Wie komme ich in die Nähe Gottes? Lukas 9:28-36

Montag, 13. Februar 2017 von Edwin Boschmann

Wie komme ich in die Nähe Gottes? Lukas 9:28-36

Willkommen in der realen Welt. Ihr seid Schüler oder Studenten, die gefühlt ständig Arbeiten oder Examen schreiben müssen. Oder seid ihr eine Familie? Ihr habt Kinder, um die ihr euch kümmern müsst? Womöglich habt ihr Kleinkinder und werdet ab und zu nachts geweckt? Zufälligerweise gehört ihr zu der großen Gruppe deutscher, bei dem beide Ehepartner berufstätig sind? Oder ihr habt Eltern, um die ihr euch kümmern müsst, weil sie zunehmend gebrechlich sind? Dann seid ihr im Schnitt unserer Gesellschaft. Komplett überarbeitet, gestresst, müde und matt. Immer fertig für den nächsten Urlaub. Es gibt nicht allzu viele unter uns, die ihre Ruhe genießen und gefühlt genug freie Zeit haben.

 

Jesus und seine Jünger kamen gerade aus so einer stressigen Phase ihres Dienstes heraus. Jesus war sehr aktiv gewesen, hatte seine dritte Lehrphase hinter sich, viele Leute geheilt und die Speisung der 5.000 durchgeführt. Die Luft war raus. Als erstes geht er allein in die Stille auf einen Berg um zu beten. Danach nimmt er Petrus, Johannes und Jakobus und geht nochmals auf einen Berg um zu beten. Diesen Text will ich uns erst einmal lesen: „Und es begab sich etwa acht Tage nach diesen Reden, dass er mit sich nahm Petrus, Johannes und Jakobus und ging auf einen Berg, um zu beten. Und als er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts ein anderes, und sein Gewand wurde weiß und glänzte. Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm; das waren Mose und Elia. Die erschienen in himmlischer Klarheit und redeten von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus aber und die mit ihm waren, waren voller Schlaf. Als sie aber aufwachten, sahen sie seine Klarheit und die zwei Männer, die bei ihm standen. Und es begab sich, als sie von ihm schieden, sprach Petrus zu Jesus: Meister, hier ist für uns gut sein! Lasst uns drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Er wusste aber nicht, was er redete. Als er aber dies redete, kam eine Wolke und überschattete sie; und sie erschraken, als sie in die Wolke hineinkamen. Und es geschah eine Stimme aus der Wolke, die sprach: Dies ist mein auserwählter Sohn; den sollt ihr hören! Und als die Stimme geschah, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und verkündeten in jenen Tagen niemandem, was sie gesehen hatten.“

 

  1. Beten: die große Müdigkeit

Jesus nimmt Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einem Berg. Jesus braucht Zeit fürs Gebet, für Stille, für Ruhe. Für mich ist es faszinierend, dass Jesus gerade fürs Gebet einen Berg bevorzugt. Das tue ich auch. Wenn ich eine gute Wanderung hinter mir habe und auf einem Berg bin, dann zwingt es mich geradezu in die Anbetung. Ich danke Gott für seine Wunder, ich habe Ruhe und höre besser, was Gott mir sagen will. Ich bin empfänglicher für Gottes Handeln an mich. Solche Bergerfahrungen sind für mich ganz besonders und davon zehre ich sehr lange. Ich erinnere mich z.B. noch fast jede Woche an einer besonderen Wanderung auf der Schwäbischen Alb vor ca. 6 Wochen. Ganz alleine mit meinem Gott war ich auf einer Bergspitze. Solche Erfahrungen führen mich automatisch ins Gebet.

Bei den Jüngern war es etwas anders. Sie schliefen prompt oben am Berg ein, während Jesus sich mit Mose und Elia traf. Die Jünger waren sicherlich k.o. von den vorherigen Einsätzen und litten unter Schlafmangel. Vielleicht waren sie auch k.o. von der Bergwanderung. Für mich ist so eine ungünstige Zeit des Gebets die Zeit abends vor dem Einschlafen. Ab und zu nehme ich mir die Zeit um den Tag Revue passieren zu lassen und im Gebet vor Gott zu bringen. Das ist für mich die beste Voraussetzung, dass ich sofort einschlafe. Und doch bin ich sicher, dass Jesus gerade auch in solchen Momenten für uns im Gebet eintritt. Jesus hat damals nicht geschlafen, und er tut es immer noch nicht. Er vertritt uns vor Gott, insbesondere in den Augenblicken, wenn wir es selber nicht schaffen und einschlafen. Von Schlafen in verlängerten Gebetszeiten kann ich sehr wohl ein Lied singen.

