Der Finanzminister aus Nubien. Apostelgeschichte 8:26-39

von Edwin Boschmann

Der Finanzminister aus Nubien. Apostelgeschichte 8:26-39

Heute feiern wir die Taufe von Kevin Lehmann. Taufen sind immer besondere Ereignisse. Und dieses Jahr dürfen wir nun die 3. Taufe feiern. Das ist viel Grund zur Freude. Heute wollen wir uns eine ganz besondere Taufe näher anschauen, die wir in Apostelgeschichte 8:26-39 finden. Es handelt sich dort um einen Finanzminister aus Nubien. Das ist die heutige Region von Südägypten, dem Sudan und dem Süd Sudan. Wer kennt sich in diesem Gebiet ein bisschen aus? Ich habe schon seit vielen Jahren großes Interesse an dem Gebiet, obwohl ich selber noch nie dort war. Es leben sehr interessante afrikanische Stämme dort. Allerdings ist es z.Z. leider zu einem Krisengebiet verkommen. Zur Zeit von der unser Bibeltext berichtet war dies noch anders.  In unserem heutigen Bibeltext wird von einem bedeutenden Mann aus genau dieser Gegend geschrieben. Und von einem Mann, Philippus, der sich von Gott leiten ließ. Da steht: „Ein Engel des Herrn forderte Philippus auf: "Geh in Richtung Süden, und zwar auf die einsame Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt." Philippus machte sich sofort auf den Weg. Zur selben Zeit war auf dieser Straße auch ein Mann aus Äthiopien mit seinem Wagen unterwegs. Er war ein Hofbeamter der Königin von Äthiopien, die den Titel Kandake führte, und verwaltete ihr Vermögen. Eben kehrte er von Jerusalem zurück, wo er als Pilger im Tempel Gott angebetet hatte. Während der Fahrt las er im Buch des Propheten Jesaja. Da sprach der Heilige Geist zu Philippus: "Geh zu diesem Wagen, und bleib in seiner Nähe." Philippus lief hin und hörte, dass der Mann laut aus dem Buch Jesaja las. Er fragte den Äthiopier: "Verstehst du eigentlich, was du da liest?“ "Nein", erwiderte der Mann, "wie soll ich das denn verstehen, wenn es mir niemand erklärt!" Er bat Philippus, einzusteigen und sich neben ihn zu setzen. Gerade hatte er die Sätze gelesen: "Wie ein Schaf, das geschlachtet werden soll, hat man ihn abgeführt. Und wie ein Lamm, das sich nicht wehrt, wenn es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen. Er wurde gedemütigt, nicht einmal ein gerechtes Urteil war er seinen Peinigern wert. Niemand glaubte, dass er noch eine Zukunft haben würde. Denn man hat sein Leben auf dieser Erde vernichtet." Der Äthiopier fragte Philippus: "Von wem spricht hier der Prophet? Von sich selbst oder von einem anderen?" Da begann Philippus, ihm die rettende Botschaft von Jesus anhand dieses Prophetenwortes zu erklären. Als sie bald darauf an einer Wasserstelle vorüberfuhren, sagte der äthiopische Hofbeamte: "Dort ist Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich jetzt gleich getauft werde?" Er ließ den Wagen halten. Gemeinsam stiegen sie ins Wasser, und Philippus taufte ihn. Nachdem sie aus dem Wasser gestiegen waren, entrückte der Geist des Herrn den Philippus. Der Äthiopier sah ihn nicht mehr, aber er reiste mit frohem Herzen weiter.“

 

  1. Der Finanzminister auf der Suche

Wer ist dieser Finanzminister, von dem hier die Rede ist? Es ist der Finanzminister des nubischen Königreichs, im Süden von Ägypten und weiter südlich, entlang des Nils. Er ist ein sehr reicher, einflussreicher und mächtiger Mann, der allein der Königin Mutter unterstellt ist. Er ist anscheinend ein gottesfürchtiger Mann, der nach Jerusalem gereist war, um dort Gott anzubeten. Was es mit diesem Gott auf sich hatte, wusste er zwar nicht genau, aber er macht sich auf eine sehr lange Reise um diesen Gott der Juden, dem lebendigen Gott zu begegnen. Wohl gemerkt, er war ein Mann, der schon sehr viel in seinem Leben gesehen hatte und noch immer auf der Suche nach Gott war.

Dieser Finanzminister ist nun auf seiner Rückreise und liest den biblischen Text aus Jesaja 53. Sicherlich hat er sich diese sehr teure Schriftrolle in Jerusalem gekauft. Das ist nicht gerade ein einfacher Text. Er liest den Text, aber er versteht nicht, was er liest. Er liest über eine leidende Person. Wer ist es, der wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird? Wer ist es, der da stirbt? Warum?

