Der Tröster. Johannes 14:15-26

von Edwin Boschmann

Der Tröster. Johannes 14:15-26

Ich bin in einer Tradition groß geworden, in der der Heilige Geist nicht wirklich viel vorkam. Besonders in Südamerika haben wir durchaus Zeichen und Wunder erlebt, vor allem Krankenheilungen. Aber das wurde nicht so hoch stilisiert oder in besonderer Weise dem Geist Gottes zugeschrieben. Gott war halt am Werk. In Deutschland hatten meine Eltern dann hauptsächlich Kontakt mit der evangelischen Allianz, der sich bis heute schwer tut den Heiligen Geist einzuordnen. Dann kamen wir nach Bad Pyrmont, wo die Quäker (Religiöse Gesellschaft der Freunde) ihren deutschen Hauptsitz haben. Diese zeichnen sich in Deutschland durch ihre stillen Gottesdienste aus. Der Ursprung ist, dass jeder im Gottesdienst so redete, wie es der Geist Gottes ihm eingab. Es gab also nicht eine Predigt, sondern verschiedene vom Heiligen Geist gewirkte Beiträge. Doch anscheinend redet der Heilige Geist nicht mehr im Kreis der deutschen Quäker. Zumindest nicht über die anwesenden Zuhörer, so wie es in der Vergangenheit war. Somit sind die Veranstaltungen nun durch Stille geprägt.

Ich finde es schade, dass die Wichtigkeit des Heiligen Geistes bei uns Mennoniten nicht so eine große Rolle spielt. Intellektuell vielleicht noch, aber emotional eher weniger. In den Anfängen der Reformation war es genau umgekehrt. Der Heilige Geist ist in der Bibel wichtig. Im Alten sowie auch im Neuen Testament ist der Geist Gottes ohne jegliche Abstriche Gott selber. Die Dreieinigkeit werden wir vielleicht nie ganz ergründen, aber der Geist Gottes gehört dazu. Wie Gott Vater oder auch Jesus Christus. Somit wollen wir heute, zu Pfingsten, etwas vom Heiligen Geist aus Johannes 14:15-26 hören: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. 20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 21 Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. 22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“

 

  1. Jesus lieben bedeutet seine Gebote halten

Drei Mal wird in diesem kurzen Text erwähnt, dass Liebe zu Jesus gleichbedeutend ist mit dem Halten seiner Gebote. Dieses geschieht nicht aus Furcht oder Angst, sondern aus Liebe. Es ist sicherlich nicht ein Abarbeiten der über 600 Gesetze der Torah, mit den verschiedenen Auslegungen dazu. In der Bergpredigt hat Jesus sehr eindrücklich gezeigt, dass das nicht gemeint ist. Vielmehr geht es um eine lebendige und intakte Beziehung zu Jesus. Aus dieser Beziehung heraus will ich tun, was er von mir möchte. Dann geht es allen gut. Alles andere schmerzt Gott, und dadurch schmerzt es auch uns als Christen. Das merken wir als ganze Gemeinschaft. Wenn ein Glied leidet, leiden alle anderen mit. Wenn eine Person versagt, dann tut es uns allen weh.

A. Er ist der Geist der Wahrheit.

Stimmt also unsere Beziehungsebene zu Gott, dann wollen wir ihm gefallen. Er gibt uns den Heiligen Geist. Für den Heiligen Geist wird hier ein Wort verwendet, was als Tröster, Ratgeber, Helfer, Anwalt oder Fürsprecher übersetzt wird. Obwohl dieses Wort im Passiv erscheint, ist im Neuen Testament deutlich, dass dieser Fürsprecher eine sehr aktive Rolle einnimmt. Der Heilige Geist führt die enthüllende Arbeit Jesu weiter, damit Gott in unserer Mitte sichtbar wird. Bei uns im Text wird der Heilige Geist auch als Geist der Wahrheit bezeichnet.

Laut 1 Johannes 2:1 ist sogar Jesus selber dieser Fürsprecher. Andeutungen davon finden wir auch in unserem heutigen Text. Das führt uns wieder dahin, dass die Dreieinigkeit nicht getrennt werden kann. Reden wir von Jesus, dann reden wir von Gott. Reden wir vom Heiligen Geist, reden wir ebenfalls von Gott. Gott will in uns sein, in unserer Mitte. Zur Zeit Jeus war er sichtbar in der Person Jesu da. Vorher ist er durch die Patriarchen, Priester und Propheten immer wieder dem Volk nahe getreten. Nun ist Jesus nicht mehr sichtbar in unserer Mitte, aber er ist doch da. Der Heilige Geist ist sein direkter Vertreter.

