Die Verklärung Jesu. Matthäus 17:1-13

von Edwin Boschmann

Die Verklärung Jesu. Matthäus 17:1-13

Vor einigen Wochen habe ich angefangen über Aussagen Jesu zu predigen. Ich fing an mit Matthäus 16. Es ging um die Nachfolge Jesu. Da sagte Jesus: „Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Nun arbeite ich mich in den nächsten Predigten im Text weiter.

Ebenfalls vor einigen Wochen sind Otto, Hermann und ich, mit weiteren 19 Männern aus anderen Orten, zu einem Wanderwochenende aufgebrochen. Die Erfahrung, im Kleinwalsertal Wandern zu gehen, war unbeschreiblich schön. Die Berge haben etwas Majestätisches. In den Bergen sind wir als Menschen verletzlich, klein, unbedeutend. Wir lernen unsere Grenzen kennen. Wir erleben die Größe Gottes in ganz besonderer Weise. Wie klein sind wir als Menschen, wie unbedeutend, wenn wir uns in den Bergen befinden? Und wie groß ist unser Gott, der all das gemacht hat?

Jesus geht immer wieder mal auf die Berge um seinem Vater näher zu sein. Um die Nähe Gottes zu suchen, um die Ruhe zu finden, die sich im Alltag nicht bietet. Dieses Mal nimmt Jesus den engsten Kreis seiner Jünger mit sich. Die drei: Petrus, Jakobus und Johannes. Diese sind auserkoren um mit Jesus allein Zeit zu verbringen. Jesus bereitet nun seine Jünger auf seinen Tod vor. Direkt vor diesem Ereignis hat er ihnen das erste Mal davon erzählt, dass er leiden und sterben würde. Relativ gleich nach diesem Ereignis kommt die zweite Leidensankündigung. Doch nun will ich uns den Text lesen:

„Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!  Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist. Und die Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen? Er antwortete und sprach: Ja, Elia kommt und wird alles zurechtbringen. Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.“

 

  1. Die Verklärung
    A. Die Erscheinung von Mose und Elia

Nach einer anstrengenden Bergwanderung kommen Jesus, Petrus, Jakobus und Johannes müde oben am Berg an. Sie sind sicherlich erst einmal ko und legen eine Pause ein. Und dann geschieht was Unglaubliches. Die Erscheinung Jesu verändert sich. Sein Gesicht leuchtet wie die Sonne und seine Kleider werden ganz weiß. Einen kurzen Augenblick lüftet der Himmel die wahre Identität Jesu. Jesus ist zwar ganz Mensch, aber er ist ebenfalls auch ganz Gott. Das wird für die 3 Jünger nun sichtbar vor ihren Augen. Das einige Tage zuvor abgegebene Zeugnis von Petrus über Jesus, „du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“, wird wortwörtlich sichtbar.

Mitten in dieser Situation der Verklärung Jesu hinein, erscheinen Mose und Elia und unterhalten sich mit Jesus. Die Wolkendecke des Himmels wird noch weiter gelüftet. Wie kann so etwas geschehen?

Dies ist eine exklusive Gotteserfahrung. Nur Petrus, Jakobus und Johannes erleben dies. Sonst niemand. Die anderen Jünger hatten ihre Erfahrungen mit Jesu Wunder gemacht. Aber dies ist nochmal was anderes.

Die Reaktion von Petrus ist verständlich. Er fragt, ob er nicht gleich 3 Hütten bauen kann. Nämlich für Jesus, für Mose und für Elia. Petrus will diese besondere Situation konservieren. Warum kann es nicht für immer so toll bleiben?

Geht es uns nicht anders? Wenn wir geistliche Höhepunkte erlebt haben, wollen wir dann wieder in den Alltag einsteigen? Unter keinen Umständen. Der Einstieg in die Routine, in den Alltagstrott fällt unheimlich schwer, wenn wir Gott in besonderer Weise erlebt haben. Ich bekomme es immer wieder bei unseren Kindern mit. Es war und ist bei mir aber auch nicht anders. Unsere Kinder kommen von Adoniafreizeiten oder von juwefreizeiten zurück. Sie sind begeistert. Sie lesen die Bibel. Sie sind wissbegierig. Und dann setzt der Alltag ein.
Trotzdem brauchen wir diese besonderen Erlebnisse. Sie geben uns Kraft und Perspektive für die Zukunft. Für die Jünger war dieser Augenblick ein Ankerpunkt, der sie durch die schwierige Zeit des bevorstehenden Leidens durchtragen musste. Für uns ist das nicht anders. Unsere Seelen brauchen diese Oasen, damit wir dann länger davon zehren können. Jesus gibt ihnen nicht umsonst die Möglichkeit dieses Erlebnisses.

