Daniel in der Löwengrube. Daniel 6

von Edwin Boschmann

Daniel in der Löwengrube. Daniel 6

Heute geht es um Medien, und zwar nicht um moderne Medien. Sondern um Medien aus Persien. Und es geht um einen Karrierepolitiker. Eine Berufsgruppe, die es sich bei uns in Deutschland in der breiten Mehrheit der Gesellschaft verdorben hat. Politiker sind oftmals bei uns für viele negative Dinge bekannt. „Sie schieben sich ihre Positionen hin- und her. Die Liste derer, die wegen persönlicher Verfehlungen das Feld räumen muss, ist groß. Die Diskussionen werden so böse geführt, dass wir unsere Kinder nicht zuhören lassen. Politiker sind realitätsfremd.“ Die Liste könnte natürlich weiter geführt werden.

Mit Daniel haben wir einen Karrierepolitiker der ganz anderen Art. Von ihm wollen wir heute hören und lernen. Ich lese uns den Text aus Daniel 6:„Und Darius aus Medien empfing das Reich, als er zweiundsechzig Jahre alt war. 2 Und es gefiel Darius, über das ganze Königreich hundertzwanzig Statthalter zu setzen. 3 Über sie setzte er drei Fürsten, von denen einer Daniel war. Ihnen sollten die Statthalter Rechenschaft ablegen, damit der König nicht zu Schaden komme. 4 Daniel aber übertraf alle Fürsten und Statthalter, denn es war ein überragender Geist in ihm. Darum dachte der König daran, ihn über das ganze Königreich zu setzen. 5 Da trachteten die Fürsten und Statthalter danach, an Daniel etwas zu finden, das gegen das Königreich gerichtet wäre. Aber sie konnten keinen Grund zur Anklage und kein Vergehen finden; denn er war treu, sodass man keine Schuld und kein Vergehen bei ihm finden konnte. 6 Da sprachen die Männer: Wir werden keinen Grund zur Anklage gegen Daniel finden, es sei denn wegen seiner Treue zum Gesetz seines Gottes. 7 Da kamen die Fürsten und Statthalter eilends vor den König gelaufen und sprachen zu ihm: Der König Darius lebe ewig! 8 Es haben die Fürsten des Königreichs, die Würdenträger, die Statthalter, die Räte und Befehlshaber alle gedacht, es sollte ein königlicher Befehl gegeben und ein strenges Gebot erlassen werden, dass jeder, der in dreißig Tagen etwas bitten wird von irgendeinem Gott oder Menschen außer von dir, dem König, allein, zu den Löwen in die Grube geworfen werden soll. 9 Darum, o König, wollest du ein solches Gebot ausgehen lassen und ein Schreiben aufsetzen, das nicht wieder geändert werden darf nach dem Gesetz der Meder und Perser, das niemand aufheben kann. 10 So ließ der König Darius das Schreiben und das Gebot aufsetzen. 11 Als nun Daniel erfuhr, dass ein solches Gebot ergangen war, ging er hinein in sein Haus. Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem, und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte. 12 Da kamen jene Männer eilends gelaufen und fanden Daniel, wie er betete und flehte vor seinem Gott. 13 Da traten sie vor den König und redeten mit ihm über das königliche Gebot: O König, hast du nicht ein Gebot erlassen, dass jeder, der in dreißig Tagen etwas bitten würde von irgendeinem Gott oder Menschen außer von dir, dem König, allein, zu den Löwen in die Grube geworfen werden solle? Der König antwortete und sprach: Das ist wahr nach dem Gesetz der Meder und Perser, das niemand aufheben kann. 14 Sie antworteten und sprachen vor dem König: Daniel, einer der Gefangenen aus Juda, der achtet weder dich noch dein Gebot, das du erlassen hast; denn er betet dreimal am Tage. 15 Als der König das hörte, wurde er sehr betrübt und war darauf bedacht, Daniel zu retten, und mühte sich, bis die Sonne unterging, ihn zu befreien. 16 Aber die Männer kamen wieder zum König gelaufen und sprachen zu ihm: Du weißt doch, König, es ist das Gesetz der Meder und Perser, dass alle Gebote und Befehle, die der König beschließt, unverändert bleiben sollen. 17 Da befahl der König, Daniel herzubringen. Und sie warfen ihn zu den Löwen in die Grube. Der König aber sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir! 18 Und sie brachten einen Stein, den legten sie auf die Öffnung der Grube; den versiegelte der König mit seinem eigenen Ring und mit dem Ringe seiner Mächtigen, damit nichts anderes mit Daniel geschähe. 19 Und der König ging weg in seinen Palast und fastete die Nacht über und ließ kein Essen vor sich bringen und konnte auch nicht schlafen. 20 Früh am Morgen, als der Tag anbrach, stand der König auf und ging eilends zur Löwengrube. 21 Und als er zur Grube kam, rief er Daniel mit angstvoller Stimme. Und der König sprach zu Daniel: Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dich dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, auch erretten können von den Löwen? 22 Daniel aber redete mit dem König: Der König lebe ewig! 23 Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, sodass sie mir kein Leid antun konnten; denn vor ihm bin ich unschuldig, und auch gegen dich, mein König, habe ich nichts Böses getan. 24 Da wurde der König sehr froh und ließ Daniel aus der Grube herausziehen. Und sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut. 25 Da ließ der König die Männer, die Daniel verklagt hatten, holen und zu den Löwen in die Grube werfen samt ihren Kindern und Frauen. Und ehe sie den Boden erreichten, ergriffen die Löwen sie und zermalmten alle ihre Knochen. 26 Da ließ der König Darius allen Völkern und Leuten aus so vielen verschiedenen Sprachen auf der ganzen Erde schreiben: Viel Friede zuvor! 27 Das ist mein Befehl, dass man überall in meinem ganzen Königreich den Gott Daniels fürchten und scheuen soll. Denn er ist ein lebendiger Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende. 28 Er ist ein Retter und Nothelfer, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden. Der hat Daniel von den Löwen errettet. 29 Und Daniel hatte große Macht im Königreich des Darius und auch im Königreich des Kyrus von Persien.“

