Was ist unser Weg? 2. Mose 3:7-10

von Edwin Boschmann

Was ist unser Weg? 2. Mose 3:7-10

Gemeindepicknick: Ein Tag der Freude – ein Tag zum Feiern. Heute evtl. ein Tag mit Regen? Bei all der Freude wollen wir uns aber auch Zeit zur Besinnung nehmen.

Letzten Sonntag hatte ich auf die große Vision Gottes hingewiesen. Wie Gott die Welt erschaffen hat, und wie Gott das, was er so gut begonnen hat, auch zum Ende wieder so gestalten wird.

Allerdings sind wir in der Zwischenzeit. Mit Christus hat das Ende begonnen. Wir leben in der Endzeit. Dabei will ich gar nicht auf große Spekulationen eingehen. Davon gibt es genug und viel mehr als gut ist. Aber, obwohl wir in dieser Endzeit leben, erwarten wir noch die Erfüllung von vielen Dingen, die uns die Bibel zusichert, dass sie noch zukünftig sind. Wir leben in einer Zeit der Hoffnung auf das Zukünftige.

Wie sieht es aber im hier und jetzt aus? Wo stehst du? Wo stehen wir? Sind wir unterwegs mit Gott? Sind wir schon persönlich im gelobten Land angekommen, und es geht uns einfach nur gut? Bei vielen mag man das grad glauben, weil sie es sich so heimelig auf dieser wunderschönen Erde gemacht haben. Oder, sind wir noch nicht gestartet, da es sinnlos und unmöglich ist das Ziel Gottes zu erreichen? Somit bleiben wir lieber bei den Fleischtöpfen Ägyptens, die wir ja so gut kennen ohne uns nach der verheißenen Zukunft zu strecken?

Damit komme ich zu unserem Bibeltext, aus 2. Mose 3:7-10. Da steht:

„Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.“

 

  1. Gott sieht unsere Situation

Gott macht eine Bestandsaufnahme. Diese deckt sich teilweise, teilweise aber auch nicht mit der des Volkes Israel. Das Volk Israel war in Ägypten versklavt. Sie mussten vieles Schlechte erdulden. Es ging ihnen nicht gut

Aber: wenn man die Berichte und Klagen aus der Wüste liest, als die Israeliten später unterwegs waren, könnte man grad denken, sie wären in Ägypten im Paradies gewesen. Viele wollten immer wieder zurück zu den Fleischtöpfen Ägyptens, als ob sie das tatsächlich gehabt hätten.

            Was ist Ägypten für dich und für mich? Ist es ein Leben als Christen in der Welt, bei der wir vergessen haben, welches unsere Bestimmung ist? In Ägypten war nicht alles schlecht. In unserer Welt ist nicht alles schlecht. Gerne hält man sich an dem fest, was man kennt und schätzen gelernt hat, auch wenn die großen Versprechungen Gottes vor uns liegen und noch nicht erreicht sind. Gott sieht sehr wohl unsere Situation. Von jedem einzelnen von uns, aber auch von uns als Gemeinde. Jesus sieht unseren Istzustand und möchte uns dort hin bewegen, wo es besser ist. Empfinden wir das auch so, oder sehen wir Gottes Wege für uns als einen Störfaktor in unserem Leben an?

Als Mose vor den Pharao tritt, verhält sich Pharao auch ziemlich ähnlich. Er weiß, dass er das Volk ziehen lassen muss. Aber er wehrt sich mit all den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen. Dem Pharao fehlen die Kraft und der Mut ohne die billigen Arbeitskräfte auszukommen. Und doch führt Gott das Volk raus. Sind wir eher wie Pharao, der nicht das Alte los lassen will und es doch nicht festhalten kann? Oder schauen wir voll Hoffnung nach vorn, auf das was Gott für uns bereit hält? Welches sind deine Ketten der Knechtschaft? Gott sieht dich und möchte für jeden von uns etwas viel besseres, als das was wir im Moment erleben.