Vielleicht geht es dir wie dem Finanzminister damals. Du hast viele Fragen, aber weißt nicht, was das alles für dich bedeuten soll. Vielleicht bist du, wie auch der Finanzminister, auf der Rückreise deiner Suche nach Gott. Du hast vielleicht auch schon angebetet, aber die wirkliche Begegnung mit dem lebendigen Gott hat bei Dir noch nicht stattgefunden. Du hast vielleicht noch nicht einmal mehr Hoffnung fündig zu werden. Und gerade in dieser Situation lässt sich Gott von dem Finanzminister finden. Er schickt einen Menschen, der ihm die frohe Botschaft von Jesus erklärt. Die Neugierde und Beharrlichkeit des Finanzministers und die Bereitschaft des Philippus Gottes Wort auszulegen führten für den Finanzminister zu einer lebensverändernden Begegnung mit Gott.

 

2. Die Begegnung mit Philippus

Philippus ist ein leidenschaftlicher Nachfolger Jesu, der eine führende Person der ersten Kirche in Jerusalem war. Er wird vom Geist Gottes geleitet und zur Pferdekutsche  des Finanzministers gelenkt. Philippus wird geführt, damit er diesem Menschen begegnet, der Gott so beharrlich sucht, weil er merkt, dass ihm etwas fehlt. Ist es ein Zufall, dass jeder einzelne von uns heute hier ist, oder ist es eine Führung Gottes, wie damals? Nicht jede Begegnung in unserem Leben ist eine Führung Gottes, aber manchmal sind Begegnungen sehr wohl von Gott gelenkt, und verändern unser Leben. Geben wir Gott eine Chance heute unser Leben zu verändern? Kevin ist diesen Schritt gegangen. Er lies und lässt sich erklären, was es mit dieser frohen Botschaft auf sich hat. Mit wem identifizieren wir uns eher? Mit dem Suchenden oder mit dem, der Gott kennt und sich von ihm leiten lässt?

Philippus merkt, was der Finanzminister liest und will ihm helfen zu verstehen, was er da liest. Er steigt mit auf die Kutsche und erklärt ihm, dass es sich beim Jesajatext um Jesus Christus handelt. Dass dieser Jesus, Gottes Sohn ist. Dass er, obwohl er schuldfrei wie ein Lamm war, ermordet wurde. Dass dieser Jesus von den Toten auferstanden ist und lebt. Dass es dafür sehr viele Zeugen in Jerusalem dafür gibt.

Im Bibeltext steht, dass Philippus dem Finanzminister die gute Nachricht von Jesus erzählt. Welches ist diese Gute Nachricht? Was ist ihr Kern?

Gott liebt den Finanzminister. Er möchte, dass dieser zu ihm zurückkommt wie der verlorene Sohn im Gleichnis. Gott liebt uns. Jeden einzelnen von uns. Jeden von uns heute Morgen hier. Und er wünscht sich Beziehung mit uns. Das würde Philippus wahrscheinlich zu uns heute sagen.

Unsere menschliche Natur wendet sich von Gott ab, bei jedem von uns. Unser Menschsein ist darauf angelegt unabhängig, selbstständig und mächtig zu sein und das hält uns oft davon ab auf Gott zu vertrauen. Und wir können in unserem Leben auch in unserem Alltag ohne Gott zwar manches erreichen, aber unsere wirkliche Bestimmung werden wir verpassen. Das ist die traurige Nachricht.

Und die gute Nachricht ist, dass Gott uns in Jesus begegnet und sich von uns finden lassen möchte. Er lädt uns ein ihm zu vertrauen. Er lädt uns ein, ein Leben zu führen so, wie er es sich ursprünglich für uns gedacht hat. In Beziehung mit ihm und in reinen Beziehungen mit anderen Menschen. Wie ein solches Leben aussieht sehen wir am besten an dem wie Jesus gelebt hat.    

Und als Bonus schenkt er uns Vergebung. Was uns belastet, was wir in der Vergangenheit falsch gemacht haben und wo wir schuldig geworden sind, dazu sagt Jesus, dass wir es ihm anvertrauen dürfen und dass er es uns vergibt, wenn wir ihn darum bitten. Wir müssen nicht unser Leben lang an den Fehlern der Vergangenheit hängen. Weder von dem was uns angetan wurde, noch von dem was wir anderen angetan haben. Ein Leben mit Jesus macht frei.