 

  1. Treu und ohne Schuld

Wenn wir diesen Text lesen, erleben wir nicht gerade einen klugen Herrscher. Darius kommt erst mit 62 Jahren an die Macht, die er als Thronfolger übernimmt. Dann verteilt Darius die Macht auf Fürsten und Statthalter, damit er in Ruhe gelassen werden kann. Man gewinnt den Eindruck, Darius will als Herrscher eine ruhige Kugel schieben. Und dann unterschreibt er ein völlig irrsinniges Dekret, das jeder aus seinem ganzen riesigen Reich für 30 Tage mit seinen Anliegen nur allein zu ihm als Herrscher kommen darf. Alles andere wird aufs härteste bestraft. Wie bitteschön soll so etwas praktisch durchführbar sein? Außer das sein Ego damit geschmeichelt wird?

Ihm zur Seite steht Daniel, ein Politprofi, der schon den vorherigen Herrschern sehr gute Dienste erwiesen hat. Daniel kommt aus einer aristokratischen Familie aus Judäa. Er ist für seine Treue und Hingabe bekannt. Er ist extrem begnadet in seinem Beruf und Handeln. Er lässt keine Schuld auf sich kommen. Er ist nicht korrupt oder falsch beeinflussbar. Er erledigt seine Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit seines Königs.

Ich bin fest davon überzeugt, das ist der Typ Mensch den unser Land mehr denn je braucht. Ob nun in der Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Bildungswesen oder sonst wo. Im ganz normalen Alltag. Ob wir extrem begnadet mit vielerlei Gaben sind, das haben wir nicht in der Hand. Das wird uns von Gott gegeben. Aber ob wir treu und ohne Schuld unsere Arbeit verrichten, das haben wir völlig und ganz allein in unserer Hand. Seid ihr dafür bekannt, dass ihr treu eure Aufgaben verrichtet? Sei es nun als Schüler, Hausfrauen oder im normalen Arbeitsleben? Seid ihr dafür bekannt, dass ihr keine Schuld auf euch kommen lasst? Wenn unser Land weiterhin ein gutes Land für uns sein soll, dann kommt es darauf an, wie jeder von uns Christen seinen Glauben von Montag bis Samstag lebt. Wenn wir an unseren Arbeitsplätzen oder wo immer wir auch sind solche Vorbilder sind wie Daniel es war, dann hat das massive Konsequenzen für die Qualität unseres Landes und auch für die Qualität unseres christlichen Zeugnisses. Das wünsche ich mir noch viel, viel mehr.

