Miteinander gut umgehen. Epheser 4:25-5:2

von Edwin Boschmann

Miteinander gut umgehen. Epheser 4:25-5:2

Vor mehreren Wochen gab es einen nicht ungewöhnlichen, und doch nicht so erfreulichen Zwischenfall an einer Schule meiner Kinder. Die eine Endjahresnote stand fest, so die Aussage des Lehrers. Eine Woche später werden mein Kind und ein weiteres Kind im Unterricht mündlich dran genommen, um wenn möglich sich zu verbessern. Laut der vorherigen Aussage war das aber nicht mehr möglich. Nach der Abfrage noch ein paar dumme Sprüche, und schon waren die Gemüter hochgekocht. Ich habe dann mit dem Direktor und dem Klassenlehrer hin und her gemailt und schlussendlich das Gespräch mit dem betreffenden Lehrer gesucht. Uns war allen klar: So ein Verhalten wollen wir an der Schule nicht. Wenn bei einer Aktion im Unterricht kein pädagogischer Wert ist, außer dass man die Schüler bloß stellt, dann ist das nicht tolerabel. Das habe ich dann bei dem Gespräch mit dem betreffenden Lehrer versucht zu vermitteln, und zwar nicht mehr wegen meinem Kind (es wird diesen Lehrer nicht mehr im Unterricht haben), sondern wegen der vielen anderen Kinder, die ihn noch als Lehrer haben werden. Das führt mich zum biblischen Text von Epheser 4:25-5:2. Da steht: „Belügt einander also nicht länger, sondern sagt die Wahrheit. Wir sind doch als Christen die Glieder eines Leibes, der Gemeinde von Jesus. 26 Wenn ihr zornig seid, dann ladet nicht Schuld auf euch, indem ihr unversöhnlich bleibt. Lasst die Sonne nicht untergehen, ohne dass ihr einander vergeben habt. 27 Gebt dem Teufel keine Gelegenheit, Unfrieden zu stiften. 28 Wer bisher von Diebstahl lebte, der soll sich jetzt eine ehrliche Arbeit suchen, damit er auch noch Notleidenden helfen kann. 29Redet nicht schlecht voneinander, sondern habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht. Was ihr sagt, soll hilfreich und ermutigend sein, eine Wohltat für alle. 30 Tut nichts, was den Heiligen Geist traurig macht. Als Gott ihn euch schenkte, hat er euch sein Siegel aufgedrückt. Er ist doch euer Bürge dafür, dass der Tag der Erlösung kommt. 31 Mit Bitterkeit,  Wutausbrüchen und Zorn sollt ihr nichts mehr zu tun haben. Schreit einander nicht an, redet nicht schlecht über andere und vermeidet jede Feindseligkeit. 32 Seid vielmehr freundlich und barmherzig und vergebt einander, so wie Gott euch durch Jesus Christus vergeben hat. Ihr seid Gottes geliebte Kinder, daher sollt ihr in allem seinem Vorbild folgen. 2 Geht liebevoll miteinander um, so wie auch Christus euch seine Liebe erwiesen hat. Aus Liebe hat er sein Leben für uns gegeben, und dies war für Gott wie ein wohlriechendes Opfer, an dem er Freude hat.“

 

  1. Schlechtes Verhalten

In diesem Text werden viele schlechte Verhaltensweisen erwähnt. Die Liste könnte trotzdem beliebig erweitert werden. Aber es genügt um zu zeigen, worum es geht. Was wird hier erwähnt? Nicht lügen, im Zorn nicht schuldig aneinander werden, nicht unversöhnlich sein, keinen Unfrieden stiften, nicht stehlen, nicht schlecht voneinander reden (2 x), nicht den Heiligen Geist betrüben, keine Bitterkeit und Wutausbrüche haben, nicht gegenseitig anschreien, keine Feindseligkeiten haben.