Die vergangene Woche hörten wir als Pastoren in Karlsruhe von einem christlichen Buchladen in Karlsruhe. Sie haben jetzt die Möglichkeit ein komplettes fast neues Inventar umsonst zu bekommen. Trotzdem: Kosten für Abtransport und Aufbau, und den nötigen neuen Boden zu bewerkstelligen, Wände streichen und dergleichen würden 10.000 Euro kosten. Hat dieser Buchladen eine Zukunft in Karlsruhe? Wenn sie demnächst eh zumachen müssen, hat so eine Investition keinen Sinn. Wenn sie aber überleben wollen, müssen sie handeln.

Ich denke, wir als Christen sehen uns oftmals genau in so einer vergleichbaren mentalen Falle. Wir sind gebunden an Gewohnheiten, Strukturen. So wie es jetzt ist, muss es sein. So war es, und so wird es sein. Solche Gedanken binden uns mental. Wir sind nicht frei nach vorne in die Verheißung Gottes zu schauen. Das ist für uns eher beängstigend und beunruhigend.

Gott sagt aber damals zum Volk Israel: „Ich will sie erretten. Ich will sie in ein gutes und weites Land stellen.“ Was ist dieses herausgeführt werden heute für uns? Was ist Errettung? Was ist für dich und für mich ein gutes, weites Land? Ich weiß, dass es keine eingeschränkte Sicht ist von dem, was Gott machen kann und will. Für dich und für mich. Für uns aber auch als Gemeinde.

Wenn ich innerlich mich zurück ziehe und sage: „Ach, mir geht es doch eigentlich gar nicht so schlecht. Lass mich doch einfach in Ruhe. So viel Veränderung gefällt mir sowieso nicht.“ Diese Einstellung, wenn Gott uns die Fülle und Weite schenken will, ist nicht hilfreich. Sie ist nach hinten orientiert. Sie ist passiv. Das ist Gefangenschaft. Das ist komplette Leere, Wüste. Das hat mit Freude und Erwartung wenig zu tun. Dafür ist niemand bereit alles zu riskieren, alles auf eine Karte zu setzen, damit es dann besser wird.

 

2. Gott sieht das Leiden, das Gefangensein

Als Gott auf das Volk schaut, was sieht er? „Ich habe das Elend gesehen, ihr Geschrei. Ich kenne ihre Schmerzen. Das Geschrei der Kinder Israel ist vor mich gekommen. Ich habe ihre Bedrückung gesehen.“ Das ist die Sicht Gottes auf die damalige Situation.

Wenn Gott auf uns schaut, was sieht er?

Ja, sogar unsere Kinder haben ihre Wüstenerfahrungen. Diese gehören einfach zu unserem Leben dazu. Mal sind es schlechte Noten, mal schlechte Erfahrungen mit Freunden und Schulkameraden. Je älter wir werden, desto mehr Wüstenerfahrungen durchlaufen wir. Zeiten, in denen große Not in einer Familie ist, wegen Unfällen, Krankheit oder Tod. Zeiten, in denen man scheinbar von Gott getrennt ist. Als ob Gott gar nicht auf unsere Gebete mehr reagiert. Zeiten, in denen wir Krisen durchlaufen, und gerne schnell wieder bei einer guten und vertrauten Routine wären. Zeiten ohne Arbeit, abhängig vom Sozialamt.

Solche Krisenerfahrungen können ganze Länder umfangen. Zum Beispiel der 2. Weltkrieg. Ein ganzes Volk in Schockstarre, und viele Kirchen und Gemeinden, die aufarbeiten müssen, was damals geschehen ist. Ja, Wüstenzeiten kennen wir. Die sind uns sehr wohl bekannt. Die mögen wir alle nicht, aber umgehen können wir sie auch nicht. Genau da hinein spricht Gott: „Ich habe das Elend gesehen, dein Geschrei. Ich kenne deine Schmerzen. Dein Geschrei ist vor mich gekommen. Ich habe deine Bedrückung gesehen.“

 

3. Der Auftrag

Der Auftrag Gottes an Mose ist klar. „Ich will dich zum Pharao senden. Du sollst mein Volk aus Ägypten führen.“  Errettung. Gutes und weites Land.

