Gehorsam ist besser als Opfer. 1 Samuel 15:22

von Edwin Boschmann

Gehorsam ist besser als Opfer. 1 Samuel 15:22

Seit Donnerstagabend findet in der Tagungsstätte die Bibelfreizeit mit Franz und Erna Esau statt. Heute, hier in diesem Gottesdienst, findet der Abschluss statt. Vielen Dank, dass ihr alle gekommen seid.

Das Thema der Bibelfreizeit waren Texte aus dem 1. Buch Samuel, mit der Überschrift: „Eine Schlüsselfigur für Gottes Handeln!“ Spannend. Zuerst will ich etwas vom Zusammenhang erklären, in dem unsere Predigt verankert ist. Saul war von Samuel zum König ernannt worden. Es war die Übergangszeit der Richterzeit – mit Samuel als letztem Richter – zu der Zeit der Monarchie. Saul bekommt den Auftrag von Gott gegen die Amalekiter zu kämpfen, die immer wieder Israel schwer zu schaffen machten. Saul sollte den Bann gegen die Amalekiter vollstrecken. Alles, Mensch und Tier, musste vernichtet werden. Saul und das Volk handeln aber anders. Zuerst wird der König der Amalekiter leben gelassen, und vor allem werden alle guten und schönen Tiere nicht umgebracht. Sie werden mitgenommen. Als Samuel die ganzen Tiere hört, spricht er Saul auf seinen Ungehorsam an. Dieser verteidigt sich, indem er sagt, dass die Tiere doch als Opfer für Gott bestimmt sind. Damit kommen wir zu dem heutigen Bibelvers aus 1 Samuel 15:22: „Samuel aber sprach: Meinst du, dass der HERR Gefallen habe am Brandopfer und Schlachtopfer gleichwie am Gehorsam gegen die Stimme des HERRN? Siehe, Gehorsam ist besser als Opfer und Aufmerken besser als das Fett von Widdern.“

 

  1. Ehre durch Gehorsam

Im Vergleich von Samuel und Saul zieht sich ein Gedanke quer durch. Samuel hörte auf Gott und war gehorsam. Das kann man von Saul so nicht behaupten. Gehorsam fing schon früh im Leben von Samuel an. Gehorsam hat ja bekanntlich was mit hören zu tun. Als Samuel als kleines Kind neu im Tempel ist, und Gott zu ihm spricht, dann hört Samuel. Am Anfang konnte Samuel die Stimme Gottes noch nicht zuordnen, aber das änderte sich. Mit der Hilfe von Eli lernt Samuel zu Gott zu sagen: „Rede, Herr; denn dein Knecht hört.“ Das waren die richtige Einstellung und der Schlüssel zum Erfolg im Leben von Samuel.   

Wenn ein Angestellter gehorsam ist und tut, was von ihm verlangt wird, ist das eine Ehre für den Vorgesetzten. Wenn ein Volk tut, was von ihm erwartet wird, ehrt das die Regierung – wenn nicht, gibt es ein Katalog der Maßregelungen. Wenn ein Haustier tut was Herrchen sagt, bekommt es normalerweise ein Leckerli. Natürlich sind all diesen Beispielen enge Grenzen gesteckt, wenn wir es mit unserem Gehorsam gegenüber Gott vergleichen. Und trotzdem: Es ehrt Gott, wenn wir ihm gehorsam sind.

Bei uns in der Gemeinde wird sich nächste Woche Kathrin taufen lassen, weil sie dies als Gehorsam gegenüber Gott empfindet, obwohl sie schon seit vielen Jahren bei uns in der Gemeinde Mitglied ist. Gott hat in ihrem Leben hinein gesprochen und das Thema Taufe hat sie nicht mehr los gelassen. Ein Ehepaar aus der Mennonitengemeinde Backnang macht sich jetzt auf den Weg als Missionare nach Zambia, weil seit vielen Jahren dieses Thema sie nicht los gelassen hat. Nun war es endlich an der Zeit das zu tun, was sie die ganze Zeit auf dem Herzen trugen.

Im Regelfall sind es aber nicht die spektakulären Dinge, die im Alltag in unserem Leben Gott die Ehre bringen. Es sind die vielen kleinen Dinge des täglichen Lebens. Wo hast du den Eindruck, dass Gott was von dir will? Wo sollst du auf jemanden zugehen und Liebe üben? Wem sollst du helfen? Wem sollst du mit einem guten und aufmunternden Wort begegnen?

