Bileam und Balak. 4. Mose 22-24

von Edwin Boschmann

Bileam und Balak. 4. Mose 22-24

Als ich in Mosambik war, hatte ich einmal in der Regenzeit eine Schulung für Pastoren anberaumt. Ich bereitete mich vor und bin losgefahren. Nach 2,5 Stunden Autofahrt stand ich an einem Fluss, an der die Brücke weggeschwemmt worden war. Nach langem hin- und her Überlegen sind wir umgedreht, haben zuhause angehalten, eine Kaffeepause gemacht, bevor wir dann eine andere Route genommen haben. So ähnlich, wenngleich vielleicht nicht ganz so drastisch, kann es einem z.Z. ergehen, wenn man über die Rheinbrücke in die Pfalz will.

Israel stand vor einem ähnlichen Problem. Sie wollten nach 40 Jahren Wüstenwanderung in Frieden durch das Land der Moabiter ziehen. Sie wollten einfach nach Kanaan, aber die Moabiter hatten Angst und haben den Durchzug verboten. Somit macht das Volk Israel die sehr mühsame Reise und umreist das Gebiet der Moabiter. Doch das war den Moabitern nicht genug. Sie fühlten sich bedroht. Und Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber, wenngleich eine sehr wichtige körperliche Reaktion.

Somit kommt es zur Konfrontation. Balak, der König der Moabiter, lässt Bileam, einen sehr berühmten Wahrsager, aus dem Ausland holen. Er soll die Israeliten verfluchen, damit Moab seine Vormachtstellung behalten kann. Soweit mal kurz der geschichtliche Abriss.

 

  1. Angst, ein schlechter Berater

„Und Balak, der Sohn Zippors, sah alles, was Israel den Amoritern angetan hatte. Und die Moabiter fürchteten sich sehr vor dem Volk, weil es groß war, und den Moabitern graute vor den Israeliten. Und sie sprachen zu den Ältesten der Midianiter: Nun wird dieser Haufe auffressen, was um uns herum ist, wie ein Rind das Gras auf dem Felde abfrisst. Balak aber, der Sohn Zippors, war zu der Zeit König der Moabiter.“

Wie gesagt, Israel hatte nicht vor gegen Moab vorzugehen. Die Verheißung für Israel war auf der anderen Seite vom Jordan. Die Krise wird erst dadurch herbeigeführt, dass die Moabiter sich bedroht fühlen.

Nicht umsonst finden wir im Neuen Testament ca. 30 Mal die Aussage: „Fürchtet euch nicht/fürchte dich nicht“. Gott ist nicht ein Gott der uns das Fürchten lehren will. Vielmehr will er unsere Nähe, unsere Gegenwart, unser Vertrauen.

Was bereitet dir Angst? Was macht dir Sorgen? Was führt in deinem Leben dazu, dass du auf einmal falsche oder schlechte Entscheidungen  triffst, so wie Balak? So ganz unnötig? Aus einer unbegründeten Panik heraus? Von Gott kommt das sicherlich nicht.

Vor vielen Jahren sind meine Eltern mit uns Kindern von Bad Pyrmont nach Kanada emigriert. Wir kennen ja den Spruch: Das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner. So war es damals. Die Gemeindeentwicklung in Bad Pyrmont kam einfach nicht so voran, wie es sich meine Eltern damals erhofft hatten. Trotz extrem intensiver Bemühungen. Aus Frust heraus, und der Angst, da in etwas stecken zu bleiben, was sich gar nicht mehr entwickeln würde, ging es über den großen Teich. Doch die Zeit war einfach noch nicht reif gewesen. In dem einen Jahr unserer Abwesenheit hatten sich die Dinge in Bad Pyrmont weiter entwickelt und aus der losen Gruppe von glaubensinteressierten Menschen wurde eine Gemeinde. Schon waren unsere Pläne zunichte in Kanada zu bleiben. Wir als ganze Familie zogen mit Kind und Kegel zurück nach Bad Pyrmont.

Wo sind wir in der Gefahr vorschnell Entscheidungen zu treffen, weil wir Panik haben? Wo reagieren wir aus Angst heraus, wie Balak? Und nachher stellten sich die Fakten womöglich anders auf als wir es gedacht haben?

