Der Maßstab ist Christus. Philipper 2:1-5

von Edwin Boschmann

Der Maßstab ist Christus. Philipper 2:1-5

Als Paulus den Philipperbrief geschrieben hat war er im Gefängnis in Rom. Das meiste seines Lebenswerks war abgeschlossen. Er erinnert sich mit großer Hingabe und Liebe an die Gemeinde in Philippi, die ihm über die ganzen Jahre treu zur Seite gestanden ist und als einzige Gemeinde seine Arbeit finanziell gefördert hat. Somit dürfen wir die Worte von Paulus als ermutigende Zusagen eines geistlichen Vorbilds an seine Gemeinde verstehen. Ich lese uns Philipper 2:1-5:

„Bei euch gibt es doch das ermutigende Wort im Auftrag von Christus; es gibt den tröstenden Zuspruch, der aus der Liebe kommt; es gibt Gemeinschaft durch den Heiligen Geist; es gibt herzliches Erbarmen. 2 Dann macht mich vollends glücklich und habt alle dieselbe Gesinnung, dieselbe Liebe und Eintracht! Verfolgt alle dasselbe Ziel! 3 Handelt nicht aus Selbstsucht oder Eitelkeit! Seid bescheiden und achtet den Bruder oder die Schwester mehr als euch selbst. 4 Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern an den der anderen, jeder und jede von euch! 5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat.“

 

  1. Es gibt ermutigende Worte, tröstenden Zuspruch

Im Fall der Gemeinde in Philippi war Paulus der Mentor einer gut funktionierenden Gemeinde. Er zählt auf was alles so gut läuft. Es gibt Ermutigung, es gibt liebevollen Trost, es gibt gute Gemeinschaft. Die Leute, die praktische Hilfe brauchen, bekommen sie auch.

Ich denke, im Großen und Ganzen sehe ich in diesem Bereich auch Parallelen zu uns. Ermutigen wir uns untereinander um im Auftrag Christi unterwegs zu sein? Ich denke schon. Wenn jemand Trost braucht, bekommt er das bei uns? Das erwarte ich sogar. Haben wir eine vom Geist Gottes erfüllte Gemeinschaft? Da würde ich auch uneingeschränkt mit Ja antworten. Wenn jemand in unserer Mitte in Not gerät oder einfach nur praktische Hilfe braucht, sind wir dann bereit finanziell und anderweitig zu helfen? Das habe ich schon oft gesehen und erlebt, wie das unter uns geschieht. Einiges davon bekommt man offen mit, anderes geschieht im Verborgenen.

Was erstaunlich ist, ist das Paulus diese Punkte von Ermutigung, Trost aus Liebe, Gemeinschaft und Erbarmen benennt. Nicht, das es sie so gibt. Wenn was gut läuft, dann ist es wichtig das zu benennen und auf den Punkt zu bringen. Es gibt so viel negatives, es gibt so viele Dinge, die uns von dem ablenken wollen, was eigentlich gelobt werden sollte, das wir leicht die Balance verlieren. Ich ermutige euch untereinander Ermutiger zu werden. Wenn ihr das Leben anderer beobachtet, ermutigt sie für das was gut läuft. Das beflügelt Menschen und ermutigt sie noch besser zu werden!

Bevor ich auf das „aber“ zu sprechen komme, will ich euch uneingeschränkt loben. Ich bin dankbar für all das was ich an Christusnachfolge in der Gemeinde hier erlebe. Es ist die Gemeinde Jesu Christi auf dem Thomashof. Die meisten von euch bringen sich regelmäßig und praktisch in verschiedenen Aufgaben der Gemeinde ein, soweit es möglich ist. Ich weiß nicht, wie ihr euch in der Schule, im Beruf und in den Familien benehmt. Aber im Allgemeinen erlebe ich, dass ihr euch gut und vorbildlich verhaltet. Das ist auch was ich von verschiedenen Stellen höre. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich will euch ermutigen: Macht weiter so. Seid weiterhin ein gutes Vorbild für andere. Fördert weiterhin die Nächstenliebe, tröstet weiterhin, helft weiterhin. Wir wollen uns weiterhin gegenseitig anspornen, weiter so wie Christus zu leben.

