Der Wegbereiter. Lukas 3:2b-18

von Edwin Boschmann

Der Wegbereiter. Lukas 3:2b-18

In Paraguay bin ich regelmäßig mit den Nivacle Indianern in den Busch gegangen. Alte Pfade wurden aufgesucht, wenn möglich hat man gehofft auf Tiere zu treffen um sie zu jagen. Oder man hat Beeren und andere essbare Pflanzen gefunden, die dann von den Frauen gesammelt wurden. Immer ging eine Person vor, die den Weg bereitet hat. Büsche, Sträucher und Äste mussten teilweise gestutzt werden, damit die Gruppe den Weg gut begehen konnte. Zugleich wurden Markierungen an den Bäumen hinterlassen, damit spätere Gruppen sehen konnten, wer an der Stelle vorbeigezogen ist.

Johannes der Täufer ist für Jesus so ein Wegbereiter. Zwar nicht im südamerikanischen Busch, aber sehr wohl im geistlichen Sinn. Er ist es, der den Weg bahnt, damit andere diesen Weg zu Jesus gut passieren können. Damit andere überhaupt merken, dass das der richtige Weg ist, der zuverlässig von anderen vorbereitet wurde. Dem dürfen wir folgen. Nun lese ich uns aber erst einmal den Text aus Lukas 3:2b-18: „[Das Wort Gottes geschah]  zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste. 3 Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, 4 wie geschrieben steht im Buch der Worte des Propheten Jesaja (Jesaja 40,3-5): »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben! 5 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden, 6 und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.« 7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir nun tun? 11 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. 12 Es kamen aber auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 14 Da fragten ihn auch Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold! 15 Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen, ob Johannes vielleicht der Christus wäre, 16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber der, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. 17 In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. 18 Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und predigte ihm.“.

 

  1. Gott bereitet den Weg vor

Es ist auf Geheiß Gottes, dass Johannes der Täufer aktiv wird. Er gibt die Initialzündung, damit überhaupt etwas geschieht. Und dann geschieht auf einmal viel. Viele Leute strömen in die Wüste, weil sie Umkehr suchen! Sie wissen: es ist nicht alles in Ordnung so wie es ist. Und so bringt Johannes der Täufer ihnen die Botschaft, die für sie das Heil bedeutet. Das Volk ließ sich ermahnen. Sie hörten. Sie änderten ihre Wege.

Die Taufe des Johannes war dabei eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Es war eine Taufe der Reinigung und Heiligung. Davon haben wir viele Beispiele bei den Essenern, zu denen wahrscheinlich Johannes der Täufer gehörte. Eine Gruppe streng gläubiger Juden, die in der Wüste lebte und auf das Kommen des Herrn warteten.

Johannes war dabei ein Wegbereiter Jesu Christi, des Messias. Damals wurde für die Könige der Weg so leicht wie möglich gemacht. Keine Mühe wurde gescheut, damit der König zufriedengestellt wurde. Ich stelle es mir so vor, wie es in vielen Ländern Afrikas ist. Wenn der Präsident ein Dorf oder eine Stadt besucht, dann wird zuerst der Weg festgelegt. Dieser wird neu geteert, wenngleich nur so, dass es gerade für den Aufenthalt des Präsidenten reicht. Farbe wird an die Leute verteilt, damit die Häuser an der Straße frisch gestrichen werden. Wenn der Präsident dann vorbeikommt, ist alles in Ordnung.

Nun, ich glaube nicht, dass wir Gott etwas vorspielen müssen. Wir brauchen nicht falsche Tatsachen vortäuschen. Aber Hausputz ist doch angebracht. Ich will in meinem Herzen Raum schaffen für meinen König. Ich will für ihn bereit sein. Auch wenn ich mir heute mehr denn je bewusst bin, dass es alles nur Stückwerk ist, was ich zu bringen habe. Trotzdem will ich mein Herz aufräumen und für Jesus, gerade in dieser Adventszeit, Platz schaffen. Er hat den ersten Schritt getan. Nun darf ich folgen.

Ja, der Weg ist noch krumm und schief. Besonders in meinem Leben. Doch will ich alles in meiner Macht stehende tun, um so viel wie eben möglich gerade zu machen, damit Jesus froh bei mir Einkehr halten kann. Deshalb bedeutet mir die Adventszeit dieses Jahr viel mehr als je zuvor. In meinem Leben müssen Dinge bereinigt und neu gestaltet werden. Das gleiche sehe ich aber auch in unserer Gesellschaft. Mit dem Ruf für Fridays for future geht auch etwas Hoffnungslosigkeit einher, dass wir uns mit unserem Verhalten verrannt haben. Wir müssen umkehren. Mit der Erkenntnis von Mikroplastik und der Vermüllung unseres Planeten geht die Furcht einher, dass unsere Lebensweise uns selber zum Schaden dient.

Ich könnte weiter generelle Probleme unserer Generation ansprechen. Doch darum geht es nicht. Es geht um dich und mich. Wo ist bei dir und mir was krumm und schief? Was muss gerade gemacht werden, damit der König bei dir und mir seinen Platz findet?  Jesus möchte auch bei dir Einkehr halten. Bist du bereit? Hast du überhaupt die Erwartung, dass es gut ist, wenn Jesus zu dir kommt? Ich dieses Jahr mehr denn je. In all dem was kaputt und gebrochen ist, ist er es der die Dinge gerade biegt. Dafür will ich Platz machen. Dieses Jahr habe ich höhere Erwartungen an Advent als je zuvor.

