Advent: Es leben und erleben! Psalm 37:4

von Edwin Boschmann

Advent: Es leben und erleben! Psalm 37:4

Worauf lebt ihr zu? Welches sind eure Hoffnungslichter in der alltäglichen Routine? Ist es das Wochenende nach einer langen Arbeitswoche, welches für euch wichtig ist? Ist es der nächste Urlaub, der von langer Hand geplant wird, und wieder Hoffnung und Freude in das Leben gibt? Oder ist euch die nächste Gehaltserhöhung wichtiger, die ihr mit großer Sehnsucht erhofft und worauf ihr zulebt? Oder doch eher Lob und Anerkennung von Kollegen, Freunden und Familie? Oder lebt ihr doch eher auf das neue Auto zu? Oder das Haus, das gekauft werden will? Was ist euch ganz arg wichtig?

Wir sind jetzt mitten im Advent. Unserem Gott war es über alle Maßen wichtig, dass wir die Möglichkeit bekommen, ihn besser kennen zu lernen. Deshalb ist Jesus auf diese Erde gekommen. Und er wird wiederkommen, damit unsere Einheit mit ihm vollkommen wird. Das ist Adventsfreude.

 

  1. Jesu Ankunft, Advent feiern heißt Jesus an 1. Stelle zu setzen

Wochenenden, Urlaub, Autos, Haus, die Familie oder was auch immer sind gut und wichtig. Und doch gibt es so etwas wie eine Gewichtung in unserem Leben. Was macht mich wirklich aus? Was ist mir wichtiger als alles andere? Welches ist die Grundlage, auf der ich alle meine Entscheidungen treffe? Die genannten Dinge als zentrale Dinge des Lebens werden uns vor allem von unserer Umgebung vorgegeben und vorgelebt. Karriere, Konsum, aber auch Familie und vieles mehr. Unsere Umgebung will uns diktieren, dass das die wahren wichtigen Dinge unseres Lebens sind. Zum Teil ist das ja auch richtig, aber halt nur zum Teil.

In Psalm 37:4 steht: „Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.“ In diesem Psalm steht, was an erster Stelle stehen sollte. Habe deine Lust am Herrn. Die Erkenntnis dabei ist nicht, dass es um minutiöses Einhalten aller Gebote und Gesetze gilt. Das führt nur zu innerem Stress und zu zwanghaftem Verhalten. Es ist vielmehr die Erkenntnis, dass Gott uns seine Gedanken, Gesetze und Gebote gegeben hat, damit wir gut leben können. Damit wir leben die Fülle schmecken. In der Nachfolge von dem was Jesus wichtig ist, erleben wir die Gegenwart Gottes. Das füllt unser Herz viel mehr aus, als es alles andere auf der Welt tun kann. Das schenkt innere Freiheit und Freude in ganz anderen Dimensionen. Psalm 119 drückt es ebenfalls in unterschiedlichen Versen aus. Da steht z.B. im Vers 72: „Das Gesetz deines Mundes ist mir lieber als viel tausend Stück Gold und Silber.“ Oder im Vers 77:  „Ich habe Freude an deinem Gesetz.“ Oder im Vers 93: „Ich will deine Befehle nimmermehr vergessen; denn du erquickst mich damit.“ Oder im Vers 97: „Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Täglich sinne ich ihm nach.“

Zurück zu Psalm 37:4. Wenn wir unseren Herrn und Heiland an 1. Stelle in unserem Leben stellen, wenn das unser Herz und unser Leben erfüllt, dann wird Gott uns geben, was unser Herz wünscht. Warum? Dann sind meine und deine Wünsche nicht mehr egozentriert sondern Gottzentriert. Dann geht es in meinem Leben nicht mehr in erster Stelle um Wochenenden, Urlaub, Autos, Häuser oder sonst was. Die Dinge werden nach wie vor ihre Stelle in unserem Leben haben. Wir sind schließlich und endlich Menschen. Aber das wird nicht meine letztendliche Erfüllung sein. Das wird schlussendlich nicht darüber bestimmen, ob und wieviel Geld ich spende, ob und wieviel Zeit ich für andere gebe, ob ich eine Arbeitsstelle annehme oder nicht. Dann ist doch die Frage: Herr, was macht dich glücklich? Weil ich weiß, dass mich das dann auch glücklich machen wird.

