Jesus: unser Vorbild, Lehrer, Freund, Erlöser und Herr

von Edwin Boschmann

Jesus: unser Vorbild, Lehrer, Freund, Erlöser und Herr

Vor ca. einem Jahr haben sich das Deutsche Mennonitische Missionskomitee, das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee, das Mennonitische Hilfswerk und Christliche Dienste in Frankfurt getroffen, um sich mit Stuart Murray auszutauschen. Er hat, mit einigen anderen, in London ein Netzwerk von Gemeindegründungen aufgebaut (anabaptist network). Dort treffen sich verschiedenste Gemeindegründer aus ganz unterschiedlichen Denominationen um über Gemeindegründung nachzudenken. Interessant ist, dass obwohl sie keinen mennonitischen Hintergrund haben, sie sich die frühen Täufer angeschaut haben, und von ihnen 7 Grundüberzeugungen übernommen haben. Mit diesen Grundüberzeugungen bauen sie ganz unterschiedliche Gemeinden in England auf.

Stuart Murray schrieb auf der Grundlage ihres Prozesses und ihrer Überzeugungen ein Buch. Es heißt: „Nackter Glaube – Christsein in einer nachchristlichen Welt“. Stuart Murray stellt fest, dass die geopolitische und religiöse Welt der frühen Täufer sich sehr stark mit der heutigen Situation vergleichen lässt. Ich werde in den nächsten Predigten 6 der 7 angesprochenen Grundüberzeugungen beleuchten, und sehen, was das für uns persönlich bedeutet. Somit lade ich euch ein, sich dieses Buch zu besorgen und mit an diesen Themen zu arbeiten. Oder, wenn Hauskreise Freude daran haben, diese Themen ebenfalls in der nächsten Zeit in den Hauskreisen zu behandeln. Interessant ist auch, dass Heike Geist dieses Buch von Englisch auf Deutsch übersetzt hat.

 

Doch nun zu der ersten Grundüberzeugung dieser Gemeindegründer. „Jesus ist unser Vorbild, Lehrer, Freund, Erlöser und Herr. Er ist die Quelle unseres Lebens, der zentrale Bezugspunkt für unseren Glauben und unseren Lebensstil, für unser Verständnis von Kirche und für unser Engagement in der Gesellschaft. Wir sind entschlossen, Jesus nachzufolgen und ihn anzubeten.“

 

Viele, viele Menschen sind und waren von Jesus Christus fasziniert. Ob sie nun Christen waren, oder auch nicht. Napoleon Bonaparte sagte: «Cäsar, Alexander, Karl der Grosse und ich haben Imperien aufgebaut. Aber hat das Fundament, das wir gewählt haben Bestand? Jesus Christus hat sein Imperium auf Liebe aufgebaut. Und noch heute würden Millionen von Menschen ihr Leben für ihn lassen.» Mahatma Gandhi, als indischer Guru, schrieb: «Ein Mann ohne Schuld, der sich selbst als Opfer für das Gute und für andere hingab, auch für seine Feinde. Er wurde zum Lösegeld für diese Welt. Das war die vollkommene Tat.» Sogar Michail Gorbatschow war von Jesus angetan und sagte: «Jesus war der erste Sozialist, der erste, der ein besseres Leben für alle Menschen erwirken wollte.» Jesus fasziniert. Doch wer ist dieser Jesus für dich und für mich? Hat dein Glaube an Jesus Christus Auswirkungen auf deinen Lebensstil, Auswirkungen auf dein Engagement, auf dein tägliches Leben?

 

Jesus als Vorbild, Lehrer und Herr:

Es gibt ja die wwjd (what would Jesus do) Bewegung. Als Armbänder und in allen anderen Formen kann man diese wwjd Dinge haben. Es ist die berechtigte Erinnerung an uns, zu überlegen, wie wir in alltäglichen Dingen Jesus gemäß uns verhalten. Somit ist Jesus unser Vorbild. Wenn wir z.B. so ein Armband tragen, und uns entscheiden müssen, wie wir uns in einer gewissen Situation verhalten, dann werden wir daran erinnert, dass der Maßstab für unser Handeln eigentlich Jesus ist.