 

Wie kannst du deine geistliche Sehnsucht stillen? Wie kannst du zur ersten Liebe zurückkehren? Keine leichte Aufgabe. Suche dir deine Bergzeiten, deine Bergerfahrungen, auch mitten im stressigen Alltag. Es muss diese besonderen Zeiten geben, bei denen wir bewusst und mit mehr Zeit vor Gott treten. Aber auch mitten im Alltag will Gott uns begegnen. Wohl gemerkt. Diese Begegnungen sind für unser geistliches Leben wichtig. Wir machen uns damit einen gefallen – nicht Gott. In letzter Zeit waren für mich solche besonderen Augenblicke, die Zeiten bei denen ich gerade unter der Dusche stehe. Dann sind mir viele Anliegen eingefallen. Ich bringe sie vor Gott und merke, wie er mich ruhig macht und ich seine Gegenwart genießen kann. Auch wenn es nur kurz ist, da ich nie lange unter der Dusche verweile. Interessant ist es für mich, dass ich Gott morgens bei meiner Bibellese und Gebet so normalerweise nicht erlebe. Da wird eher mein Intellekt, mein Verstand angesprochen. Aber mein Herz wird eher beim Autofahren, unter der Dusche und bei Wanderungen angesprochen.

Schafft euch solche Räume mit Gott. Besonders wenn euer Alltag voll ist, sucht solche Begebenheiten mit Gott mitten im Alltag. Seid sensibel und spürt, wann das für euch am besten sein kann. Probiert verschiedenes aus, sei es mal im Bus oder Straßenbahn, oder beim Lesen eines Buches, oder, oder. Wenn ihr in solchen Augenblicken euer Herz öffnet, bereitet ihr die Möglichkeit vor, dass Gott euch begegnen kann. Das tut gut.

 

2. Der Wunsch: Den Berg nicht verlassen

Zurück zum Berg der Verklärung. Als die Jünger endlich wach wurden, waren sie total erstaunt, fasziniert, überwältigt. Es war so ein emotionales high Jesus im Gespräch mit Mose und Elia zu erleben, dass sie von diesem Erlebnis gar nicht weg wollten. Petrus wollte gar für alle Hütten bauen, damit sie es sich auf dem Berg gemütlich einrichten konnten.

Unsere Realität ist eine andere. Nach solchen Bergerlebnissen geht es zurück in den Alltag. Zurück ins Tal. Das mögen wir nicht. Wir wollen an diesen tollen Erlebnissen mit Gott festhalten. Wir wollen nicht die alltäglichen Probleme und Aufgaben anpacken, wenn wir gerade Gott in besonderer Weise erlebt haben. Wenn es dann aber unweigerlich zurück in unseren Alltag geht, sehnen wir uns zurück auf den Berg. Und wenn wir unseren Alltag siegen lassen, verlieren wir die Perspektive, dass es überhaupt noch Berge gibt. Dann verlieren wir die Perspektive, dass Gott uns überhaupt begegnen will.

Ich merke es am bewusstesten vielleicht an meinen Kindern. Nach Adonia- oder juwefreizeiten sind sie ganz aufgekratzt. Es wird wieder vermehrt die Bibel gelesen und gebetet. Es wird ganz bewusst der Kontakt mit den Freunden der Freizeit aufrechterhalten. Es wird fieberhaft geschaut, wann die nächsten Freizeiten sind, und mit wem man sich dann dort anmelden kann. Und dann kommt der Alltag. Die Wochen gehen hin, und der Kontakt wird weniger, bis er fast erlischt. Und auf einmal kommt der Gedanke an die Freizeiten wieder hoch. Der Mut steigt. Die Kontakte mit Freunden und Gott werden intensiviert.

