant, wie wir unseren Kindern von klein auf beibringen: du sollst teilen! Es soll gerecht sein. Der eine soll nicht mehr bekommen, der andere nicht weniger. Sei es bei einem Kuchen, bei Süßigkeiten oder bei der Zeit, mit der man ein Spielzeug nutzt. Wenn wir dann Erwachsen werden ist es auf einmal komplett okay, dass einer wenig, der andere viel hat. Welch ein Widerspruch! Und wir merken diesen Widerspruch noch nicht einmal. Es ist so alltäglich!

Auch sollte man Geben in frühen Jahren üben. Früh übt sich. Wenn man 5 € Taschengeld bekommt, und davon 50 Cents abgibt, ist es überschaubar. Wenn ich aber irgendwann einmal 5.000 € im Monat bekomme, meine ich es wäre super viel 500 € davon abzugeben. Dabei habe ich doch nun viel, viel mehr zur Verfügung. Wiederum: Welch ein Widerspruch!

Nun lese ich uns noch eine kurze Geschichte von Tim Geddert vor, wie es cool sein kann, Geld zu verschenken (Tim Geddert S. 183).

 

  1. Im verborgenen geben

In der Bergpredigt sagt Jesus: Matthäus 6:1-4: „Habt aber acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. 2 Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 3 Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, 4 auf dass dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.“

Wenn unsere Motivation beim Geben die ist, das andere ehrfürchtig unseren Namen betrachten, dann ist unser Lohn damit abgegolten. Wie viele Parkbanken stehen rum, wo der Namen des Spenders erwähnt wird? Bei vielen Hilfsorganisationen, wenn man über einen bestimmten Betrag spendet, wird der Name auf der Homepage aufgelistet. Man könnte an dieser Stelle Sponsoren für  z.B. Fußballspiele erwähnen. All das ist legitim und fair und überhaupt nicht verwerflich. Besonders für Betriebe kann das durchaus lukrative Werbung sein. Aber Geben im christlichen Sinn ist das nicht. Gott wird sich dieser Dinge nicht erinnern. Der Lohn ist mit der eigentlichen Tat bereits abgegolten.

Auch sind Abhängigkeiten schwierig. All unsere mennonitischen Werke sind von Spenden abhängig. So geht es ja allen Hilfs- und Missionsorganisationen. Wenn man aber Menschen nicht mehr ganz normal begegnet, weil sie vielleicht größere Spender sind, dann ist das falsch. Wenn ich jemanden finanziell unterstütze, und unsere Beziehung wird dadurch bestimmt, ist das schlecht. Das muss nicht sein, das kann aber leicht passieren. Dann ist es besser anonym zu spenden und auf Spendenbescheinigungen zu verzichten. Das ist dann wirkliches Geben im Verborgenen.

 

  1. Geben konkret

So, wie sieht Geben also ganz konkret aus? Wie sieht es generell aus? Dazu ein paar Fakten: Die Anzahl der Privatspender in Deutschland liegt wieder unter dem Vorjahreszeitraum: Insgesamt 24,5% der deutschen Bevölkerung ab 10 Jahre spenden. Die durchschnittliche Spende beträgt 35 Euro pro Spende. Im Schnitt gibt es 5,6 solcher Spenden pro Jahr, also 196 € pro Person pro Jahr. Immer weniger Personen spenden immer mehr. Insgesamt nimmt aber das Spendenvolumen ab. Männer spenden in Deutschland  in der Regel mehr als Frauen.

Es gibt ein deutliches Ost-West Gefälle. Im Osten ist die Spendenbereitschaft deutlich niedriger als bei uns im Westen. In USA ist das Spendenaufkommen in den letzten 40 Jahren stetig gewachsen. Es liegt wesentlich höher als bei uns. Und 80% der Spenden in USA sind Privatspenden.

Als Christen ticken wir im Bereich Geben/Spenden komplett anders als unsere Mitbürger. Bei 196 € jährlicher Spende kann ich nur müde lächeln.

Im Alten Testament wird ein Richtwert von 10 % (daher auch der Begriff des 10ten Gebens) angegeben. Darüber hinaus gab es noch diverse Steuern und Abgaben, damit das Allgemeinwohl funktionieren konnte. Im Neuen Testament wird dieser Gedanke nicht zurückgenommen. Und ob man für sich den Netto- oder Bruttoverdienst zugrunde legt, das muss jeder für sich beantworten. Im Neuen Testament wird vielmehr das fröhliche und regelmäßige Geben betont. Es ist bei uns nun nicht mehr ein sklavisches darauf achten, dass ich genug gegeben habe, sondern es herrscht fröhliche Freiheit im Bereich geben. Mal werde ich mehr geben (und auch geben können), mal werde ich finanzielle Verpflichtungen haben, die mich daran hindern so zu geben, wie es mir lieb wäre. Das ist okay.

Ich kenne einige Christen, die gerne zinslose Darlehen geben und somit anderen Menschen oder Organisationen schon viel Gutes getan haben. Die Tagungsstätte hat z.B. viele solcher zinsloser Darlehen, die sie bekommt.

Ich kenne andere Menschen, die bewusst ein Spendenunterkonto führen. Außer den „normalen“ Dauerüberweisungen, die die meisten von uns haben, landet da Geld, was „übrig“ ist. Wenn sich dann eine Gelegenheit bietet, mit diesem Geld etwas Gutes zu tun, dann hat man dazu die Möglichkeit. Das ist ja die konkrete Bitte von Paulus an die Korinther, dass sie regelmäßig Geld zur Seite legen, damit bei seiner Ankunft auch substanziell was da ist, was er dann mit nach Jerusalem nehmen kann.

Wir als Familie haben z.B. 2 unserer Autos, die wir sonst verkauft hätten, an Menschen verschenkt, die darauf angewiesen waren einen Wagen geschenkt zu bekommen. Da haben wir das Gleiche erlebt wie Tim Geddert. Diese Autos wurden dann weiter an andere verschenkt, und der Gedanke, das Gute, was man selber erfahren hat, mit anderen zu teilen, hat sich vielfach vervielfältigt.

 

Als Gemeinde sind wir im Bereich Geben auf einem sehr guten Weg. Trotzdem will ich euch weiter ermutigen. Geben kann so ein großer Segen sein. Es kann unser Herz so ganz anders erreichen als vieles andere. Und wer auf dieser Welt kann so viel geben wie wir, die wir so viel Empfangen haben? Freut euch, an dem was ihr habt. Und freut euch, mit dem was ihr habt anderen helfen zu können. Gott lässt sich sicherlich nichts schenken. Er hat uns überreich beschenkt. Er kann es auch weiterhin tun.

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