Wie so oft im Leben, wird das Gute, das wir im Leben tun, nicht automatisch belohnt. Bei Daniel kam sein Verhalten bei einigen gar nicht gut an. Der König Darius war zwar von Daniel begeistert und wollte ihn gar zum obersten Chef über alle stellen, aber es gab Neider. Die waren gar nicht so zimperlich und wollten Daniel tot sehen. Diese Neider stellen David eine Falle. Und da er bezüglich seiner Arbeit unantastbar war, musste sein Glaube herhalten. Es wird beim König ein Dekret forciert und vom König tatsächlich unterschrieben, dass jeder „der in dreißig Tagen etwas bitten wird von irgendeinem Gott oder Menschen außer von dir, dem König, allein, zu den Löwen in die Grube geworfen werden soll.“

 

2. Von wem erwarte ich Hilfe?

Daniel hatte eine sehr enge Beziehung zum König. Er hätte sofort zum König gehen können und mit ihm sein Problem besprechen können. Das wäre wahrscheinlich normales Verhalten. Zur obersten Stelle gehen und schauen, wie man die Probleme beseitigt bekommt. Daniel handelt anders. Er geht ins Gebet. Das ist seine Gewohnheit. 3 Mal am Tag geht er ins Gebet, ganz für sich allein, in seinem Obergemach.

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist. Habt ihr einen vollen Terminkalender? Schafft ihr es aus zeitlichen Gründen nicht, die Bibel in die Hand zu nehmen und Zeit fürs Gebet zu finden? Oder langweilt euch Gott und die Bibel? Kommt ihr sowieso mit Schlaf und Ruhe zu kurz, sodass ihr einfach nicht noch für Gott Zeit habt? Ich bin sicher, Daniel hatte noch weniger Zeit als ihr es habt. Er war zum großen Teil für das Wohl und Wehe eines riesigen Landes zuständig. Er verrichtete seine Arbeit gut und gewissenhaft. Wo bitteschön soll da Zeit fürs private Leben oder Gebet bleiben? Und genau da hatte sich Daniel eine Routine in seinen Arbeitsablauf eingearbeitet, die für ihn wichtiger war als alles andere. Zeit mit Gott im Gebet. Zeit für Dank, Lob und Anbetung. Zeit für Fürbitte. 3 mal am Tag. Das hört sich fast wie eine Routine bei den Mönchen an. Aber das war die Kraftquelle Daniels.

Hast du so eine Tradition, solch eine Gewohnheit des Gebets in deinem Leben? Wo gehst du hin mit deinen Ängsten und Fragen? Wie oft gehst du mit deinen Ängsten über Gesundheit, Politik, Überfremdung usw. zu Gott? Wie oft gehst du zu anderen Leuten? Wenn du nicht so eine Gewohnheit des Gebets hast, dann rate ich dir diese Gewohnheit jetzt einzuführen. Für mich ist das der frühe Morgen, wenn ich mir Zeit für Bibellese und Gebet nehme. Manchmal fällt es mir leicht, diese Zeit zu nehmen, manchmal schwerer. Wenn es nicht eine so feste Gewohnheit wäre, würde ich wohl schnell von den täglichen Aufgaben abgelenkt werden.

Von wem erwartest du Hilfe in schwierigen Situationen? Wir haben von R. gehört, und wie seine Gebete bezüglich einer neuen Arbeit erhört wurden. Besser als er es selber erwartet hatte. Nun gibt es kein Wochenenddienst mehr, was früher immer ein gewisses Problem war. Wir wissen von Daniel, dass die Löwen ihn in der Grube nicht angetastet haben. Gott hat Daniel auf wunderbarer Weise erhört und gerettet. Wir wissen, dass die Löwen aber hungrig waren und sich mit Freude über die Neider von Daniel hergemacht haben. Es lohnt sich an Gott dran zu bleiben, auch wenn die Auswirkungen selten so krass sein dürften wie bei Daniel.

 

3. Loyalität

Wenn es um Neid geht, ist die Geschichte von Daniel in der Löwengrube voll davon. Es gibt die Gruppe der Neider, die Daniel tot sehen wollen. Daniel bedroht ihre Arbeitsstellen. Er ist einfach viel zu gut in dem was er tut. Er lässt sich nicht auf Seilschaften und Korruption ein. Das stört gewaltig. Somit gehen diese Neider zum König und schwärzen Daniel dort an. Sie laufen förmlich zum König und nachher laufen sie zu Daniel, um ihn beim Gebet zu erwischen. Sie haben es eilig, ihr schmutziges Wesen zu treiben. Zum einen behaupten sie, dass „alle“ dieses Dekret wollen. Sicherlich war das so nicht der Fall. Des Weiteren sprechen sie von dem „Gefangenen aus Juda“ und distanzieren sich somit bewusst von Daniel, damit sie besser da stehen.