Der Heilige Geist ist ausschließlich uns Christen vorbehalten. Er wirkt zwar auch an Menschen, die noch nicht glauben, damit sie glauben können. Aber nur Menschen, die die Leitung ihres Lebens Jesus Christus gegeben haben, werden vom Geist Gottes erfüllt. Alle anderen Menschen lassen sich von vielen Dingen in ihrem Leben füllen, der Geist Gottes ist es sicherlich nicht.

Ich wünschte dieses Füllen mit dem Geist Gottes würde uns zu guten und besseren Menschen machen. Das würde auch damit passen, dass wir die Gebote Gottes halten, wenn wir Jesus lieben. Leider sind meine Erfahrungen oft anders. Vielfach stimmt es: Menschen werden verändert. Sie lassen böse und schlechte Angewohnheiten fallen und streben dem besseren nach. Aber es gibt leider auch viel Menschliches in unserer Mitte. Jedes Mal, wenn mir so etwas zugetragen wird, bin ich zutiefst traurig. Wie muss es erst Gott damit gehen? Was hindert uns, was hindert dich, den ganzen Platz in deinem Herzen dem Heiligen Geist zu überlassen?

B. Wir bleiben nicht als Waisen.

Ein sehr schönes Bild, was Jesus hier benutzt, ist das der Waisen. Jesus sagt: „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.“ Jesus weiß sehr genau, dass er in kürze gekreuzigt wird. Er wird sterben. Die Jünger werden verzweifelt sein. Ihr Glaube wird auf den Prüfstand gestellt. Da hinein sagt er: „Ich komme zu euch“. Und zwar als Heiliger Geist.

Besonders bei Eltern von kleinen Kindern ist die Angst da, dass man als Vater oder Mutter sterben könnte, und die Kinder dann nicht alleine klar kommen. Ich bin im Allgemeinen ein furchtloser Mensch. Als meine Kinder klein waren, ich sie nachts in ihren Betten sah, da war dieser Instinkt da, dass sie mich brauchen. Ich muss leben, damit sie gut und normal aufwachsen können.

Jesus sagt den Jüngern: Ich werde da sein. Ihr braucht keine Angst haben. Ihr werdet nicht verlassen sein. Das haben sie ja in vielfältiger Weise erfahren, wenn man nur z.B. an Petrus denkt, wie er nach dem Pfingstereignis wie umgekrempelt war.

Heute geht es uns nicht anders. Der Heilige Geist ist auch heute bei uns. Er ist gegenwärtig. Im normalen Alltag, geht es mir zumindest so, dass ich es meist gar nicht bewusst wahrnehme. In Krisen trägt aber gerade der Heilige Geist am stärksten, weil wir ihn dann am stärksten brauchen. Gerade das Zeugnis von verfolgten Christen ermutigt mich stark, da sie in ganz besonderer Weise die Zuwendung des Heiligen Geistes brauchen, damit sie die Krisen überleben können, ohne den Glauben an Gott aufzugeben.

 

II. Jesus ist im Heiligen Geist bei uns

„Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.“ Diese Worte haben die Jünger damals gar nicht so wirklich verstanden. Wie kann Jesus weg sein und doch da sein? Die Jünger konnten ja nicht akzeptieren, dass Jesus sterben würde. Wie viel weniger konnten sie verstehen, dass er dann doch, in anderer Form, bei ihnen sein würde? In der Emmausgeschichte bekommen wir ein Vorgeschmack, wie das in der Praxis dann aussah und bis heute aussieht.