 

2. Nicht aus Selbstsucht handeln

Ich wäre kein guter Deutscher, wenn ich euch so abgehoben und voller Stolz nach Hause gehen lassen würde. Somit könnte man fast denken, dass Paulus etwas deutsches Blut in seinen Adern hatte. Er vertritt nämlich auch die Meinung: es geht noch besser, es geht noch mehr, es ist noch nicht alles perfekt. Das hört sich doch ganz nach uns an, oder?

Paulus sagt: Macht mich vollends glücklich! Hört nicht auf, wo es doch so gut bei euch läuft. Macht weiter!

Was kann noch besser werden? Paulus sagt: „Handelt nicht aus Selbstsucht oder Eitelkeit! Seid bescheiden und achtet den Bruder oder die Schwester mehr als euch selbst. Denkt nicht an euren eigenen Vorteil.“

Vor ein paar Wochen ist meine Tochter mit der Klasse auf Studienfahrt nach Italien gefahren. Dort hat der Busfahrer einen blöden Fehler gemacht. Er ist wo hingefahren, wo er als Bus nicht hätte hinfahren dürfen. Das ganze nahm seinen Lauf und die Strafe war richtig schmerzhaft. Der Busfahrer musste 1.300 € Strafe bezahlen. Da der Lehrer Mitleid hatte, hat er die Strafe für den Busfahrer bezahlt. Die Klasse hat sich dann noch solidarisiert und die Schüler haben spontan von ihrem Taschengeld 300 € zusammengelegt.
Als Elternvertreter waren wir uns schnell einig: Wir wollten nicht das der Lehrer persönlich für diese Episode haftet. Er soll weiterhin mit Freude und Hingabe an der Schule unterrichten und auf weitere Klassenfahrten fahren. Somit ging eine Familie in die Vorlage und hat die 1.000 € dem Klassenlehrer anonym zukommen lassen. Ich habe dann bei den Eltern nachgefragt, wer sich denn noch weiterhin solidarisiert. Was meint ihr, war wohl die Reaktion? Ich kann nur sagen, eher sehr, sehr, sehr verhalten. Und das an einer christlichen Schule mit vorwiegend christlichen Elternhäusern.

            Natürlich kann man sich darüber streiten, ob nicht der Busfahrer diese Strafe selber zahlen sollte, damit er auch von der Situation was lernt. Doch darum geht es nicht. Für mich geht es um generelle Beobachtungen, die ich in unserer Umgebung mache. Und damit meine ich nicht nur unsere Gemeinde oder die Schule. Wir sind in unserer Gesellschaft, aber auch in unserer Gemeinde bereit extrem viel Geld für unsere eigenen Kinder auszugeben. In manchen Fällen denke ich sogar, das hat ja gar keine gesunden Grenzen mehr. Wir sind bereit für uns persönlich sehr viel Geld zu investieren. Mal mehr für gutes und gesundes Essen, mal mehr für die Gastronomie, mal für unsere Gesundheit, mal für tolle Hobbies, ein anderes Mal für tolle Fernseher oder Computer. In diesem Bereich leben wir in fröhlicher Grenzenlosigkeit.

Was bedeutet es also für uns, was bedeutet es für dich, nicht selbstsüchtig zu handeln und an den Vorteil anderer zu denken? Mal können wir sicherlich finanziell anderen Menschen helfen und uns solidarisieren. Mal können wir unsere Zeit oder Kraft opfern, um anderen zu helfen. Mal ist die Not psychischer Natur und Leute brauchen nur einen Mitmenschen, der sie hört. Versetzten wir uns mal in die Lage des Busfahrers. Er weiß, er hat die Strafe verdient. Er weiß, keiner schuldet ihn was dafür. Andere Gruppen hätten ihm keinen müden Cent gegeben. Fühlt er sich nicht dankbar? Fühlt er nicht, dass ihm was ganz besonderes widerfahren ist? Doch, bestimmt. Ist es nicht genau das, was Gott mit uns jeden Tag neu macht?

Den Vorteil der Anderen im Blick behalten. Warum fällt uns das so schwer? Wo musst du da weg von den eigenen Bedürfnissen auf andere schauen?