In unserer Gesellschaft ist in einigen Bereichen schlechtes Verhalten salonfähig geworden. Das wissen wir alle. Ich will nur ein Beispiel geben. In Castingshows oder in Komödien macht man sich eine große Freude darüber, schlecht über andere zu sprechen. Ob nun in ihrer Anwesenheit oder nicht spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wundern wir uns dann, wenn unsere junge Generation diese Spirale weiter dreht und im Bereich Internetmobbing sich austobt? Vor ein paar Monaten war ich beim Missionarischen Forum in Bielefeld. Dort übernachtete ich bei einer Familie, bei der die eine Tochter dem Cybermobbing ihrer Mitschüler bis hin zu Morddrohungen voll ausgesetzt war. Und das in einer christlichen Eliteschule. Die Schulleitung hat darauf überhaupt nicht reagiert! Schlechtes Verhalten hat aber die Eigenschaft sich zu vermehren, wenn es nicht gestoppt wird. Und zwar nicht nur beim Cybermobbing, sondern in allen Bereichen unseres Lebens. Wir alle kennen das aus unserem eigenen Leben.

 

2. Ein gutes Wort – eine Wohltat für alle.

Was setzt man dem entgegen? Was ist der Ratschlag von Paulus? Dazu gibt es auch eine Liste, die zwar wieder nicht alles umfasst, aber viele wichtige Punkte enthält. Da steht: Die Wahrheit sagen, einander vergeben (2 Mal), einer ehrlichen Arbeit nachgehen, Bedürftigen helfen, allen ein gutes Wort aussprechen, die es brauchen. Unsere Worte sollen hilfreich und ermutigend sein, eine Wohltat für alle. Freundlich und barmherzig sein. Liebevoll miteinander umgehen.

Um Bedürftigen zu helfen, habe ich gleich ein Projekt für euch mitgebracht. Vor einem Jahr, kurz vor Erntedank, hat die Durlacher Tafel um „eine Tüte Güte“ gebeten. Das war sehr kurzfristig, zu kurzfristig. Nun gibt es wieder diese Tüten, die gefüllt werden können. Hinten liegen sie aus. Bitte nehmt euch welche und bringt sie gefüllt zurück hier zur Gemeinde oder zu mir. Dann bekommen bedürftige Menschen etwas, von dem was wir zu viel haben. Schaffen wir es, bis Erntedank alle Tüten zu füllen? Letztes Jahr waren wir bereits besser als alle anderen Durlacher Gemeinden. Das ist gut.

 

Als Claudius und ich uns die Tage unterhalten haben, haben wir beide gemerkt, dass wir eine gemeinsame Grundregel haben: Wir versuchen nichts Negatives über andere zu reden, wenn sie nicht anwesend sind. Vor einigen Monaten habe ich in einem säkularen Leiterschaftsbuch genau diese Regel gefunden, und zwar angewendet an Teams auf der Arbeitsstelle. Da wurde klar propagiert, dass man negatives Reden über Mitarbeiter in ihrer Abwesenheit meidet. Wer als Leiter seiner Gruppe das erlaubt, der erlaubt seiner Gruppe sehr zerstörerisches Verhalten.

Mir ist aber bewusst, wie oft ich gerade in diesem Bereich versage.

 Wir brauchen immer wieder die gegenseitige Ermutigung und Erinnerung gutes Verhalten zu trainieren. Es kommt nicht von selber. Wir brauchen eine Grundeinstellung der Vergebung. Weil wir selber so oft versagen. Wenn wir selber schon so oft versagen, warum gestehen wir anderen Menschen nicht ein, ebenfalls versagen zu dürfen?

Wie werden unsere Worte freundlich und ermutigend? Wie werden unsere Worte eine Wohltat für alle? Sind wir freundlich und barmherzig? Gehen wir liebevoll miteinander um? Mein größtes Vorbild in diesem Bereich war ein Missionarsehepaar aus Südafrika. Als sie noch Leiter eines Bibelseminars waren, konnte ich beobachten, wie sie Probleme ansprachen und lösten, und doch dabei hilfreich und ermutigend blieben. Das hat mir imponiert. Wir brauchen viele solcher Vorbilder. Bei uns in der Gemeinde begeistert mich vor allem der Umgang von Richard und Maria. Die Art, wie sie miteinander sprechen, zeugt von tiefem Vertrauen. Ihre Gespräche sind ehrlich, wohlwollend, vergebend. Richard, dem es immer gut geht, obwohl er genug gesundheitliche Baustellen hat, dass er damit seine gesamte Nachbarschaft vollklagen könnte.