 

2. Wie bereitet man sich vor?

Die Frage, wie man sich gut vorbereiten kann, haben die verschiedenen Leute auch dem Johannes dem Täufer gestellt. Als erstes fällt mir auf, dass Johannes nicht die verschiedenen Arbeitszweige verbietet oder gar verteufelt. Ja, er verteufelt noch nicht einmal das Militär, was wir als Mennoniten nicht ganz leicht stehen lassen können. Aber Johannes gibt gute Leitlinien. Wie sollen wir leben? Wir sollen unsere Jobs gut und ehrlich machen, als Vertreter Gottes auf Erden.

Das bedeutet ganz praktisch:
rechtschaffene und gute Früchte bringen, gerade bei der täglichen Arbeit. Dort sollen die Menschen erkennen, wes Geistes Kinder wir sind. Für die einzelnen Berufszweige bedeutet es: Teilen, was wir haben, wenn Horten zu unserem Lebenszentrum gehört. Nicht mehr nehmen als verordnet, wenn das eigentlich gang und gebe in unserem Berufszweig ist. Niemanden Gewalt antun, wenn das eigentlich zu unserem täglichen Handwerk gehört. Zufrieden sein mit dem was wir an Sold bekommen, auch wenn wir die Möglichkeit haben, durch unlautere Kanäle unseren Sold aufzubessern.

Was bedeutet das aber für dich und mich? Wohl gemerkt: es wird nichts Unmögliches verlangt. Vielmehr wird Treue in den ganz normalen Dingen des Alltags abgefragt. Wie steht es mit übler Nachrede gegenüber den Vorgesetzten? Wie steht es mit täglicher Treue zur Arbeit, die unsere Familien ernährt? Wie steht es mit einem guten Umgangsklima? In all diesen Dingen haben wir die Möglichkeit zu zeigen, wem wir wirklich dienen! Tun wir all das aus Pflichterfüllung, oder aus Freude für unseren Herrn?

Johannes nimmt auch ganz starke Ausdrücke in den Mund, wie z.B. Otterngezücht. In diesem Zusammenhang will Johannes eins klar stellen: Unsere Traditionen, unsere Herkunft, unsere Namen und Ahnen werden uns nicht retten. Und wenn ich aus noch so einer guten mennonitischen Familie oder Gemeinde komme, das bedeutet gar nichts. Es geht um das Verhalten von jedem einzelnen von uns. Es geht um die Herzenseinstellung von jedem einzelnen von uns. Wir, jeder einzelne von uns, bereiten den Weg für seinen König vor. Oder halt auch nicht. Dann müssen wir aber auch mit den Konsequenzen leben.

 

3. Johannes ist nicht der Messias

Die Erwartungen des Volkes waren damals hoch. Nicht umsonst lassen sie alles stehen und liegen und machen sich auf in die Wüste. Die Annahme war gar nicht so abwegig, dass Johannes der Täufer der Messias sein könnte. Er hat doch den Leuten gezeigt, wo es lang ging! Doch Johannes weist auf die Unterschiede hin:
1. Er tauft mit Wasser zur Vergebung der Sünden. Ja, Johannes erzwingt sogar eine Entscheidung für oder gegen eine Umkehr. Das ist ein Charaktermerkmal der Vorbereitung für den eigentlichen Messias. Dieser hat das dann nicht mehr nötig, wie es in Vers 6 steht: „Dann werden alle Menschen sehen, wie Gott Rettung bringt!“

  1. Der Messias tauft mit dem Heiligen Geist und mit Feuer. Der Heilige Geist und das Feuer stehen im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte für Kraft, Führung, Zuversicht des kommenden Segens und für die Vorbereitung der erlösenden Mission Gottes. Aber auch für Reinigung. Das zeichnet den Messias aus. Das ist Johannes nicht. Der Heilige Geist verfeinert und ermächtigt uns in unserem Glauben.
  2. Johannes steht viel tiefer als Jesus. So die Sicht von Johannes. Es ist nur Gnade, dass Jesus uns auf seine Ebene hebt. Verdient ist es auf keine Fälle.
  3. Er wird die Gerechten von den Ungerechten trennen.

 

Wir, genauso wenig wie Johannes der Täufer, sind der Messias. Wir haben aber im Wesentlichen den gleichen Auftrag wie Johannes. Wir sind Wegbereiter für unseren König. Ich gehe zurück zum Beispiel am Anfang, wenn in Afrika die Wege vorbereitet werden, damit der Präsident zu Besuch kommen kann. Ich will keinen Pfusch machen. Gerade mal ist der Präsident verschwunden, schon ist alles rissig, spröde und marode. Das kann es nicht sein. Auch wenn wir im Versagen leben, und wir unser Versagen vor Gott bekennen und beklagen wollen, wollen wir trotzdem, soweit es uns eben möglich ist, den Weg für unseren Herrn gut vorbereiten. Wir wollen ihm den Weg ebnen. Wir wollen anderen Menschen, gerade durch unser Leben, den Weg zu Jesus zeigen. Nicht etwa, dass wir etwas Besseres wären. Nein, sondern weil wir wissen wer in unser Herz schaut und uns trotzdem liebt.

 

Advent: Gott ist es, der den Weg für Jesus vorbereitet. Dafür benutzt er trotzdem ganz normale Menschen wie dich und mich. Das ist unverständlich! Das ist Gott.

Wie bereiten wir uns auf Jesu Kommen vor? In aller Treue. Nicht im Spektakulären. In einem guten Lebenswandel, soweit wir das als Menschen überhaupt können. Und in dem wir andere Menschen auf ihn verweisen, und nicht etwa auf uns.

Wir sind nicht diejenigen, die Erlösung bringen. Das kann nur unser Jesus. Auf ihn warten wir. Und er wird wiederkommen. Das hat er versprochen. Das, was bis jetzt Stückwerk, teilweise gebrochen und unvollendet ist, das wird Jesus alles gerade machen. Das ist Grund zu großer Freude. Das ist meine Erwartung und meine Hoffnung.

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