 

2. Bileam befragt Gott

In seiner Not will Balak das Beste für sein Land. Der beste Wahrsager muss her damit er Israel verfluche. Somit wird Bileam von weit her, aus einem anderen Land, geholt. Da steht: „Und [Balak] sandte Boten aus zu Bileam, dem Sohn Beors, nach Petor, das am Euphrat liegt, ins Land der Kinder seines Volks, um ihn herbeizurufen, und ließ ihm sagen: Siehe, es ist ein Volk aus Ägypten gezogen, das bedeckt das ganze Land und lagert mir gegenüber. So komm nun und verfluche mir das Volk, denn es ist mir zu mächtig; vielleicht kann ich's dann schlagen und aus dem Lande vertreiben; denn ich weiß: Wen du segnest, der ist gesegnet, und wen du verfluchst, der ist verflucht.“

Ein paar Dinge faszinieren mich an diesem Teil der Geschichte. Zum einen spricht Gott zu diesem fremden Wahrsager. Das passt mir nicht. Ich hätte es gerne anders. Auch heute noch erlebe ich ab und zu, dass Gott Menschen benutzt, die nicht ihren Weg mit Gott gehen. Gottes Wege sind größer als meine Wege. Das muss ich stehen lassen.

Zum anderen ist Bileam unbestechlich. Bileam befragt Gott und geht erst einmal nicht mit nach Moab, auch wenn Fürsten und König ihn rufen lassen. Erst bei der zweiten Aufforderung, und bei der zweiten Befragung von Gott, geht er mit. Dadurch handelt er sich die Episode mit der sprechenden Eselin ein. Inwiefern sind wir unbestechlich, wenn Gott zu uns redet? Oder prüfen wir die Umstände so lange, und sprechen mit so vielen Menschen, bis die Situation belanglos geworden ist? Obwohl uns Gott etwas aufs Herz gelegt hat?

Als ich etwa 11-12 Jahre alt war, bin ich durch eine Krise gegangen. Meine Heimat Costa Rica war hinter mir und ich musste mich in Deutschland zurecht finden. Sprachwechsel, Wechsel von Bezugspersonen, Wechsel von Schule und allem. Ich fing an zu klauen. Ich ließ Kleinigkeiten, Süßigkeiten aus einem Laden mitgehen. Erst Jahre später meldete sich mein schlechtes Gewissen. Dann dauerte es nochmals länger, bis ich mich endlich wieder zurück nach Espelkamp aufmachte, um mit den Ladenbesitzern zu sprechen. Der Laden hatte inzwischen geschlossen, aber ich konnte  trotzdem die Dinge bereinigen. Ist etwas auf deinem Herzen, wo Jesus Christus dich anspricht, und du tust dich schwer aktiv zu werden? Es muss ja nicht gleich was dramatisches sein. Es muss sich auch nicht um Bereinigungen in der Vergangenheit handeln. Es können ganz unterschiedliche Dinge sein, die uns von Gott aufs Herz gelegt werden. Ich ermutige dich: Sei unbestechlich. Reagiere schnell, wenn Gott dir was aufs Herz legt. Mit der Zeit wird es nur schwerer diese Dinge anzupacken.

Wie bei Bileam, ist es auch bei uns oftmals ein innerer Kampf. Bileam hört Gottes Wort. Er will tun, was Gott sagt. Aber es gibt genug äußere Zwänge, die ihn davon abhalten wollen. So auch bei uns. Wir wissen, was wir tun sollen. Wir wissen, was richtig ist. Und doch wägen wir zu gern Kompromisse ab. Wir müssen uns immer wieder fragen: Wie ernst nehmen wir das Reden Gottes in unserem Leben?

Im letzten Gottesdienst hatten wir diesbezüglich schon einiges gehört. Petrus will über das Wasser laufen, aber dann bekommt er Panik. Trotzdem greift Jesus ihn auf, anstatt ihn sinken zu lassen. Ja, Jesus segnet auch uns. Immer wieder.

 

3. Eine Eselin

Dann kommt die uns so bekannte Passage der sprechenden Eselin. Bileam macht sich auf dem Weg nach Moab. Gott wird böse, da er als erstes gesagt hatte, dass Bileam nicht mit nach Moab gehen sollte. Auch wenn er nachher die Erlaubnis gegeben hat, war es nur wegen der zweiten Anfrage – mit der Bedingung nur das zu sagen, was er, Gott, reden würde.
So stellt sich ein Engel Gottes dem Bileam mit gezücktem Schwert entgegen. Bileam merkt es nicht, aber die Eselin schon. Das erste Mal weicht sie aus, das zweite Mal drückt sie sich an die Seite, das dritte Mal kann sie weder das eine noch das andere tun. Sie lässt sich auf den Boden sinken. Jedes Mal ist Bileam auf die Eselin zunehmend wütender, schlägt sie und würde sie am liebsten umbringen. An dieser Stelle fängt die Eselin an zu sprechen und fragt Bileam warum er so böse auf sie sei. Dann werden Bileam die Augen geöffnet und er sieht den Engel mit dem Schwert vor sich stehen. Das Schwert war auf Bileam gerichtet, und nicht auf die Eselin. Diese Situation bestärkt nochmals Bileam darin, nur das zu reden was Gott ihm aufträgt zu reden.