Mose stand schon in den Startlöchern. Das war der ersehnte Befehl, auf den er so lange gehofft hatte. Oder? Wir wissen, es war anders. Mose verhielt sich nicht viel anders als die meisten Propheten nach ihm. „Ich kann nicht reden. Ich bin nicht alt genug. Such dir jemand anderes. Auf mich hört eh keiner.“ Vielleicht hatte Mose eine kleine Vorahnung von dem was es bedeuten könnte, sich vor Gottes Karren spannen zu lassen. Eine lange Wüstenwanderung, ein undankbares Volk, viel Murren, viel Opposition. Der Anfang war noch spannend. Es ging trockenen Fußes durch das Schilfmeer. Auch hatten sie den ganzen Schmuck der Ägypter im Gepäck. Dann wurde es aber erst einmal schlimmer als es vorher war. Lange, trockene Wüste.

Die Verheißung war da. Sie sollten ein eigenes Land bekommen. Ein Land in dem sie frei sein konnten. Jeder hatte die Möglichkeit neu zu starten. Jeder war erst einmal gleichberechtigt. Es gab keine Sklaven mehr. Ein Land voller Milch und Honig. Nicht gerade das, was wir als Reichtum verstehen würden. Unsere Milchbauern bekommen für ihre Milch z.Z. gar kein Geld mehr und das große Bienensterben ist in aller Munde.

Trotzdem sehnen wir uns nach wie vor nach diesem Land, in dem sprichwörtlich Milch und Honig fließt. Wo wir nicht mehr als Fremdlinge leben müssen. Das verheißene Land. Das Paradies. Der Garten Eden. Das ist die Illusion vieler Flüchtlinge, wenn sie nach Deutschland kommen. Bis sie hier sind. Das mag auch deine und meine Illusion und unser Blick sein, wenn wir auf uns und auf unsere Gemeinde schauen.

Vergessen wir nie, aber auch wirklich nie, dass Gott sein Reich angefangen hat zu bauen. Wir sind seine Bausteine. So wenig wir das bislang realisiert sehen – der Anfang ist getan! Unsere Zukunft in Christus hat begonnen – es wird nur noch besser. Und wir dürfen diese Zukunft, die noch verschleiert ist, mit Gott mitgestalten. Das ist aufregend! Das ist Erfüllung. Das ist Fülle!

 

2 Gedanken bewegen mich zum Schluss.

  1. Fühlen wir uns wie das Volk Gottes in Ägypten? Gefangen? Machtlos zu handeln? Vielleicht empfinden wir Dürre in unserem Leben. War unser Leben nicht vielleicht sogar besser, als wir in der „Gefangenschaft“ waren? Vielleicht öden mich auch die Leute an, mit denen ich nun 40 Jahre lang diese Wüstenwanderung unternehme?
    Tja, da müssen wir uns schon fragen: Was hält uns gefangen? Was belastet mich auf dieser Wüstenwanderung? Was ist zu schwer, um es ständig mit mir herum zu schleppen?
  2. Oder schaue ich nach vorne? Wie Josua und Kaleb, als sie von der Besichtigung des verheißenen Land zurückkamen? Voller Begeisterung! Mit der großen Zuversicht, dass mit Gottes Hilfe wir die Zukunft meistern können? Ja, mit Gottes Hilfe wird das Unmögliche sogar möglich. Mit Gottes Hilfe werden wir in ein neues Land hinein schreiten. Ein Land voller Überfluss, voll des Friedens und der Gegenwart Gottes.

 

Wir sind noch nicht in der schlussendlichen Verheißung Gottes. Sie hat angefangen, aber wir haben noch sehr viel Wüste, die wir persönlich und gemeinschaftlich erleben. Und doch gehen wir dieser Hoffnung, dieser Fülle entgegen. Der Herr ist nahe. Er kommt. Es lohnt sich, diesen Weg der Hoffnung zu gehen. Gott wird ihn mit uns gehen. Es wird gut. Alles wird gut.

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