Wenn es um Ehre und Gehorsam zu Gott geht, steht das allermeiste ja bereits in der Bibel geschrieben. Dabei geht es primär um Liebe und Achtung gegenüber Gott und gegenüber unserem Nächsten. Gegenüber Menschen, die uns nahe stehen.

 

2. Konsequenzen von Ungehorsam

In der Geschichte von Samuel und Saul ist eindeutig und unmissverständlich klar, dass Saul nicht auf das gehört hatte was Samuel ihm gesagt hatte. Alles sollte sterben. Stattdessen ist von weitem das Geblöck der vielen Tiere zu hören. Normalerweise war es ja ok sich bei einem Kampf am Eigentum der besiegten Partei zu bereichern. Wobei es meist nur um die eigene Kostendeckung ging. Doch hier hatte Gott anders gesprochen. Saul konnte es nicht lassen. Er wollte gut vor seinen Leuten da stehen. Er wollte die Ehre. Dem Volk alles zu versagen schien nicht angesagt. Doch: Wenn es um Gehorsam oder Ungehorsam geht gibt es keine Kompromisse. Auch heute nicht. Es gibt keinen goldenen Mittelweg. Entweder ich bin Gehorsam oder ich bin es nicht.

Als Eltern kennen wir das sehr gut. Man sagt dem eigenen Kind, dass es etwas nicht tun darf, und es macht grad so weiter, als ob es gar nichts gehört hätte. Wenn Kinder nicht tun was sie sollen, dann schmerzt es den Eltern sehr. Man ist zutiefst verletzt und muss sich überlegen, welche Konsequenzen angesagt sind. Das macht keinen Spaß. Wenn die Kinder noch klein sind, kann man vielleicht besser damit umgehen, aber die Situation ist die Gleiche, auch wenn die Kinder älter sind. Ungehorsam kann nicht toleriert werden. Zum Schutz der eigenen Kinder wie auch um in einer Gesellschaft als Erwachsener nachher seinen Platz finden zu können. Es gibt wenig was schlimmer ist als Kinder, die nie erzogen wurden und bei denen die Umgebung im Erwachsenenalter richtiges Verhalten zeigen muss.

Jona ist ein klares Beispiel eines Propheten, der mit Gottes Anweisungen nicht gut klar kam. Er wusste ganz genau was seine Aufgabe war, und doch wollte er diese Aufgabe nicht ausführen. Er wusste, dass Gott barmherzig ist, aber Jona wollte seine Erzfeinde tot sehen.

Saul war einen faulen Kompromiss eingegangen, den er vor Samuel als heilige Tat kaschieren wollte. Er hatte die guten Tiere leben lassen, wie auch den feindlichen König. Saul wollte Ehre und Macht, und meinte das würde ihm besser tun als Gott zu gehorchen. Die Rechnung ging nicht auf. Die Konsequenz bei Saul war, dass ihm das Königreich genommen wurde.

            Warum sind wir ungehorsam? Weil wir meinen, ungestraft davonkommen zu können. Das gilt im Straßenverkehr wie auch in allen anderen Lebenslagen. Wann sind wir ungehorsam? Wenn wir genau wissen, wir sollen etwas tun, und tun es nicht. Z.B. wenn wir in der Straßenbahn sitzen und es kommt jemand rein, der einen Sitzplatz dringend braucht – wir reagieren aber nicht. Solche Situationen gibt es unendlich viele, bei denen unsere Mitmenschen unsere Hilfe brauchen, und es dann an uns liegt zu helfen oder eben auch nicht. Es kann aber auch gerade umgekehrt sein. Ich kann z.B. genau wissen, dass ich mir Zeit zur Ruhe und Stille Zeit nehmen sollte, und ich tue es nicht, weil es mir leichter fällt, beschäftigt zu sein. Auch das kann durchaus ungehorsam sein, welches als fromme Tat von uns kaschiert wird, weil wir doch in der Zeit etwas Gutes getan haben, oder? Ungehorsam bleibt aber ungehorsam, egal wie gut es auch aussehen mag. Und die logische Konsequenz ist zunehmender Abstand zu Gott. Auf längerer Sicht kann das nur ins Verderben führen. Bei Ungehorsam können wir nicht gewinnen.