Jesus ist in unserer Mitte. Er lässt uns nicht als Waisen zurück. Wie prägt diese Erkenntnis dein Leben? Für mich z.B. ist es wichtig, jeden Morgen ganz bewusst den Beistand des Heiligen Geistes zu erbeten. Ich bete sehr bewusst, dass ich das tue, was Gott an diesem Tag von mir will. Und das ich das von dem unterscheide, was an wichtigen Dingen in meinem Leben hineinströmt. Besonders bei schweren Gesprächen oder besonderen Entscheidungen, bete ich um Gottes Weisheit. Unabhängig von den Gebeten weiß ich mich aber von Gott getragen. Ich weiß, er füllt mein Herz. Ich weiß, er geht mit mir.
Im Gegensatz stimmt es mich zutiefst traurig, wenn ich Christen erlebe, die so gar nicht das Leben, was sie proklamieren. Das macht mich meiner eigenen Schwachheit und Schuld bewusst und führt mich zur eigenen Buße und Vergebung. Auch das ist das Wirken des Heiligen Geistes in unserem Leben.

 

III. Jesus offenbart sich uns

Im letzten Teil unseres Abschnitts betont Jesus, dass er sich den Jüngern offenbaren wird. Das geschieht auf verschiedener Weise.

Zum einen wird Jesus den Gläubigen offenbaren, dass er, und zwar in Form von Vater, Sohn und Geist, in uns Wohnung nimmt. Ich mag dieses Wortbild der Wohnung. In meiner Wohnung fühle ich mich wohl. Ich richte es mir so ein wie ich es gern möchte. Na, ehrlich gesagt, werden unsere Frauen da meist den größeren Einfluss haben. Trotzdem ist es mein Rückzugsraum. Da fühle ich mich sicher und geborgen. Da geht es mir gut. Mit Jesus in unserem Herzen trifft all das ein. Mit Jesu in uns, ist es besser um uns gestellt. Ich will, dass Jesus seine Wohnung in meinem Herzen hat.  

Zum anderen wird uns der Heilige Geist alles lehren und uns an all die wichtigen Dinge erinnern. Vor allem war das eine Aussage an die Jünger in der Zeit der Prüfung, die auf sie zukommen würde. Aber es gilt auch für uns. Der Heilige Geist unterweist uns in aller Wahrheit. Wir bekommen (hoffentlich) ein schlechtes Gewissen, wenn wir auf Abwege geraten. Wir werden erinnert, was gut, ehrbar und richtig ist. Das ist das Werk des Geistes Gottes. Dazu muss ich natürlich sagen, dass wir unseren Verstand zur richtigen Zeit auch mit der richtigen Nahrung füttern müssen. Das geschieht, wenn wir die Bibel lesen, Andachtsbücher benutzen, wenn wir unter Gottes Wort kommen, wenn wir in Hauskreisen oder Bibelstunden vom Wort Gottes gefüllt werden. Wenn wir auf christliche Kongresse gehen oder christliche Bücher, Hörbücher oder sonstiges nutzen. All das kann unser Herz füllen. Ja, dann ist im richtigen Augenblick reichlich Nahrung vorhanden, die uns der Heilige Geist zur rechten Zeit in Erinnerung rufen kann und wird.

Der ganze Text dreht sich um den Tröster, den Heiligen Geist, der uns Christen gegeben wird. Die zwei Bilder, die benutzt werden, sind von Waisen und Wohnung. Wir werden nicht als Waisen zurückgelassen. Vielmehr füllt der Heilige Geist unser Herz. Er nimmt seine Wohnung in uns ein. Das alles zeigt die Beziehung auf, die Jesus mit uns haben möchte.

Als Jugendlicher habe ich gedacht, wenn ich einen Fehler mache, und dann sterbe, dann bin ich für immer verloren. Im brennenden Feuerofen. Mein Glaube war eher auf Angst aufgebaut. Mit der Zeit hat sich meine Sicht gewandelt. Nun ist meine Beziehung von Vertrauen geprägt. Dieses Vertrauen finde ich sehr stark in diesem Text.

Ich wünsche jedem von uns die Fülle des Heiligen Geistes. Wir dürfen für die Fülle des Heiligen Geistes beten. Ich denke nur an das Lied: „Herr, füll mich neu, füll mich neu mit deinem Geiste“… Ich wünsche, dass ihr stellen habt oder findet, wo ihr Stärkung und Erneuerung erlebt. Der Gottesdienst kann nur ein Teil davon sein. Ich wünsche mir, dass ihr den Geist Gottes tatsächlich als Tröster, Ratgeber, Helfer, Anwalt oder Fürsprecher in eurem Leben wahrnehmt. Genau das möchte er für dich sein.

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