40 Tage Stille: In der Stille Gott begegnen. Markus 7:32-37

von Edwin Boschmann

40 Tage Stille: In der Stille Gott begegnen. Markus 7:32-37

Es gibt eine Stille, die uns einsam und verlassen lässt.

Eine Stille, bei der wir außer dem eigenen klopfenden Herzen gar nichts hören.

Eine Stille, die uns nur zeigen will, dass wir alleine sind.

 

Das ist nicht die Stille, über die ich predigen will,

nicht die Stille, die wir in diesen 40 Tagen suchen.

Stille steht in diesen Tagen für die Möglichkeit, Gott zu begegnen, Gott zu erleben, mit dem Gott zu reden, der gesagt hat:

 

            Jesaja 43,1

            „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

 

 

Stille – absolute Stille.

Was ist, wenn wir gar nichts hören?

Was ist, wenn da wirklich nichts zu hören und nichts zu reden ist?

Es gibt Menschen, die damit leben müssen und die ganz und gar darauf angewiesen sind, dass andere Menschen ihnen den Zugang zur Außenwelt vermitteln müssen.

Taubstumme Menschen.

Eine solche Behinderung bedeutet Isolation.

So viele Dinge des öffentlichen Lebens sind einem verschlossen.

Stell dir vor, du hörst niemals den Gesang eines Vogels, niemals das dritte Klavierkonzert von Beethoven, niemals den fallenden Regen, den gemeinsamen Lobpreis.

Stell dir vor, du kannst nichts sagen, nicht singen, nicht einfach mal laut rufen oder leise flüstern.

Taubstumm.

Einem solchen Menschen begegnet Jesus.

 

Markus 7,32-37

            „Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, sie sollten's niemandem sagen. Je mehr er's aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.“

 

Das ist es, was ich uns in den kommenden 40 Tagen von Herzen wünsche und darüber hinaus jeden Tag unseres Lebens:

Dass wir ihm begegnen, Jesus, dem Heiland der Welt.

Dass er seine Finger auf die Stellen in unserem Leben legt, an denen wir nicht heil sind.

Dass er unsere tauben Ohren öffnet und wir richtig hinhören können.

Wie sehr wünsche ich mir, dass es besondere Tage werden, die uns zeigen, dass Jesus, der Sohn Gottes, all unsere Sehnsucht stillt.

 

Drei Dinge, drei Schritte fallen mir auf in dieser Begegnung unseres Herrn mit dem taubstummen Mann.

                        1. Jesus nimmt den Mann aus der Menge heraus.

Das klingt so selbstverständlich – ist es aber nicht.

Auf Schritt und Tritt wurde Jesus damals von vielen Menschen begleitet.

Viele konnten ihn nur von weitem sehen,

wurden von den Menschen einfach weggestoßen oder abgewiesen.

 

•          Vor vielen Jahren wollten Britta und ich in Mosambik den Botschafter sprechen. Von der Stiftung für Entwicklungsdienst wurden wir angehalten, als erste Tat im Land den Botschafter aufzusuchen und ihn kennen zu lernen. Wir wollten ihm sagen, wofür wir nach Mosambik gekommen waren – aber wir hatten überhaupt keine Chance an ihn ranzukommen. Er war zu beschäftigt und hatte keine Zeit für uns.

 

Wie sollten die, die Jesus wirklich brauchten, zu ihm kommen?

Ein Zollbeamter zum Bespiel wusste sich keinen anderen Rat, als auf einen Baum zu steigen, um Jesus zu sehen.

Ein Kranker wurde durch ein aufgebrochenes Dach von seinen Freunden an Seilen heruntergelassen, damit Jesus ihn sehen und mit ihm reden konnte.

 

Jesus hatte immer einen Blick für die Menschen, die ihn wirklich brauchten. Auch im größten Gedränge.

Und so gilt seine ganze Aufmerksamkeit diesem Einen, dem taubstummen Mann.

Er will mit ihm allein sein, nimmt sich für ihn Zeit und ist interessiert an einer ganz persönlichen Beziehung.

Weil wir eben keine Nullen sind, keine Nichts,

sondern von ihm geachtet und wertgeschätzt.

            „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

 

Was weißt du von Jesus?

Ich weiß nicht, wie viel du schon von ihm gehört hast.

Ich weiß nicht, ob du ihm schon ganz persönlich begegnet bist. Aber ich weiß, dass er an dieser Begegnung interessiert ist.

 

Jesus nimmt sich Zeit für den Mann, der nicht hören und nicht reden konnte.

Wie haben die beiden überhaupt miteinander geredet – Jesus und der Taubstumme?

Der Mann ist stumm und unfähig, sich zu äußern.

Taub und nicht in der Lage, die Worte von Jesus zu hören, geschweige denn, zu verstehen.

Doch er ist bereit.