In unserer Gesellschaft scheint Indifferenz das größte Problem zu sein. Wir wissen vielleicht, was wir tun sollten, meinen aber, dass es sowieso keinen Unterschied macht, ob wir aktiv sind oder nicht. Wir sehen jemand, der unsere Hilfe braucht, tun aber nichts. Indifferenz. Wir merken, dass wir zu viel tun, nehmen uns aber nicht die nötige Ruhe – Indifferenz. Wir hören vielleicht Gott in unser Leben hinein reden, reagieren aber nicht – Indifferenz. Indifferenz ist genauso Ungehorsam wie falsches Handeln.

 

3. Auf Gott hören ist besser als Handeln

Als Samuel Saul mit seinem Ungehorsam konfrontiert, gibt er vor, er will die Tiere Gott opfern. Ob dem so ist, zweifle ich an. Das wird aber im Bibeltext nicht erwähnt. Ich glaube eher, Saul wollte gut bei seinen Männern da stehen. Das steht an verschiedenen Stellen erwähnt. Aber in 1. Samuel 15:22 steht: „Gehorsam ist besser als Opfer“. Die ganze Welt gehört Gott. Wir können Gott überhaupt nichts bringen. Gar nichts. Nackt sind wir geboren, nackt werden wir auch sterben. Haben wir Güter angehäuft, so werden diese hier auf der Welt bleiben. Und es macht sowieso nichts aus. Die Güter, Zeit oder dergleichen, egal welcher Art sie sind, sind in der Hand Gottes. Er gibt und er nimmt auch wieder zurück. Somit ist klar: Wir können Gott nicht dadurch gefallen, indem wir ihm unsere Zeit, unser Geld oder sonst irgendetwas geben. Die Rechnung geht nicht auf. Wo stehen wir in der Gefahr Gott fälschlicherweise etwas opfern zu wollen? Es mögen Ehrenämter oder Aufgaben sein, die wir in der Gemeinde oder in anderen Gremien übernehmen. Oder es mag Geld sein, das wir für die Gemeinde oder für wohltätige Zwecke spenden. Das mag alles gut gemeint sein, wenn es aber nicht aus einem reinen Herzen kommt, ist es sinnlos.

Auf Gott hören ist besser als Handeln. Es mag trotzdem durchaus sein, dass du gefordert bist Zeit oder Güter in die Gemeinde oder an anderer Stelle zu geben. Dann ist es deine Aufgabe, als Gehorsam gegenüber Gott, dich in diesen Bereichen zu engagieren. Mit Freude und mit einem freimütigem Herzen. Es kann aber auch genauso gut sein, dass du bereits zu viel tust. Dann kann es deine Aufgabe im Gehorsam gegenüber Gott sein, dich etwas zurückzuziehen und in mehr Ruhe und mehr Stille vor Gott zu treten. Dann ist das deine Aufgabe. Es geht um das Hören auf Gott.

Wie im Anfang erwähnt, ist Samuel uns ein Vorbild im Hören auf Gott. Wenn er sich im Zweifel ist, zieht er sich zurück und hört auf Gott, wie etwa als das Volk einen König begehrt. Wenn er ganz dringend gebraucht wird, wie etwa im Kampf gegen die Philister, um die eigenen Leute zu segnen, ist es ihm erst einmal wichtiger in der Abgeschiedenheit tagelang auf Gott zu hören.

 

Welchem Beispiel willst du in deinem Leben folgen? Samuels oder Sauls? Auf Gott hören und zur richtigen Zeit handeln? Ich will Samuel nicht zu hoch heben. Er war ein Mensch wie wir, und seine Kinder sind ihm überhaupt nicht geraten. Und doch kann er uns ein Vorbild im Hören auf Gott sein. Oder ist dir Saul sympathischer? Jung, groß, schön? Aus gutem Hause und wohlhabend? Ihm wurde aber die Königswürde genommen, weil er einfach nicht auf Gott hören wollte. Und das, obwohl er verschiedentlich vom Heiligen Geist in besonderer Weise erfüllt wurde und Gottes Handeln so stark miterlebt hatte.

 

Ich wünsche uns, dass wir uns im Gehorsam trainieren und darin immer besser werden. Das geht nicht über Nacht. Samuel hat sein Leben lang daran gearbeitet. Mögen wir es ebenfalls so tun.

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