 

3. Christus ist unser Maßstab

In den Versen die folgen wird Jesus als unser Vorbild gezeichnet. Er hat sein Thron verlassen und wurde Mensch. Er, Gott selbst, hat auf alle seine Privilegien verzichtet, damit es uns gut geht. Er ging sogar soweit, dass er nicht nur im Leid dieser Welt gelebt hat, sondern sogar eines furchtbaren Todes gestorben ist: Am Kreuz! Warum? Damit er mit uns mitleiden kann. Und damit er uns aus unserem Leid rausholen kann. Das ist ein Wahnsinn. Wer würde so etwas denn tun?

Genau um diese Frage geht es. Leben wir unser Leben so, dass andere erstaunt und positiv sagen: „Wer würde so etwas denn tun?“  Sind wir so großzügig mit anderen, dass unsere Mitmenschen einfach nur darüber staunen können?

Christus hat tatsächlich das Leben anderer höher geachtet als sein eigenes Leben. Er ist Menschen immer mit großer Wertschätzung entgegen getreten. Besonders dann, wenn es sich um benachteiligte Menschen handelte. Jesus ist auf die Kranken und Unterdrückten zugegangen, die von der Gesellschaft geächtet und gemieden wurden. Jesus hat sich mit denen gestritten, die genau diese Prinzipien angegriffen haben, und durch falsch verstandene Rechtgläubigkeit Rechtschaffenheit ersetzt haben.

Ein Vorbild der Christusnachfolge und kompletter Hingabe war für mich ein junger Mann aus Mosambik. Er war sehr begabt und hat trotzdem Theologie studiert anstatt Karriere zu machen. In einem Land wo Hunger herrscht, ist das was ganz anderes als bei uns. Dann hat er die Zuweisung zu einer Pastorenstelle akzeptiert, wo jeder andere „Nein“ gesagt hätte. Es war in den armseligen Slums von Quelimane. Mit vielen Ratten und noch mehr Mosquitos. Die eine Tochter von ihnen hatte im ersten Lebensjahr 21 Mal Malaria, und war dadurch komplett unterentwickelt, bevor sie dann zu einer Pastoralstelle vermittelt wurden, wo die Lebens- und Gesundheitsverhältnisse wesentlich besser waren. Dann bekam dieser Mann eine sehr gute Arbeitsstelle als Lehrer an einem Bibelinstitut. Danach kam die Anfrage für ihn, die gesamte Kirchenleitung für 320 Gemeinden zu übernehmen. Dieser Mann war bereit dafür seine gute Stelle am Bibelinstitut sofort aufzugeben, um die Leitung der Kirche zu übernehmen. Und das, obwohl die Stelle als Kirchenleitung komplett unbezahlt war (und nach wie vor ist). Wer würde so etwas tun? Wer ist bereit, so zu leben? Wer ist bereit, so zu leiden? Nicht viele. Und doch bin ich davon überzeugt, dass es gerade solche Lebenszeugnisse sind, die Menschen für die Nachfolge an Jesus offen machen. Es sind nicht die tollen Worte, sondern die Bereitschaft andere mit ihren Belangen vor den eigenen Interessen zu stellen. Kein leichtes Unterfangen. Da kann man zu Recht fragen: Wer würde so etwas tun? Jesus hat es getan.

 

Ich will nochmals kurz zusammenfassen: Bei uns läuft vieles gut. Ich sehe vielfach echten und gelebten Glauben. Ich könnte viele Beispiele dafür geben. Vieles davon läuft sehr bewusst so, dass andere es nicht mitbekommen. Wir wollen daran festhalten. Voll und ganz. Das ist sehr, sehr gut.
Es geht aber noch mehr. Nicht aus Selbstsucht zu handeln beschränkt sich nicht auf einzelne Taten. Es ist ein ganzer Lebensstil. Da bleiben wir als Christen bis zu unserem Lebensende lernende. Christus ist dafür unser Vorbild. Aber das Vorbild anderer Menschen, die Christus nachfolgen, hilft uns auch.

„Wer würde so etwas tun“. Wenn wir durch unser Leben, im positiven Sinne, so eine Reaktion in unserer Umgebung provozieren, dann haben wir sehr viel richtig gemacht.

Möge Gott uns darin segnen.

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