Ganz allein steht er vor Jesus und in der Stille, in der absoluten Stille, begegnet er ihm.

 

Viele Menschen, die mit Jesus leben, erzählen von ähnlichen Erfahrungen.

Sie sitzen in einem Gottesdienst oder besuchen eine christliche Veranstaltung und plötzlich steht die Frage im Raum:

            Bin ich überhaupt bereit, Jesus zu begegnen?

 

•          Elke Werner, Co- Autorin von dem Buch „Stille“, war vor einigen Jahren in Kapstadt. Dort traf sie einen Taxifahrer, der mit Nelson Mandela, dem berühmten südafrikanischen Friedensnobelpreisträger, im Hochsicherheitsgefängnis Robben Island gesessen hatte.

            Beide waren verurteilt worden, weil sie sich als Schwarze für die Abschaffung der Apartheid in Südafrika eingesetzt hatten.

            Als ihr Taxifahrer nach einigen Jahren Haft auf der Insel wieder bei seiner Familie war, nahm seine Frau ihn mit in einen Gottesdienst.

            Er selbst hielt überhaupt nichts vom Christsein und war nur widerstrebend mitgekommen. Doch dann fragte der Pastor, wer von den anwesenden Männern Lust habe, zu einem gemeinsamen Wochenende mitzufahren, um dort mehr über Jesus zu erfahren.

            Seine Frau stieß ihn überrascht an und fragte: „Wieso ist dein Arm oben? Wieso meldest du dich?"

            Auch er war überrascht, weil er selbst gar nicht bemerkt hatte, dass er seinen Arm gehoben hatte.

            Im Rückblick meinte er, dass die Sehnsucht nach einem befreiten Leben ihn dazu gebracht habe, dieses Wochenende mit Christen zu verbringen. Und dass Gott ihn, ähnlich wie den taubstummen Mann, beiseite genommen habe, um mit ihm zu reden.

            Noch auf dem Wochenende mit den Männern entschied er sich, sein Leben ganz Gott anzuvertrauen. Er begann eine Freundschaft mit Jesus, die alles veränderte.

 

So ist Jesus.

So begegnet er auch dem taubstummen Mann.

In diesem Augenblick hat er keinen Blick für die Menge, keine Zeit für die vielen Leute.

In diesem Augenblick hat er nur Zeit für den einen Mann, der nichts nötiger braucht als ihn.

 

Ehrlich:

Das schaffen wir nicht, ich schaffe das nicht!

Ich will ein guter Pastor sein und Zeit für die Gemeinde haben, aber hier scheitere ich.

Während ich mit dem einen rede, übersehe ich den anderen, der so gerne mit mir geredet hätte. Und in dieser Zeit vernachlässige ich zusätzlich meine Familie. Ich fühle mich oft hin- und her gerissen.

 

Bei Jesus ist das anders.

Er ist dir so nahe, spürbar nahe.

Das bringt mich zu einem zweiten Punkt:

 

                        2. Jesus berührt den Mann.

Reden kann er nicht mit ihm. Der Mann versteht kein Wort.

Aber berühren kann er ihn.

Jesus berührt seine Ohren und seine Zunge.

 

Wahrscheinlich haben schon sein Leben lang Leute an ihm herumgezogen.

Kinder sind hinter ihm hergelaufen und haben sich über ihn lustig gemacht.

Fuhrleute haben ihn weggestoßen, wenn er sie nicht kommen hörte,

Handwerker ihn beschimpft, weil er im Weg gestanden hat.

 

Die Berührung durch Jesus ist anders, so ganz anders.

Sie ist liebevoll und erinnert ein wenig an das fürsorgliche Tun eines guten Arztes.

Jesus zeigt mit dieser Berührung: Ich weiß, was dein Problem ist.

Man könnte auch sagen, dass er die wunden Punkte berührt, die Bereiche, die Heilung brauchen.

Schließlich betet Jesus.

Innerlich beteiligt seufzt er und sagt: „Hefata!"

Hefata ist Hebräisch und bedeutet: „Öffne dich."

Es ist ein Befehl, wie ihn nur Jesus aussprechen kann. Hier handelt Gott, hier kommt der Himmel zu einem Menschen.

 

Es geschieht das, was die Freunde des Taubstummen sich so sehr erhofft haben.

Die Ohren tun sich auf.

Was muss das für ein Gefühl gewesen sein, als er plötzlich hörte?

Der Mund tat sich auf.

Kein unverständliches Lallen mehr, Worte formten sich, er konnte reden.

Wir alle wissen, dass beides zusammengehört. Wer nie richtig gehört hat, hat auch oft Schwierigkeiten beim Sprechen.

 

Warum steht diese Geschichte im Neuen Testament?

Warum sollte sie uns interessieren – schließlich ist das über 2 000 Jahre her?

Weil der Heilige Geist uns hier etwas sehr Wesentliches deutlich machen will.