In anderen Worten kann man auch sagen, wenn Gott im Zentrum meines Lebens steht, dann kann ich voller Freude das tun was ich will. Dann kann ich eigentlich gar nicht mehr falsch entscheiden, weil ich versuchen werde Entscheidungen zu treffen, die Gott gefallen. Das ist eine unendliche Freiheit und Freude, die Gott uns da gibt. Das entlastet. Das füllt aus.

Was mich an dieser Logik so fasziniert, ist die Fülle Gottes. Wenn Wochenenden, Urlaub, Gehaltserhöhung, Autos oder auch die Familie meine Lebenserfüllung sind, dann scheitere ich, wenn sie mir genommen werden. Und das kann im Leben leider auch passieren. Viel zu oft ist das der Zeitpunkt, wenn Menschen suizidgefährdet sind oder sich sogar das Leben nehmen, oder im Alkohol oder anderen Drogen Ausflucht suchen. Wenn Gott bei mir im Zentrum steht, ist es deswegen noch lange nicht einfach, wenn Lebenswünsche und Träume zerplatzen. Aber wir bleiben auf dem Weg der zum Leben führt. Der mit der großen Ankunft seine Erfüllung findet.

 

2. Was hilft im Alltag auf Jesus zu warten, Advent zu leben?

Dass wir als Christen versuchen Jesus die Nummer Eins in unserem Leben sein zu lassen ist ja eigentlich nichts Neues. Und doch scheitern wir oft immer wieder im Alltag und die Tage und Wochen verfliegen und weltliche Dinge nicht zuletzt der Vorweihnachtsstress nehmen viele von uns völlig ein.

Wir hatten am Anfang von Adventstraditionen gehört. Viele dieser Traditionen sind schön und bereichern das Leben. Z.B. auf den Weihnachtsmarkt zu gehen und mit Freunden und Bekannten dort Zeit verbringen. Andere Leute dort treffen. Wie kann ich, wie kannst du aber Traditionen aufbauen, die Erinnerungshilfen für dich sind, um täglich an das Eigentliche zu denken?

Vielleicht ist es das Öffnen eines Adventskalenders, jeden Morgen. Bei uns ist es das leeren der täglichen Adventssocke. Na ja, unsere Kinder leeren die tägliche Socke. Trotzdem kann es dieser Augenblick sein, an dem ich ganz bewusst innerlich sage: Ja, diese kleinen Geschenke in der Socke stehen für Geschenke die Jesus mir täglich gibt. Sei es nun eine Begegnung mit Nachbarn oder auf dem Arbeitsplatz oder in der Schule. Was auch immer. Danke dir, Herr Jesus, für diesen Tag. Danke Herr, für die vielen Begegnungen. Danke Herr, für mein Leben. Danke, für Familie, Arbeitsstelle, ein warmes Essen und eine warme Wohnung.

Diese ganzen kleinen täglichen Geschenke sollen ja eigentlich die Vorfreude auf das große Geschenk vergrößern. Auf Weihnachten. Dann bekommen sogar die Erwachsenen ihre Geschenke. Und das darf uns daran erinnern, dass wir auf dieses große Geschenk Gottes warten. Weihnachten. Jesus ist auf die Erde gekommen. Das ist passé. Aber er kommt wieder! Wir dürfen uns darauf freuen, dass Jesus wieder kommen wird. Das ganz große Geschenk steht noch aus.

Nutzt eure Advents- und Weihnachtstraditionen aus, um an das Eigentliche erinnert zu werden. Nicht zwanghaft, aber mit Freuden! Jesus begegnet dir täglich. In tausenderlei Art und Weise. Im Alltäglichen wie auch im Besonderen. Begegnest du ihm auch, oder gehen die Tage an dir vorüber, ohne dass du ihm begegnet bist?