Nach der Bergerfahrung von Petrus gab es wieder Bergerfahrungen der besonderen Begegnungen mit Gott für Petrus. Aber dazwischen lagen Täler, teilweise lange und tiefe Täler. So ist es auch bei uns. Nach besonderen Erlebnissen mit Gott wollen wir nicht in den Alltag. Im Alltag verlieren wir vielleicht sogar die Hoffnung, dass es wieder solche Erlebnisse mit Gott geben wird. Wir sind entmutigt. Dafür brauchen wir diese kleineren Erlebnisse mit Gott im Alltag, damit wir mit Hoffnung auf den nächsten Berg schauen können, der vor uns ist und uns in die ersehnte Ruhe Gottes bringt.

Meine Erfahrung ist allerdings, dass Gott uns mit höherem Alter mehr zumutet. Die Bergerfahrungen in meinen jungen Jahren waren höher, intensiver. Meine Emotionen spielten eine größere Rolle. Nun sind meine Bergerfahrungen gesetzter und von tieferem Bewusstsein gefüllt, dass egal was passieren mag, Gott an meiner Seite ist. Auch wenn ich es gerade nicht spüre. Ich bin dankbar, dass ich diese jungen und emotionalen Jahre haben durfte. Sie haben mich darauf vorbereitet nun meinen Weg mit Gott gehen zu können, wenn der Gang vielleicht härter und steiler ist oder wird. Ich bin dankbar, dass ich nun geistlich da bin wo ich bin.

 

3. Die Wolke: Die zentrale Aussage

Gerade in der Hochphase der Gefühle taucht auf dem Berg der Verklärung eine Wolke auf. Es wurde dunkel, und die Jünger erschraken. Sie hatten Angst. Wie konnte es sein, das es so schnell zu so einem radikalen Wechsel kam?

Wolken überschatten unser Leben ganz schnell. Auf einmal sind wir verunsichert, verängstigt. Es wird dunkel um uns herum. Es ist gefährlich. Wir können schnell einen falschen Tritt machen und sogar abstürzen. Das passiert manchmal ganz schnell und unverhofft. Das mögen wir überhaupt nicht. Wir bekommen eine schlechte Nachricht, etwas Schlimmes passiert in der Familie, wir verlieren den Job. Viele Dinge können geschehen, die uns aus dem Gleichgewicht bringen.

Aus dieser Dunkelheit heraus erschallt die Stimme Gottes: „Dies ist mein auserwählter Sohn; den sollt ihr hören.“ Es ist eine ominöse Stimme, die den Weg nach Jerusalem vorbereitet – darum ging es ja bei der Begegnung von Jesus mit Mose und Elia. Der Weg, der nun zu gehen war, war nicht angenehm. Es war ein Leidensweg.

„Dies ist mein auserwählter Sohn; den sollt ihr hören.“, ist nach wie vor die zentrale Botschaft für uns. Egal was vor uns ist, das ist wichtig. Egal, ob wir als nächstes durch ein Tal schreiten müssen, oder wieder auf einen Berg zusteuern, Jesus Christus ist im Zentrum. Das gibt Kraft.

 

Ich weiß nicht, wo ihr geistlich heute Morgen steht. Seid ihr eher im Tal, oder auf dem Weg auf den Berg? Seid ihr gar auf den Berg, oder schon wieder auf den Weg hinab? Die Jünger haben sich in dieser Situation erst einmal zurückgezogen und gesammelt. Sie mussten das alles zuordnen und verarbeiten. Sie waren durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen.

„Sie schwiegen und verkündeten in jenen Tagen niemandem, was sie gesehen hatten.“ Ich wünsche euch, dass ihr die Begegnung mit Jesus sucht, egal in welcher Lebensphase ihr euch befindet. Manchmal ist das schwerer, manchmal ist das einfacher. Vielleicht müsst ihr euch erst sammeln und innehalten? Vielleicht seid ihr überschwänglich und einfach nur froh? Egal was, Gott geht mit. Er möchte, dass wir seine Gegenwart suchen und erleben. Sei es auch nur, um an seinen Füßen auszuruhen und zu schlafen. Das wünsche ich uns allen.

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