Durch die Taufe. Römer 6:1-14

von Edwin Boschmann

Durch die Taufe. Römer 6:1-14

Durch die Taufe

Römer 6:1-14

 

Mein eindrücklichstes Tauferlebnis, an das ich mich gut erinnern kann, war wohl als ich mit Christliche Dienste bei den Indianern in Paraguay war. Es wurden ca. 40 junge Leute getauft. Die Taufstelle war ein super dreckiges Wasserloch, eine Tränkstelle für die Rinder. Ein Seil war bis in die Mitte gespannt, damit keiner stürzen sollte und damit alle auch wieder gut rausfinden konnten. Um die Wasserstelle gab es fast keinen Platz zum Schauen. Hunderte von Freunden und Bekannten waren gekommen um das mitzuerleben. Welch ein Erlebnis.

Es kommt allerdings nicht auf die Menge der Täuflinge an. Vielmehr geht es um einen jeden Einzelnen und um die Kraft Gottes, die im Leben dieser Menschen sichtbar wird. Darum geht es auch im Text aus Römer 6:1-14, das ich uns nun lesen möchte: „Was folgt nun daraus? Sollen wir ruhig weitersündigen, damit die Gnade sich noch mächtiger entfalten kann? 2 Unmöglich! Die Sünde hat kein Anrecht mehr an uns, für sie sind wir tot – wie könnten wir dann noch weiter in der Sünde leben? 3 Ihr müsst euch doch darüber im Klaren sein, was bei der Taufe mit euch geschehen ist. Wir alle, die »in Jesus Christus hinein getauft wurden, sind damit in seinen Tod hineingetauft, ja hineingetaucht worden. 4 Durch diese Taufe wurden wir auch zusammen mit ihm begraben. Und wie Christus durch die Lebensmacht Gottes, des Vaters, vom Tod auferweckt wurde, so ist uns ein neues Leben geschenkt worden, in dem wir nun auch leben sollen. 5 Denn wenn wir mit seinem Tod verbunden wurden, dann werden wir auch mit seiner Auferstehung verbunden sein. 6 Das gilt es also zu begreifen: Der alte Mensch, der wir früher waren, ist mit Christus am Kreuz gestorben. Unser von der Sünde beherrschtes Ich ist damit tot und wir müssen nicht länger Sklaven der Sünde sein. 7 Denn wer gestorben ist, kann nicht mehr sündigen; er ist von der Herrschaft der Sünde befreit. 8 Wenn wir nun mit Christus gestorben sind, werden wir – davon sind wir überzeugt – auch zusammen mit ihm leben. 9 Wir wissen ja, dass Christus vom Tod auferweckt wurde und nie mehr stirbt. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn. 10 Mit seinem Tod hat Christus der Sünde ein für alle Mal gegeben, was sie zu fordern hat; mit seinem Leben aber gehört er Gott. 11 Genauso müsst ihr von euch selbst denken: Ihr seid tot für die Sünde, aber weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid, lebt ihr für Gott. 12 Lasst also nicht zu, dass euer sterblicher Leib von der Sünde beherrscht wird. Gehorcht nicht seinen Begierden! 13 Stellt eure Glieder und alle eure Fähigkeiten nicht länger in den Dienst der Sünde, die sie als Waffen gegen das Gute benutzt. Stellt euch vielmehr in den Dienst Gottes als Menschen, die gewissermaßen schon von den Toten auferstanden sind, damit Gott eure Glieder und Fähigkeiten als Waffen im Kampf für das Gute gebrauchen kann. 14 Die Sünde wird nicht Herr werden über euch! Denn ihr lebt nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.“ (Gute Nachricht).

 

  1. Sünde – Gnade

In diesem Text stehen sich Sünde und Gnade gegenüber. Auf der einen Seite steht ein fremdbestimmtes Leben, das weder gut für mich noch gut für unsere Gesellschaft ist. Die vergangene Woche hatte ich ein Telefonat mit einem alten Bekannten. Wieder einmal ist er auf Entzug in einer Klinik. Händeringend sucht dieser Mann nach Lösungen und Alternativen. Er sucht nach einer Stelle, wo er wieder einmal ein neues Leben anfangen kann. Es scheint ihm einfach nicht gelingen zu wollen. Er hat schon so viele gescheiterte Neuanfänge hinter sich. Ich wünschte von Herzen ich könnte diesem Mann helfen.