Ich will mal das Beispiel der Flüchtlingsthematik aufgreifen. Wenn wir auf die ganze politische Situation schauen, dann kann uns angst und bange werden. Es ist unmöglich, allen helfen zu wollen, die Hilfe haben möchten und brauchen. Mit den Flüchtlingsströmen kommen auch Terroristen in unser Land. Es ist auch klar, dass Entwicklungshilfeprojekte, die von uns schon seit langem zugesagten Gelder auch mal bekommen sollten, damit diese Menschen in ihren Ländern eine Hoffnung und eine Zukunft haben. Aber was bedeutet es ganz praktisch für dich und für mich, wenn wir in unserem Alltag, in der Schule, im Beruf oder auf der Straße mit Flüchtlingen konfrontiert werden? Wwjd? Wie hat sich Jesus gegenüber Außenseiter, Fremden, Kranken und Ausgestoßenen verhalten? Dieser Gedanke schärft uns den Blick für unsere Aufgabe im hier und jetzt. Dann ist auf einmal der Fremde und Flüchtling nicht eine Bedrohung oder ein Problem für mich, sondern vielmehr mein Nächster, der dringend meine Hilfe benötigt. Damit ist die politische Debatte nicht automatisch vom Tisch, und es gibt nach wie vor viele Dinge zu bedenken und zu klären, aber mein persönliches Handeln als Christ ist damit abgesteckt!

 

Wenn Jesus mein Vorbild und Lehrer ist, dann lege ich die übergeordneten Ziele meines Lebens nach seinem Maßstab fest. Die Tage hatten wir Besuch von einem ehemaligen Nachbarjungen aus Mosambik, der eine deutsche Frau geheiratet hat. Er fragte mich eine schwierige Frage. Nach langem Drängen hat er einem seiner Nachbarn 320 € geliehen. Das hatten sie sich auch schriftlich bestätigen lassen. Nun gibt er aber das Geld nicht mehr zurück. Was tun? Ich habe mit ihm zusammen überlegt, was Jesus, und die Bibel im Allgemeinen, über Geld sagt. Das ist eigentlich ganz schön viel. Folgende Punkte haben wir angesprochen: Die Erde ist Gottes, somit ist unser Geld auch Gottes. Das gibt uns ein etwas anderes Bild von Eigentum. Kann aber Filippe das Geld vom Nachbarn zurückbekommen? Wwjd? Ich habe Filippe vorgeschlagen, den Mann anzusprechen. Ihm zu signalisieren, dass er nach wie vor das Geld schuldet, aber dass er für sich mit dem Thema abgeschlossen hat. Es ist nun in der Verantwortung des Nachbarn, sich darum zu kümmern. Es ist ja schließlich Gottes Geld. Damit kann Filippe guten Gewissens das Geld abschreiben. Er braucht sich nicht ständig weiter mit diesem Thema beschäftigen. Sollte er das Geld dann mal zurückbekommen, dann kann er sich trotzdem noch darüber freuen. Wenn nicht, dann ist es auch ok. Die Erkenntnis war etwas schmerzhaft für Filippe, der nicht gerade das Geld herum liegen hat. Im zweiten Schritt haben wir dann überlegt, wie man diesen Nachbarn besser hätte helfen können, als indem man ihm nur Geld gibt. Das ist die große Frage an uns alle und für all unsere Lebensbereiche: Ist Jesus zentraler Bezugspunkt  für meinen Glauben, für meinen Lebensstil, für mein Engagement in der Gesellschaft? Wenn ja, dann hat das viele Auswirkungen in den täglichen Fragen meines Lebens. Dann werde ich mich in unserer Gesellschaft so verhalten, dass es Jesus ehrt und den Mitmenschen geholfen wird.

 

Jesus als Freund und Erlöser:

Jesus ist aber nicht nur unser Vorbild, Lehrer und Herr. Er ist auch unser Freund und Erlöser. Das sind andere Ebenen. Ein Freund, das ist was ganz persönliches. Ein Freund, auf den kann ich mich verlassen. Der wird mir mit Tat und Rat zur Seite stehen. Einen Freund kann ich anrufen oder besuchen, und das tut einfach gut. Ein Freund steht mir emotional zur Seite, wenn es mir nicht gut geht. In einer Notsituation wende ich mich nicht unbedingt an meinen Lehrer, sondern vielmehr an meinem Freund. Meinen Lehrer finde ich manchmal gut, manchmal auch nicht. Mit meinem Freund verbinde ich prägende, positive Erlebnisse. Das ist nicht die normale Ebene einer Lehrer – Schüler Beziehung.