Wenn es um Gottes Reden geht,

wenn es darum geht zu schmecken und zu sehen, wie freundlich der Herr ist, dann sind wir von Natur aus taub, blind und stumm.

-           Wie ist es anders zu erklären, dass Menschen über den herrlichen Sonnenuntergang staunen und den Schöpfer vergessen?

-           Wie ist es anders zu erklären, dass wir dankbar zur Kenntnis nehmen, dass unser Herz ein Leben lang schlägt, aber den Schöpfer vergessen?

-           Wie ist es anders zu erklären, dass eine unendliche Sehnsucht uns ein Leben lang vorantreibt und doch wollen wir den nicht kennenlernen, der alle Sehnsucht stillt?

 

•          In unsere Gemeinde kommen einige ältere Leute, die nicht mehr gut hören oder gut sehen können. Immer wieder frage ich sie, warum sie kommen. Sie suchen die menschliche und göttliche Berührung. Diese erleben sie ganz stark im Gottesdienst. Diese erleben sie im Miteinander mit uns.

 

Jesus kommt und berührt uns.

Wir müssen lernen zu hören, was er uns sagen will.

Er kommt und ein Wunder geschieht. Wir fangen an, ihn zu hören.

 

•          Sabine war eine erfolgreiche Frau. Bei der Geburt ihres ersten Kindes lag sie mit meiner Mutter im Krankenhaus. Dort lernte sie, in der Abgeschiedenheit und Zwangsruhe des Krankenhauses, Jesus kennen. Mit Jesus konnte sie bis dahin überhaupt nichts anfangen. Nun gehört sie zur Mennonitengemeinde in Lügde. Im Krankenhaus erlebte sie die Berührung Gottes.

 

Wir können nicht so einfach beschließen, Gottes Reden hören zu wollen.

Den ersten Schritt muss Gott tun, und er hat ihn getan.

Er sagt:

                        Jeremia 29,13-14

            „Denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR.“

 

Immer wieder passiert es, und ich kann nicht genug davon kriegen.

Da erzählen Menschen, wie sie Jesus begegnet sind.

Sein heilendes Handeln hat ihnen die Ohren und das Herz geöffnet.

Nur so erklärt sich das Wunder der Gemeinde Jesu.

 

Wenn wir dann sein Wort gehört haben, wenn unsere Ohren und Herzen geöffnet sind, dann folgt ein dritter Punkt:

 

                        3. Wir können reden.

 

            Und sogleich taten sich seine Ohren auf und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

 

Auf Gott hören – mit Gott reden. Das macht unsere Beziehung zu ihm aus.

Das meinen wir, wenn wir in diesen Wochen immer wieder von der ‚STILLE' reden.

Nicht eine trostlose, leere, tote Stille!

Nicht die bloße Abwesenheit von Lärm, die dann umso bedrohlicher wirkt, weil unser armes Herz nur noch lauter schlägt.

Nein, Stille meint:

Auf Gott hören und mit Gott reden.

 

            Und sogleich taten sich seine Ohren auf und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

 

Was passiert, wenn Jesus in unser Leben kommt?

Wir können reden, richtig reden, mit Nachdruck und Vollmacht reden.

 

Es ist schon viele Jahre her, aber eine Geschichte hat mich stark beeindruckt. Sie macht deutlich, wie nachhaltig sich unser Leben verändert, wenn wir es Gott anvertrauen.

 

•          Eta Linnemann hatte den Lehrstuhl für Neues Testament an der Universität in Marburg. Sie war also eine Theologieprofessorin!

            Am 13.Februar 1978 schrieb sie an die Studenten ihrer Fakultät folgende Mitteilung: „Ich habe Jesus Christus als meinen lebendigen Herrn erfahren, der für meine Sünde am Kreuz gestorben ist und auferweckt ist und dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Und ich erfahre durch den Heiligen Geist und die Zeugnisse der Schwestern und Brüder die ganze Bibel als Gottes lebendiges Wort, das heute geschieht. Ich habe erkannt, dass ich in meinem Leben ein blinder Blindenleiter gewesen bin. Und ich erachte alles, was ich bisher gelehrt und geschrieben habe, als einen Dreck. Ich kann nicht länger versuchen, das Wort der Schrift mit meinem Denken zu kontrollieren, sondern nur noch darum bitten, dass Gottes Wort durch den Heiligen Geist mein Denken verwandelt."

 

Wir haben 40 besondere Tage vor uns, Tage, die hoffentlich unvergesslich bleiben, weil wir mit ihm geredet und auf ihn gehört haben.

Tage, die uns helfen, in Zukunft besser hinzuhören und fröhlicher von ihm zu reden.

Was für ein Vorrecht, ihn zu kennen und zu wissen:

            Ich bin kein Nichts, sondern ein Gedanke Gottes. Er hört mich, er sieht mich, er redet mit mir.

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