Auf der anderen Seite steht ein Leben, das von Gott bestimmt ist. Gott geht den ersten Schritt auf uns Menschen zu und bietet seine Gnade an. Gnade ist ein Geschenk Gottes an den Menschen, das großzügig, frei und total unerwartet und auch unverdient kommt. Gnade ist großzügig, voller Liebe, voller Nachsicht und es lässt uns am göttlichen Leben teilhaben.

            Ich will das mal verdeutlichen: Im Februar bin ich über eine rote Ampel gefahren. Ich fuhr zu einem wichtigen Gespräch und war abgelenkt. Ich war frühzeitig dran und hatte keine Eile. Aber meine Gedanken waren nicht beim Autofahren. Auf einmal sehe ich diese Ampel, und die war rot. Ich habe nicht reagiert und bin einfach weitergefahren. Meine Gedanken in dem Augenblick waren sehr einfach. Die Ampel ist rot. Es ist viel zu lange rot. Es ist alles einfach nur rot. Und dann blitzte es. Als ich zuhause war, habe ich mich im Internet erkundigt was das für mich bedeutet. Das sah gar nicht gut aus. Und dann habe ich gewartet. Der Strafzettel musste ja kommen. Und ich wartete, und ich wartete. Es kam nie ein Strafzettel. Wenn ich in letzter Zeit etwas als Gnade empfunden habe, dann ist es diese unverdiente Zuwendung an mich. Ich weiß, der Staat hat nicht absichtlich nach mir Ausschau gehalten und mich dann rausgefiltert und mir diese Strafe erlassen. Das wäre noch die Steigerungsstufe. Wahrscheinlich war im Betrieb eine Person krank oder im Urlaub und die ganze Arbeit konnte nicht bewältigt werden. Für mich ist dieses Erlebnis aber bis heute pur und einfach unverdiente Gnade.

Genau das bietet uns Gott im übertragenen Sinn an, und zwar absichtlich und nicht aus einem Formfehler oder aus Unachtsamkeit an. Ohne Gott werden wir ständig dabei „geblitzt“, wie wir unser Leben frei und unabhängig versuchen zu leben. Und oft genug geht dieser Versuch eines gelungenen selbstbestimmten Lebens daneben. Wenden wir uns aber an Gott, dann trachten wir in unserem Leben danach, ihm zu gefallen. Auch dann versagen wir oft genug. Und wenn wir dann „geblitzt“ werden, hat Jesus Christus für uns die Strafe bezahlt. Wir brauchen, und können auch gar nicht, die Strafe selber tragen. Das ist Gnade.

 

2. Als Beispiel die Taufe

Die Hinwendung zu Gott wird im Römertext durch die Taufe verbildlicht. Nachher werden wir das ganz praktisch bei der Tauffeier erleben. Wir werden ins Wasser gehen. Die Täuflinge werden ganz ins Wasser getaucht und kommen dann wieder raus. Heute ist ein perfekter Tag dafür.

Das ins Wasser gehen und untertauchen verbildlicht das Ablegen der Selbstbestimmung.  Ab nun will ich nicht selber Herr meines eigenen Lebens sein. Dieser Versuch ist gescheitert. Er war nicht gut. Er war nicht lebensfördernd. Somit lege ich diesen Teil meines Lebens ab und begrabe ihn. Sinnbildlich also dieses Untertauchen. Der alte Mensch wird abgelegt, stirbt, wird zurück gelassen.
Bei der Taufe lassen wir unsere Leute allerdings nicht zu lange unter Wasser. Sie sollen ja nicht sterben, sondern leben! Und genau das versinnbildlicht das herauskommen aus dem Wasser. Ein neues Leben beginnt. Ein Leben in der Nachfolge Jesu Christi. Somit ist die Taufe das äußere Zeichen einer inneren Umkehr. Es ist Zeichen eines Neubeginns. Dieser Neubeginn ist ein Leben mit Gott. Und ein Leben mit Gott bedeutet zugleich ein Leben in Ewigkeit mit Gott vereint. Das fängt in aller Unvollkommenheit hier und jetzt bei uns an. Aber die Zusage Gottes ist, das wir mit ihm, auch nach unserem leiblichen Sterben, sein werden und es uns in der Ewigkeit sehr viel besser gehen wird als hier auf der Erde. Das ist ein Versprechen Gottes.