Das ist die Botschaft, die die Bibel meint, wenn sie von der „Frohen Botschaft“ spricht.

 

3. Die Taufe

A.

Wer diese Frohe Botschaft zum ersten Mal für sich in Anspruch nehmen möchte, der bringt dies in der christlichen Tradition von je her mit der Taufe zum Ausdruck.

Jesus ermöglicht einen Neustart unseres Lebens. Deswegen wird die Taufe auch als das ablegen des alten Menschen beschrieben, mit allem was ihn von Gott trennte. Bei der Taufe wird dann ein neuer Mensch angezogen. Wir erleben Vergebung unserer Schuld. Wir erleben Befreiung in unserem Leben. Wir erleben Befreiung in unserer Beziehung zwischen Gott und uns. Bis dahin haben wir unser Leben wenig bis gar nicht mit Gott gelebt.

Die Taufe ist der Ausdruck: Ich will auf diesem Weg mit Gott gehen. Taufe ist ein Ja zu Gott – ein Neustart. Es ist eine lebensverändernde Wendung.

Der Finanzminister in unserer Geschichte sagt: hier ist Wasser, spricht etwas dagegen, dass ich getauft werde?

Auch heute in unserem Gottesdienst steht diese Frage im Raum. Was hindert mich daran zum ersten Mal oder auch wieder ganz neu mein Leben Jesus anzuvertrauen? Die Taufe ist ein einmaliges Ereignis. Sie braucht nicht wiederholt zu werden, aber auch für die Getauften kann es gut sein sich wieder neu Jesus anzuvertrauen.

Und für die noch nicht Getauften steht tatsächlich die Frage im Raum. Was hindert mich denn eigentlich daran?

B.

Philippus hat sicherlich einiges erklärt. Aber es waren nicht seine Worte, die den Finanzminister hätten überzeugen können. Philippus hat sicherlich nicht versucht den Finanzminister zu einem Weg mit Gott zu überreden. Noch viel weniger hat er versucht, ihm die Taufe schmackhaft zu machen. Es war diese frohmachende Botschaft von Jesus Christus selbst, durch das Wirken des Heiligen Geistes, die den Finanzminister angesprochen hat.

Der Finanzminister will getauft werden und schiebt diese Sache nicht auf. Er merkt, dass es in seinem Leben dran ist, sich ganz Gott hinzugeben. Es hindert ihn gar nichts, getauft zu werden. Wenn es doch die wichtigste Entscheidung seines Lebens ist, Christus nachzufolgen und Leben die Fülle zu erleben, was soll da noch hindern können?

Damit kommt es, mitten auf der Reise, zum Stillstand. Der lange Weg wird unterbrochen. Wenn wir Gott begegnen, oder besser gesagt: Wenn Gott uns begegnet, wird unsere Lebensreise ebenfalls unterbrochen. Wir müssen inne halten und uns neu orientieren. Damals stiegen alle aus der Kutsche aus. Gott hat im Leben dieses mächtigen Mannes hinein gewirkt. Es ist eine Pause angesagt.

Die Taufe ist ganz unspektakulär. Es wird nicht viel darüber berichtet. Philippus tauft den Finanzminister  und ist dann weg. Vom Heiligen Geist weggenommen. Das ist aber weiter nicht schlimm. Der Finanzminister ist einfach überglücklich und zieht fröhlich seines Weges. Er hat endlich das gefunden, wonach er sich so lange gesehnt hatte. Wonach er sicherlich an so vielen Stellen schon gesucht hatte. Er hat Gott gefunden. Gott hat ihn gefunden. Nun ist er wirklich fröhlich.

 

Heute ist Taufe. Eine Taufe darf nicht aus Druck geschehen, egal welcher Art. Eine Taufe ist nicht eine Erfüllung irgendeiner Pflicht. Es ist vielmehr das Bekenntnis – jawohl, diesen Weg mit Gott will ich gehen. Es ist die Erkenntnis, dieser Jesus Christus ist für mich die frohe Botschaft.

Das wünschen wir dir, Kevin. Viele von uns haben das erlebt. Wer noch nicht getauft wurde, dem wünsche ich eine Begegnung mit Jesus Christus, die das ganze Leben auf den Kopf stellt. Die Begegnung, die wahrhaftig die frohe Botschaft für das eigene Leben ist. Das kann mit einem ganz unscheinbaren Gebet an Gott anfangen, in dem man seine Zweifel vor Gott bringt. Oder wie beim Finanzminister, der die Bibel gelesen hat, auch wenn er noch nicht verstanden hat, worum es ging. Das war der Anfang.

Hier gibt´s Wasser.

Amen

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