Ein Segen sein. 1 Mose 32:23-32

von Edwin Boschmann

Ein Segen sein. 1 Mose 32:23-32

Als wir als junge Studenten nach Vancouver, Kanada, gezogen sind, haben wir eine Situation wie heute in Karlsruhe vorgefunden. Es gab viel zu wenig Wohnraum. Jedes Loch wurde für teures Geld vermietet. Unglaublich, was da alles auf dem Markt war. Aber vor allem konnte man so schnell keinen Wohnraum finden. Damals hat uns ein Ehepaar aus einer Mennoniten-Brüdergemeinde für einige Monate aufgenommen und uns ganz stark geholfen. Das war für uns ein enormer Segen. Bis heute halte ich den Kontakt mit dieser Familie warm.

Beim Segen ist es ja so, dass jemand mit der Macht uns etwas zu geben, uns beschenkt. Der biblische Ursprung liegt darin, dass ein Geschenk dadurch gegeben wird, dass ein wirksames und starkes Wort ausgesprochen wird. Im biblischen Sinn wird uns beim Segnen ein geistlicher Nutzen geschenkt. Man wünscht einem anderen etwas Gutes und erbittet dabei Gott, der ja die Kraft hat dieses auch durchzuführen, es so geschehen zu lassen.

 Heute werden wir uns die Geschichte von Jakob am Fluss Jabbok genauer ansehen. Jakob war vor seinem Bruder Esau geflohen, den er um sein Erstgeburtsrecht betrogen und um den Segen seines Vaters übervorteilt hatte. Nun, nach vielen, vielen Jahren, kehrt Jakob zurück und will sich mit seinem Bruder versöhnen. Dazu schickt er seine Frauen und Tiere und viele Geschenke in Gruppen vor zu seinem Bruder Esau. Selbst verweilt er aber noch am Fluss, wohl auch um Kraft und Mut für die bevorstehende Begegnung zu bekommen. Im Bibeltext steht es dann so: „Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog durch die Furt des Jabbok. 24 Er nahm sie und führte sie durch den Fluss, sodass hinüberkam, was er hatte. 25 Jakob aber blieb allein zurück. Da rang einer mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. 26 Und als er sah, dass er ihn nicht übermochte, rührte er an das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt. 27 Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. 28 Er sprach: Wie heißt du? Er antwortete: Jakob. 29 Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. 30 Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißt du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst. 31 Und Jakob nannte die Stätte Pnuël: Denn ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet. 32 Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.“

 

  1. Jakob bleibt allein zurück

Jakob hat den Segen von seinem Vater Isaak und von seinem Bruder Esau erschlichen. Segen war im Leben von Jakob ein extrem wichtiges Thema. Sehr zentral. Dafür ist er Wege gegangen, koste es was es wolle. Dafür hat er seinen Vater belogen und betrogen. Dafür hat er seinen Bruder bestochen. Obwohl er als zweitgeborener nicht diese Rechte hätte haben sollen. Und Gott lässt sich trotzdem auf Jakob ein und segnet ihn. Der Segen Gottes ist nicht automatisch so festgelegt, wie wir es gerne hätten und vielleicht von früher kennen und wie es sein sollte. Gott ist unabhängig in dem wie und wen er segnet.

Jakob bleibt auf alle Fälle allein an der Furt des Flusses zurück. Er schickt seine Frauen, Kinder und Tiere voran. Interessant ist, dass seine Tochter Dina nicht erwähnt wird, aber die Söhne werden erwähnt. Ein sehr schwerer Schritt steht ihm bevor. Er muss sich mit seinem Bruder versöhnen. Er hat bereits gehört, dass dieser ihm mit 400 Mann entgegen kommt. Damals war man nicht so zimperlich wie heute. Menschen sind früh und schnell gestorben, oftmals durch einen gewaltsamen Tod.

Trotzdem lässt sich Jakob ängstlich auf diesen neuen Weg ein. Er will Versöhnung. Er ist bereit den nächsten Schritt in seinem Leben zu gehen. Aber zur inneren Vorbereitung braucht er noch Zeit. Somit bleibt er allein am Fluss zurück.

Es ist tiefste, dunkle Nacht. Es ist eine tiefe Schlucht, in der Jakob sich befindet. Das macht alles noch dunkler und finsterer. Nächte spielen im Leben von Jakob eine wichtige Rolle. Es war bei Nacht als Gott Jakob das erste Mal begegnete. Es ist bei Nacht als Jakob dem Esau seine Geschenke überreicht. Und hier ist es auch tiefste Nacht. In seiner Seele und auch drum herum.

Wer von uns kennt solche Situationen nicht? In unserem Herzen ist es dunkel. Wir sind verzagt, vielleicht sogar verzweifelt. Wir haben Dinge in unserem Leben getan, auf die wir nicht stolz sind und die nun ihre Konsequenzen tragen. Dinge laufen nicht so, wie wir sie uns vorgestellt haben. Wir sind möglicherweise krank, verlassen und müde. Wir fühlen uns allein gelassen. Wir brauchen dringend Mut und Auferbauung. Ja, das sind Situationen die wir als Menschen kennen. Jakob war gerade mitten drin in solch einem Schlamassel.

 

2. Jakob kämpft mit einem Mann

In dieser Situation der Erschöpfung und Entmutigung erscheint dem Jakob ein Mann und dieser kämpft mit ihm. Dabei war Jakob ein beträchtlich starker Mann, mitten im Leben, gehärtet durch jahrelange Arbeit mit Tieren an der freien Natur. Jakob war sicherlich nicht ein Mann, den man im Dunkeln allein begegnen wollte. Und doch zieht sich der Kampf in die Länge. Stunden vergehen und Jakob gewinnt immer noch nicht. So etwas hatte Jakob noch nicht erlebt. Bislang war er immer als Sieger davon gegangen.