Manchmal, denke ich, sind wir wie Bileam. Jeder Esel in unserer Umgebung merkt das Wirken Gottes in unserem Leben, und an uns geht es unbemerkt vorbei. Ich bin dankbar, dass ich nicht in den Zeiten des Alten Testaments lebe, dass gleich irgendwo ein Schwert Gottes auf mich gerichtet ist. Trotzdem will ich auf Gott hören. Ich weiß auch, dass Gott oftmals durch andere Menschen zu mir redet. Ich will immer mehr empfänglich für Gottes Reden und Wirken in meinem Leben sein. Willst du das auch? Immer mehr will ich wie Samuel sagen: „Herr rede, ich höre.“ Ich will nicht erst einen Esel in meiner Gegend brauchen, der mich auf Gott in meinem Leben hinweist.

 

4. Der dreimalige Segen anstatt des Fluches

Nach dem Zwischenfall mit der Eselin geht es mit Bileam direkt zu Balak. Der Auftrag ist klar. Bileam soll die Israeliten verfluchen.

Altäre werden aufgebaut. Viele Tiere werden geopfert. Dann geht es ans Eingemachte. Nun soll der Fluch kommen. Doch Bileam redet nur das, was Gott ihm aufträgt. Und was ist es? Kein Fluch, sondern vielmehr ein Segen. Beim ersten Mal sagt er: „Wie soll ich fluchen, dem Gott nicht flucht? Wie soll ich verwünschen, den der HERR nicht verwünscht?“

Nun zieht man zu einer anderen Stelle. Wieder werden Altäre gebaut und viele Tiere geopfert. Wieder soll Bileam fluchen. Was sagt er nun? „Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue. Sollte er etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten? Siehe, zu segnen ist mir befohlen; er hat gesegnet, und ich kann's nicht wenden.“ Wieder zieht man an eine neue Stelle. Wieder werden Altäre gebaut und Tiere geopfert. Was sagt Bileam das dritte Mal? „Gesegnet sei, wer dich segnet, und verflucht, wer dich verflucht!“

Diese Worte Bileams erinnern mich stark an Römer 8:31-32: Da steht: „Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“

Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass Israel sich nicht gesegnet fühlte. Sie hatten gerade 40 Jahre Wüstenwanderung als Strafe Gottes hinter sich gebracht. Extrem viele unschöne Zwischenfälle waren geschehen, in denen das Volk Gottes mit Unglauben und Ungehorsam geglänzt hatte. Im Kapitel nach dieser Segnung durch Bileam geht es mit dem Ungehorsam gerade weiter. Gottes Sicht auf sein Volk, auch heute auf uns, ist anders als wir es von innen erleben. Es ist wie beim Nationalstolz in einigen unserer Nachbarländer. Selber kritisieren sie ihr Land bis aufs Blut. Aber wehe jemand von außen sagt was. Das geht gar nicht. So auch Gott mit uns. Es wird immer genug Grund zur Klage geben, aber nach außen verteidigt Gott uns mit allem was er hat. Du und ich, wir sind sein Volk!

 

Gnade. Bei der ganzen Geschichte von Bileam und Balak geht es um Gnade. In unserem Leben geht es um Gnade. Gott ist dir und mir gnädig. Haben wir diese Gnade Gottes verdient? Wir haben es heute genauso wenig verdient wie das Volk Gottes es damals verdient hat. Gott wendet sich dir und mir zu. Es gibt genug Widerstand von außen, Versuchungen, Ablenkungen, Hindernisse. Wir versagen, wir wenden uns gegen unsere eigenen Leute und gegen uns selber. Das ist schade und unnötig.

Ich ermutige euch: Schaut immer wieder auf Jesus Christus. Lasst euch nicht ablenken. Bei ihm erhalten wir Mut, Kraft, Fürsorge. „Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“

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