Claudius erzählte mir vom Schulleiter einer Realschule aus Ettlingen, der selbstbewusst gute Änderungsvorschläge vorbrachte. Der auch mit vorgebrachter Kritik gut umgehen konnte und sich dadurch nicht bedroht fühlte. Nachträglich stellte Claudius fest, dass dieser Mann Christ ist. Welch ein schönes Vorbild.

 

Wir Menschen sind abhängig von der Liebe anderer Menschen. Wie schön, wenn wir dazu beitragen können, dass andere Menschen ihr Liebespensum bekommen.

Gott hat uns zuerst geliebt. Er freut sich, wenn wir diese empfangene Liebe an andere weiter geben. Das funktioniert natürlich nur, wenn wir in unserem Leben tatsächlich erfahren haben, dass Gott uns liebt und wir auch zu einem gewissen Grad liebe von anderen Menschen selbst erlebt haben.

 

3. Gott als Vorbild.

Schlechtes Verhalten, über Andere Lästern, rührt oftmals aus der eigenen Unsicherheit. Man fühlt sich selbst nicht geliebt, und lässt diesen Mangel an andere aus. In Epheser 5:1-2 steht: „Ihr seid Gottes geliebte Kinder, daher sollt ihr in allem seinem Vorbild folgen. 2 Geht liebevoll miteinander um, so wie auch Christus euch seine Liebe erwiesen hat. Aus Liebe hat er sein Leben für uns gegeben, und dies war für Gott wie ein wohlriechendes Opfer, an dem er Freude hat.“

Gott soll uns als Vorbild dienen. Und zwar anhand der Liebe, die wir durch Christus erfahren haben.

Für mich ist das am erfahrbarsten durch die Liebe, die ich in der eigenen Familie als Kind erlebt habe. Zum einen war unsere Familie ein sicherer Hort. Das ist für Kinder extrem zentral. Zum anderen haben wir viele tolle Sachen als Familie gemacht. Wir haben, auch wenn wir wirklich nicht viel Geld hatten, tolle Zelturlaube unternommen oder günstige Ferienwohnungen gemietet. Wir durften immer Freunde mit in den Urlaub nehmen. Meine Bedürfnisse wurden wahrgenommen. Auch war ich als Kind nicht immer nur lieb. Ich war eher wild und habe viel Unsinn gemacht. Trotzdem haben mich meine Eltern verteidigt und beschützt. Ich kann mich z.B. noch erinnern, wie ich mal im Gottesdienst aus Protest bestimmt 7 Mal von der ersten Reihe raus aufs Klo ging, weil dieser konservative Gottesdienst in Espelkamp mir ordentlich gestunken hat. Meine Mutter hat mich damals vehement vor dem Ärger mit dem damaligen Diakon der Gemeinde geschützt.

Gott, er ist es, der uns als seine Kinder liebt und schützt. Er breitet seinen Schutz über uns aus, obwohl wir es nicht verdienen und immer wieder versagen. Wie ich es damals als Kind in meiner Familie erlebt habe.

 

Schaffen wir es, diese Liebe und diesen Schutz, den wir selbst erfahren, auf andere auszuweiten? Das ist die Herausforderung für uns. Schaffen wir es, für unsere Kinder in der Gemeinde und alle Besucher, diese sichere Atmosphäre zu erstellen, die sie brauchen, um zu gedeihen? Schaffen wir es, dieses gute und sichere Fundament eines liebevollen Umgangs miteinander sogar auf Leute außerhalb unserer Gemeinde auszuweiten? Aus eigener Kraft werden wir so etwas nie schaffen. Aber wenn wir uns von Gott geliebt wissen, wenn wir die Zuversicht haben, dass der Heilige Geist mit uns ist, dann können wir Schritte in die richtige Richtung gehen. Aus dieser Gewissheit und Sicherheit heraus, können wir tatsächlich immer und immer wieder liebe in vielfältiger Weise üben. Wir können nicht versagen. Gott fängt uns immer wieder auf – in der Hoffnung, dass wir den nächsten Schritt dann mit ihm gehen. Und es anderen Menschen zeigen, dass wir diesen Schritt aus Gottes Kraft gehen. Und es ein Schritt des liebevollen Miteinanders ist, welches Gott verherrlicht und anderen Menschen gut tut. Möge uns Gott dazu seine Kraft schenken.

Zurück

Einen Kommentar schreiben