Als Adriana über einen Praktikumsplatz für ein Schulpraktikum nachdachte, kam ihr der Gedanke, dieses Praktikum in einem Behindertenheim in Bad Pyrmont durchzuführen. Dort arbeiten gute Freunde von uns. Warum? Zum einen, weil das ein Arbeitsbereich ist, der sie interessiert, aber zum anderen, weil es gute Freunde von uns sind, die dort arbeiten. Sie ist sicher, dass sie dort gut in die Arbeit eingeführt wird. Sie ist sicher, dass es ihr dort gut gehen wird. Das ist Freundschaft.
Jesus ist unser Freund und Erlöser. Als Freund kann ich mich in allen Lebenslagen an Jesus wenden. Ich weiß, dass ich gehört werde. Ich weiß, dass ich nicht ausgenutzt oder verurteilt werde. Ich weiß, dass ich zu jeder Zeit dort gut aufgehoben bin. Als mein Freund ist Jesus bei mir. Ich brauche mir nur Zeit für ihn zu nehmen. Er ist gegenwärtig.

Als Erlöser habe ich Jesus viel zu verdanken. In Dankbarkeit schaue ich auf mein Leben und bin Jesus dankbar. Ich bin dankbar für die Gottesnähe, die ich erleben darf. Ich bin dankbar, dass ich zu Jesus kommen kann, auch gerade dann, wenn ich es am dringendsten brauche. Ich bin dankbar, dass mir meine Schuld genommen wurde. Dass ich in meinem Herzen Frieden haben darf. Dass Hass, Neid, Kummer und Sorgen abgegeben werden können.

Bei Erlösung muss ich an meine Schulzeit denken. Ein sehr prägendes Erlebnis in meiner ganzen Schulzeit war die Schulglocke. Vieles von meiner Schulzeit habe ich vergessen. Aber wenn ich heute irgendwo eine Schulglocke höre, dann bewegt sich was in meinem Herzen. Das verbinde ich mit Erlösung. Dann weiß ich, für einen Lehrer, für eine ganze Klasse, geht nun die eine Unterrichtsstunde zu Ende. Man kann wieder durchatmen. Man kann sich endlich wieder mal bewegen. Interessanterweise verbinde ich heute die Schulglocken gar nicht mehr mit Schulanfang. Das habe ich wohl sinnvoll verdrängt.

Jesus ist unser Erlöser. Er befreit uns von dem was uns anklagt und vernichten will. Er befreit uns vor unseren eigenen Verurteilungen. Er ist gegenwärtig und verdammt uns nicht. Vielmehr will er uns mehr und mehr in seine Gegenwart ziehen.

 

Jesus. Ich bin entschlossen Jesus anzubeten und ihm nachzufolgen. Ja, er soll Zentrum meines Lebens sein. Ich will mein Leben nach seinem Willen ausrichten. Auch wenn es mich etwas kosten sollte, will ich ihm nachfolgen. Ich habe ihm so viel in meinem Leben zu verdanken. Vor allem inneren Frieden, Freude und Dankbarkeit. Ich habe genug Situationen in meinem Leben gehabt, in denen ich hätte Bitter werden können. Ich habe alle meine Last Jesus abgeben dürfen. Das ist Freundschaft, die ich erlebe. Das ist Erlösung, die ich erlebe. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Ich wünsche mir, dass du diese Beziehung mit Jesus als Freund auch erlebst. Jesus ist da, und wartet nur darauf, dass du dich bei ihm meldest. Ich wünsche mir aber auch, dass diese Beziehung mit Jesus bei dir praktische Konsequenzen für dein Lebensstil und dein Engagement in unserer Gesellschaft hat. Dadurch wird unsere Gesellschaft gesegnet und wir erleben eine Kurskorrektur – weg von unserem sonst so selbstzentriertem Leben. Was würde Jesus tun, in den verschiedenen Situationen, die uns in der kommenden Woche begegnen?

 

Möge unser Herr es dir und mir immer mehr schenken, ihm näher zu kommen!

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