B. Die Erscheinung Gottes

Nachdem nun der Himmel die wahre Identität Jesu lüftet, setzt Gott noch eins oben drauf. Eine helle Wolke umhüllt sie und Gott spricht aus der Wolke. Er sagt: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; auf ihn sollt ihr hören!“ Das sind die gleichen Worte, die Gott zu Jesus bei seiner Taufe gesagt hatte. Nur haben wir hier noch den Zusatz: „Auf ihn sollt ihr hören.“

Anstatt hellauf begeistert zu sein, war das für die Jünger zu viel. Das alles ist viel zu gewaltig für sie. Sie fallen auf den Boden und verstecken sich. Sicherlich waren sie überzeugt, dass sie nun sterben würden, da sie von Gott persönlich angesprochen worden waren. Bis Jesus sie anrührt und ihnen Mut zuspricht wieder aufzustehen.

In diesem Text bezeugen Mose, Elia und Gott selbst Jesus als geliebten Sohn Gottes. Mehr geht wirklich nicht. Dies ist ein überwältigendes Zeugnis der Gottheit Jesu. Die Jünger sind bis aufs Mark erschüttert. Und der Auftrag ist klar. Sie sollen auf Jesus hören. Sie sollen das tun, was er ihnen sagt. Das gilt uns übrigens heute genauso, wie es bei den Jüngern der Fall war.

Manchmal ist es so, dass Gott uns im Alltag begegnet. Wir sind überwältigt und erleben die Nähe Gottes. Diese Zeiten sollten wir ganz bewusst auskosten und uns daran auch erinnern. Solche Erlebnisse aufzuschreiben hilft vor dem Vergessen und dem Alltag, der die Erlebnisse verblassen lässt. Manchmal müssen wir aber auch selber aktiv werden und die Nähe Gottes suchen. Vielleicht allein. Vielleicht im engen Kreis von ein paar Freunden. Die Abgeschiedenheit suchen und darin nach Gott trachten. Manchmal brauchen wir aber auch besondere Zeiten in der Gemeinschaft mit anderen. Wir gehen dann auf Freizeiten oder Kongressen. Wir nehmen was mit für unser Leben. Impulse werden gesetzt. Unser Alltag wird durchbrochen und neue Akzente werden gesetzt. Ich bin froh, dass ich solche Zeiten regelmäßig habe. Über Impulstage des Verbandes, über Willow Creek Kongresse, über Pastorentreffen, über Mitarbeitertreffen vom Verband oder Treffen zum Essen mit anderen Pastoren.
Wo bekommt ihr geistliche Nahrung? Wo begegnet ihr Gott in ganz besonderer Weise? Wo wird euer Alltag durchbrochen, um Platz für Gottes Reden zu schaffen? Welche Erlebnisse hinterlassen diese Achtung und dieses Erstaunen vor unserem allmächtigen Gott bei euch? Ich ermutige euch diese Erlebnisse zu suchen. Immer wieder. Diese Ereignisse stärken uns für das, was vor uns liegt. Für die Jünger war die Verklärung Jeus von zentraler Bedeutung. Sie brauchten diesen geistlichen Höhenflug um nachher die Realität des Leidens Jesu verdauen zu können. Wenn sie solche Erlebnisse brauchten, wie viel mehr wir?

 

2. Der Abstieg

Nachdem Jesus die Jünger anrührt und sie beruhigt, kehrt der Alltag ganz schnell zurück. Mose und Elia sind verschwunden. Die Wolke Gottes ist weg. Jesus sieht wieder normal aus. Auf den Weg zurück in den Alltag, gibt Jesus noch die Anweisung von all dem nichts zu erzählen, bis er von den Toten auferstanden ist. Hätten zu viele Leute von der wahren Identität Jesu als Messias gewusst, und das gekoppelt mit einem falschen Verständnis von dem wie der Messias zu agieren hat, dann wäre Jesus wohl schon schneller verurteilt worden. Im Begriff vom Johannesevangelium heißt es so schön: Seine Zeit war noch nicht gekommen.

Doch zurück zum Alltag. Ist es nicht auch bei uns so, dass wir nach intensiven geistlichen Phasen es hart haben in den Alltag zurück zu kommen?
Elia ist ein typisches Beispiel. Er war auf dem Berg Karmel. Gott hatte ihm den Sieg gegeben. Baal hatte haushoch gegen Gott verloren. Anstelle sich zu freuen ist Elia zu Tode betrübt und möchte nur noch sterben. So schlimm ist es zum Glück selten, aber das Erwachen nach einem geistlichen Höhenflug ist hart. Gerne würden wir auf dem Berg bleiben. Gerne würden wir einfach in der Nähe Jesu verweilen.