 

3. Die zwei Herrschaftsbereiche

Ich bin vorhin schon kurz darauf eingegangen, was für 2 Optionen wir als Menschen offen haben. Ein selbstbestimmtes Leben ohne Gott oder ein Leben unter der Leitung unseres Herrn Jesus Christus.

Ein selbstbestimmtes Leben ist allerdings eine Illusion. Möglicherweise meinen wir, wir wären Herr unseres eigenen Lebens und wir bestimmen über unser Leben wie wir es möchten. Die Kampagne „mein Bauch gehört mir“, mit der verdeutlicht werden sollte, dass Frauen selber über das ungeborene Leben entscheiden können, ob es denn nun leben soll oder nicht, ist so ein Beispiel. Ich entscheide. Ich bin mein eigener Herr.

So ganz einfach ist das nicht. Entweder mein Leben ist dem Herrschaftsbereich Jesu Christi unterstellt, und dann tue ich was er möchte. Oder mein Leben ist dem Herrschaftsbereich Satans unterstellt, dem Verführer. Genau dieser Verführer flüstert mir ein, dass ich selber meine Entscheidungen treffen kann. Dass ich selber besser weiß, was für mich gut und richtig ist. Allerdings ist diese Selbstbestimmung genau das. Es ist eine Verführung. Ein Trugschluss. In einem selbstbestimmten Leben schaue ich auf die Umwelt und werde von allen möglichen und unmöglichen Dingen beeinflusst. Selbstbestimmt ist dabei wenig. Zumindest wenn wir ehrlich mit uns sind werden wir das gut beobachten können. Und viele von den Entscheidungen die wir selbstbestimmt treffen, sind nicht gut. Sie sind weder für uns gut noch für unsere Umwelt, noch für unsere Mitmenschen. Gerade wegen dieser Illusion eines selbstbestimmten Lebens leidet unsere Welt ungemein. Im Extremfall bedeutet es nämlich, ich will das Beste für mich. Was mit den anderen ist, geht mich nichts an. Das ist ein vernichtendes Denken, was sich aber sehr gut mit unserer marktwirtschaftlichen Ökonomie deckt. Die Auswirkungen davon können wir täglich bei den Nachrichten in Funk und Fernsehen erleben.

Was heißt aber ein verändertes Leben? Was heißt ein Leben im Herrschaftsbereich Gottes? Es bedeutet, dass ich nicht einfach tue und lasse was ich möchte. Ich schaue in die Bibel und lasse mich von ihr lenken. Ich schaue auf das Leben Jesu und folge ihm nach. Ich tue in meinem Leben das, was gut ist, was Gott wohlgefällig ist, was Leben fördert und was mir als Beispiel von Jesus vorgelebt wurde. Ich habe ja viele Jahre meines Lebens in ganz unterschiedlichen Ländern gelebt. Es hat mich fasziniert zu beobachten was passiert, wenn in komplett atheistischen, animistischen oder anderweitig Gott entfremdeten Gesellschaften plötzlich viele Menschen den Weg mit Jesus einschlagen. Das ist faszinierend. Auf einmal haben Familien wieder Geld. Es wird nicht alles für Alkohol, Suchtspiele oder dergleichen ausgegeben. Der Respekt vor den Frauen steigt. Ehen funktionieren auf einmal besser. Bei Konflikten wird nach Alternativen zu Gewalt gesucht. Es gibt ein Interesse sich selber und die eigene Gesellschaft zu entwickeln. Insgesamt geht es den einzelnen Familien und der ganzen Gesellschaft besser. Das ist was ein Leben mit Gott verändert. Positive Veränderungen fangen bei der einzelnen Person an und verändern eine ganze Gesellschaft.

 

Gott lädt jeden ein diesen Weg der Nachfolge mit ihm zu gehen. Jeder darf diesen Weg wählen. Es ist ein Weg den wir freiwillig aussuchen, der aber zum Leben führt. Keiner wird automatisch in dieses Leben der Nachfolge Jesu hinein geboren. Es ist ein Weg der sich wirklich lohnt und meinem Leben Sinn gibt.

 

Die Taufe ist der Beginn dieses Weges. Es ist das äußere Zeichen einer inwendigen Veränderung. Es ist Zeichen einer Hinwendung zu Gott. So eine Entscheidung trifft man nicht leicht und nicht schnell. Somit freuen wir uns heute diese Taufe feiern zu können. Als Zeichen dieser beiden Männer, dass sie den Weg mit Christus in ihrem Leben gehen möchten.

Zurück

Einen Kommentar schreiben