Diese Tage bereite ich eine Beerdigung vor. Der Mann, den ich beerdigen werde, hatte mal als Kind einen Bezug zu Mennoniten. Im Laufe des Lebens ist alles was mit Mennoniten und Glauben da war, irgendwie verloren gegangen. Nun, zur Beerdigung, stellt sich für die hinterbliebene Frau die Frage nach dem Sinn des Lebens. Sie ist froh, dass ich zu ihr komme und für sie bete. Sie ist dankbar, dass die Beerdigung nicht einfach nur trostlos sein muss, sondern dass in Christus Leben ist. Diese Frau öffnet mir als alten Hasen im christlichen Glauben erneut die Augen für das herrliche Wunder des Glaubens an Jesus, der uns Heil und Leben die Fülle zuspricht. Wir haben einen so herrlichen Schatz, und den haben wir schon so lange, dass wir diesen Schatz oftmals gar nicht mehr als Schatz wahrnehmen.

 

3. Praktische Schritte der Gemeinschaft

Wie Adventstraditionen unsere Gedanken immer wieder auf das Wesentliche lenken können, so können es Beziehungen auch tun. In guten Beziehungen werden wir persönlich bereichert. Wir erleben Lebensfreude, Vitalität, Kraft, Energie. Wir teilen auch Leid und werden getragen und verstanden. Das ist was wir erleben werden, wenn Jesus wiederkommen wird. All das und noch viel mehr. Advent wird in der Regel nicht alleine gefeiert. Und Jesus möchte nicht nur zu jedem einzelnen von uns kommen sondern auch und besonders in der Gemeinschaft ankommen.

Ich ermutige euch, diese Vorfreude jetzt schon wahrzunehmen. Das geschieht ebenfalls durch gute Traditionen. In der Begegnung im Gottesdienst mit anderen Geschwistern werde ich aufgebaut. Manchmal werde ich auch geschliffen, wie ein Edelstein geschliffen wird. Das tut manchmal auch weh, aber das Resultat ist ungleich viel schöner und herrlicher. Schaut euch mal um, wie viel Perlen und Diamanten hier neben euch sitzen! Manchmal sehe ich mit meinen Augen nur Rohdiamanten, und mir fehlt der Blick für das Funkeln, was innen verborgen ist. Macht nichts, auch da ist Gott noch an der Arbeit. Wir sind noch nicht die fertigen Diamanten. Diese werden erst sichtbar werden, wenn wir Gott in seiner Herrlichkeit erleben werden. Wir leben ja im Advent – in der Erwartung, dass die Fülle noch kommen wird. Auch wenn wir schon Aufbrüche der Herrlichkeit sehen, die Fülle ist noch nicht da.

 

Jesus willkommen heißen geht besonders gut in der Gemeinschaft. Deswegen ermutige ich euch geistliche Beziehungen nicht nur im Gottesdienst sondern auch während der Woche mit Glaubensgeschwistern zu leben. Sei es nun in einem Hauskreis, und davon haben wir in der Gemeinde einige, oder innerhalb einer Zweierschaft mit jemand anderem oder in irgendeiner anderen Art und Weise. Das können Spaziergänge sein, die ihr gemeinsam unternehmt und euren geistlichen Stand dabei abfragt und überlegt, was als nächstes bei euch im Glauben und im Leben dran ist. Das können Zeiten sein, in denen ihr gemeinsam die Bibel lest und dabei Ermutigung erlebt. Oder gemeinsame Erlebnisse, die eure Beziehungen stärken, die dann belastbar sind für geistliche Dimensionen.

Jesus ist angekommen. Er begegnet dir immer wieder, täglich. Oftmals begegnet dir Gott im Nächsten. Nimmst du Jesus darin wahr, oder sind das alles nur „normale“ Begegnungen für dich? Nutz den Rest vom Advent, um täglich Ausschau auf Jesus zu halten. Begegne ihm! Er möchte bei Dir ankommen. Nutz deine Adventstraditionen um inne zu halten und an das große Versprechen der Wiederkunft Jesu zu denken. Schau dich im Alltag um und sei einfach gespannt und offen dafür, Jesus zu erleben. Er begegnet dir – wirst du ihn sehen?

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