Und da ist unser Täuschung. Solche Erlebnisse der Gottesnähe brauchen wir als Menschen. Diese Erlebnisse lüften, wenn auch nur für kurze Zeit, die tatsächliche Dimension Gottes. Diese Erlebnisse ermutigen uns im Alltag mutig unseren Weg mit Jesus zu gehen. Aber es ist ein falsches Verständnis zu glauben, bei solchen Begegnungen wäre Gott uns näher als im Alltag. Das ist unsere Wahrnehmung, aber nicht die ganze Realität. Wohl gemerkt: Jesus bereitet seine Jünger auf sein Leiden und seinen Tod vor. Er würde die ganze Zeit bei ihnen sein, auch in ihren tiefsten Momenten. Leid würde zum Alltag dazu gehören. Das würde ihnen nicht erspart bleiben.

Das alles ist bei uns nicht anders. Gerne würden wir auf dem heiligen Berg bleiben. Was immer das für uns ist. Aber diese Zeiten sind Vorbereitungen, damit wir unser Leben im Glauben gut meistern können und nicht verzagen. Somit ermutige ich euch solche Erlebnisse mit Gott zu suchen und zu fördern. Sie sind wichtig für unser geistliches Wohlergehen. Aber zieht nicht den Fehlschluss daraus, dass wenn ihr nicht auf einem geistlichen High seid, Gott gerade nicht in eurem Leben aktiv ist. Gott geht mit uns auch durch die Nacht. Aber trotzdem dürfen wir ab und zu sehen und erahnen was tatsächlich enge Gemeinschaft mit Gott bedeutet.

 

3. Was ist mit Elia?

Eine wichtige Frage blieb für die Jünger offen. Was ist mit Elia? In Maleachi 3:23 steht: „Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des HERRN kommt.“ Zurzeit Jesu hatte sich mit diesem Vers eine große Erwartung aufgebaut, dass Elia, der nie gestorben war, sondern gen Himmel aufgefahren war, wiederkommen würde um den Weg des Messias vorzubereiten.

Jesus lenkt die große Erwartung auf Elia hin zu Johannes dem Täufer. Ja, Elia würde kommen, aber auch: Elia ist schon gekommen. Er wurde nicht anerkannt. Er musste leiden und wurde hingerichtet.

Jesus benutzt diesen Umstand um Parallelen von Johannes dem Täufer mit sich zu erklären. Genauso wie Johannes der Täufer verkannt wurde, würde es mit ihm auch geschehen. Falsche Vorstellungen von Elia haben die Leute geblendet, so dass sie Johannes den Täufer nicht für den versprochenen Elia halten konnten. Falsche Vorstellungen vom Messias blendeten ebenfalls die Leute, so dass sie in Jesus nicht den Messias sahen. Die Folge bei Johannes dem Täufer war seine Enthauptung. Die Folge für Jesus würde ebenfalls Leid und Tod sein.

 

Ich will nochmals kurz zusammenfassen: Die wunderbare Passage der Verklärung Jesu ist eingefasst von der Vorbereitung der Jünger Jesu auf sein Leiden. Die Jünger brauchen dieses besondere Erlebnis der Gegenwart Gottes um die bevorstehende Zeit des Leides gut überstehen zu können. Jesus gibt ihnen mit diesem Ereignis das, was sie brauchen. Dafür geht er mit ihnen in die Abgeschiedenheit des Berges.

 

Wir als Christen brauchen besondere Begegnungen mit dem auferstandenen Christus um unseren Alltag als Christen gut meistern zu können. Wir brauchen Glaubenserfahrungen um geistliche und andere Durststrecken in unsere Leben bewältigen zu können. Jeder von uns braucht diese Erlebnisse, die uns stärken und vorwärts treiben, um dann den Alltag gut bewältigen zu können.
Der Besuch vom Gottesdienst ist ein kleiner Baustein, der uns Gottes Gegenwart erleben lässt. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten Gott zu begegnen und geistliche Stärkung zu erfahren. Plant solche Erlebnisse in euren Kalender ein. Von selber geschehen sie selten. Brauchen tun wir sie trotzdem. Diese Erlebnisse sind es, die uns gut auf das vorbereiten, was vor uns liegt.

 

Ich wünschte von ganzem Herzen, wir könnten die ganze Zeit in der Gegenwart Gottes, oben auf dem Berg, verweilen. Wäre das nicht toll? Gott will es aber, dass wir zwar solche Glaubenserlebnisse ab und zu haben, aber dann doch in den Alltag einsteigen. Damit werden wir vorbereitet unseren Alltag so zu gestalten, dass andere Menschen durch uns die Chance bekommen den Himmel ebenfalls offen stehen zu sehen. Dass das geschieht, das ist meine Sehnsucht und mein Wunsch. Möge es unser aller Wunsch und Sehnen sein. 

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