So ein widerliches Verhalten unter Mitarbeitenden, Kollegen und dergleichen ist leider nicht unüblich. Und leider machen viel zu viele Christen mit, anstatt sich von solch einem Verhalten zu distanzieren.

Für die Vorgesetzten ist es auch nicht einfach. Je höher man in der Hierarchie steigt, desto einsamer wird man. Wenn man dann Gespräche mit Leuten führt, sind es vorwiegend Mitarbeitergespräche, die eine gewisse Distanz zu den Mitarbeitenden mit sich führen. Und wenn es ebenbürtige Kollegen auf Führungsebene sind, muss immer geschaut werden, dass sie nicht Böses im Schilde führen und einfach nur darauf warten, dass man einen Fehler macht, damit sie aufsteigen können. Ja, mit Macht umzugehen ist eine schwierige Angelegenheit.

Da will ich zurück zu Daniel. Daniel war klug, sonst wäre er nie so hoch gestiegen. Er war aber auch ohne falsch. Zudem hatte er seine Prioritäten eindeutig. Bei ihm kam Gott immer an erster Stelle. Dafür war er bereit sein Leben hinzugeben. Das hatte er in jungen Jahren regelmäßig bewiesen. Danach hat er sich ganz loyal zu seinen Herrschern gestellt. Und es waren einige dabei, die alles andere als angenehm waren. Sie waren aber seine Vorgesetzten, und er hat das voll und ganz respektiert. Auch hier beim Herrscher Darius. Nicht umsonst kann Daniel zu Darius sagen: „Der König lebe ewig! Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, sodass sie mir kein Leid antun konnten; denn vor ihm bin ich unschuldig, und auch gegen dich, mein König, habe ich nichts Böses getan.“

Wie geht es euch mit euren Vorgesetzten? Das ist oftmals ein sehr sensibles Thema. Oftmals ist dies Thema mit Neid und Missgunst behaftet. Besonders wenn die Vorgesetzten nicht wirklich gut sind. Und das scheint regelmäßig der Fall zu sein. Sie sind halt auch nur Menschen, mit ihren Fehlern und Macken. Nur, Vorgesetzte sitzen am längeren Hebel. Dies wird sehr gern auch ausgenutzt. Das ist zwar nicht gut und schon lange nicht richtig, berechtigt aber nicht zugleich zu eigenem falschen Verhalten.

Ich ermutige euch in diesem Bereich Daniel als Vorbild zu nehmen. Er hat sehr viel richtig gemacht. Das ist nachahmenswert. Mit seinen Sorgen ging Daniel zu Gott, und nicht zu seinen Mitmenschen. Und Daniel erlebt unglaubliches. Der König selber befiehlt Daniel dem Schutz seines Gottes an. Als Daniel dann von Gott errettet wurde, war es Darius selber, der per Dekret diesen Gott ehren lässt.
Ja, Gott streitet für uns. Das kennen wir von vielen Bibelstellen und aus unserer eigenen Lebenspraxis. Er ist es, der Türen in unserem Leben schließt und auch öffnet. Er ist es, der seinen Namen groß werden lässt. Auch durch Situationen und Umstände, die uns unmöglich erscheinen, wie hier durch den ungläubigen König Darius. Von uns wird Treue erwartet. Vor allem und ohne jegliche Kompromisse gegenüber Gott. Aber dann auch gegenüber unserer menschlichen Obrigkeit. Das scheint nicht so leicht zu sein, und doch wichtig.

 

Daniel: ein engagierter Karrierepolitiker. Ein Vorbild eines gläubigen Menschen. Mit sehr großem Einfluss – auch in seinem Glauben. Solche Christen braucht unser Land, unsere Welt. Christen, die von Montag bis Samstag in Wirtschaft, Bildung, Politik, Gesundheitswesen oder wo immer sie auch stehen treu, loyal sind. Sie sind praktische Wegweiser zu Gott. Für solche Menschen wollen wir beten. Solche Menschen wollen wir, mit Gottes Hilfe, immer mehr selber werden.

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