Als die Dämmerung einbricht schlägt ihn der fremde Mann so stark gegen die Hüfte, dass er einen bleibenden Schaden davon trägt. Inzwischen hat Jakob aber kapiert, dass er nicht einfach gegen einen Menschen kämpft. Es ist vielmehr Gott, der ihm in diesem Kampf begegnet ist. Trotz des Schlages gegen die Hüfte, trotz der immensen Schmerzen, die Jakob haben musste, lässt er Gott nicht los. Er klammert sich an ihm, koste es, was es wolle. Jakob hatte früher den Segen seines Vaters Isaak durch Betrug erhalten, aber hier kann er den Segen nur erhalten, wenn er sich an dieser Person, an Gott selbst, festhält. Damit kommen wir zu den sehr bekannten Bibelvers, in dem steht: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“

Ich wünsche mir, dass wir uns auch so an Gott klammern wie es Jakob gemacht hat. Dass wir den Segen Gottes in unserem Leben einfordern. Das bedeutet nicht, dass alles bei uns gut laufen wird. Aber wir sind nicht allein gelassen, sondern werden von Gott durch alle Höhen und Tiefen getragen und begleitet. Das ist was zählt.

 

3. Jakob lässt nicht los, bevor er nicht gesegnet wird

Wäre der Mann mit dem Jakob kämpfte ganz normal gewesen, hätte Jakob längst gewonnen gehabt. Erst durch diesen Kampf wird Jakob bewusst, dass er es hier mit jemand ganz anderem zu tun hat. Er hat es mit dem zu tun, der ihn segnen kann. Und da Segen Jakob so viel bedeutet, lässt er nicht los und verlangt gesegnet zu werden. Man kann aber nur so etwas verlangen, wenn man weiß, dass die andere Person tatsächlich höher gestellt ist und Segen liefern kann. Insofern war zu dem Zeitpunkt für Jakob klar, dass er nicht mit einem Menschen kämpft.

Segen zu erlangen ist nicht nur für Jakob damals wichtig gewesen. Auch wenn wenige so verbissen dafür kämpfen würden, sind wir genauso abhängig von Gottes Segen wie es Jakob war.

Heute steht Willi im Zentrum des Geschehens. Und seine Eltern, die Willi segnen lassen. Ein Kind verändert alles im Leben der Eltern. Als Eltern wünscht man sich das Beste für seine Kinder. Man merkt aber auch schnell, das dem was man als Eltern tun kann klare Grenzen gesetzt sind. Wenn das Kleinkind schreit, weiß man nicht immer, was das Kind hat. Manchmal ist man ganz verzweifelt, will helfen, weiß aber nicht wie. Man kann die Kinder auch nicht wirklich vor Schaden beschützen. Das haben wir schmerzlich bei unserer Tochter gemerkt, als sie sich das Bein gebrochen hat. Und doch wissen wir uns von Gott getragen. Er geht mit uns. Und wir bitten weiter um Gottes Segen, dass er Kraft gibt, dass er, soweit es für uns gut ist, uns vor Übel bewahrt und Heilung schenkt. Auch wenn wir heute nicht physisch mit Gott kämpfen, kann es durchaus sein, dass wir im Gebet und Gedanken durchaus uns an Gott klammern, bis er uns segnet. Es lohnt sich für den Segen Gottes zu kämpfen. Auch kann es gut sein, wie am Anfang schon erwähnt, dass wir erst einmal inne halten müssen. Bevor wir einen neuen Lebensabschnitt begehen, an der Furt zur neuen Lebenslage stille werden und vor Gott treten. Ihm das darlegen, was als nächstes kommt.

Jakob hatte gegen Menschen gekämpft und gewonnen. Gegen Gott konnte er den Kampf nicht gewinnen. Er trägt die Spuren des Kampfes als Narben mit sich. Aber er geht als gesegneter aus diesem Kampf. Nun weiß er, dass sein Bruder ihn nicht umbringen wird. Wenn Gott ihn leben lässt, dann hat sein Leben ein neues Ziel und neue Hoffnung.

Jakob bekommt einen neuen Namen. Aus Jakob, dem Betrüger, wird Israel, derjenige, der mit Gott kämpft.

Als Jakob von dieser dunklen Schlucht weiterzieht, geht er nicht nur mit einem neuen Namen. Er gibt diesem Platz ebenfalls einen Namen. Pnuel: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen.

 

Haben wir Erlebnisse in unserem Leben, die wir vordergründig überhaupt nicht mit Gott und Glauben in Verbindung bringen würden? Sicherlich. Manchmal entpuppen sich solche Erlebnisse als Gottes Spuren in unserem Leben. Stellen, an denen wir Gott von Angesicht zu Angesicht begegnet sind, ohne es dabei zu merken. Im Nachhinein mag es uns auffallen. Wohl dem, der dann seinen Dank Gott bringt, der uns diesen Segen gibt und mit uns unseren Lebensweg geht. Gott will segnen. Wenn Gott Jakob segnet, der solch ein Betrüger war, dann haben wir alle die Möglichkeit von Gott gesegnete, reich beschenkte, Leute zu sein. Das wir dies spüren, das wünsche ich jedem einzelnen heute Morgen.

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