Das Wirken des Heiligen Geistes an Orten entdecken, an denen wir es nicht erwarten! Apostelgeschichte 10

von Edwin Boschmann

Das Wirken des Heiligen Geistes an Orten entdecken, an denen wir es nicht erwarten! Apostelgeschichte 10

Gisela Schneider, die einigen von uns in der Gemeinde bekannt ist, kam nach vielen Jahren der Missionsarbeit als Missionsärztin in Afrika zurück nach Deutschland. Zuvor hatte ihr Missionsleiter sie gefragt, wann sie denn missionarisch tätig wäre, da sie doch fast die ganze Zeit nur im Krankenhaus verbringen würde. Das hat sie dazu gebracht, dieser Frage theologisch auf den Grund zu gehen. In ihrer Abschlussarbeit war dann sehr passend das Thema: „Missio Dei.“ Gottes Mission auf dieser Erde, und welchen Platz wir als Menschen darin einnehmen. In anderen Worten: Ist eine Missionsärztin im Glauben aktiv, wenn sie den ganzen Tag fast für umsonst arme Menschen operiert, oder nicht? Ich möchte die Frage für uns etwas umstellen: Wo ist Gott in dieser Welt am Werk, und wie passen wir hinein? Das sehen wir sehr anschaulich am Text von Apostelgeschichte 10. Ich lese uns daraus einige Passagen:

„Es war aber ein Mann in Cäsarea mit Namen Kornelius, ein Hauptmann der Kohorte, die die Italische genannt wurde. 2 Der war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus und gab dem Volk viele Almosen und betete immer zu Gott. 3 Der hatte eine Erscheinung um die neunte Stunde am Tage und sah deutlich einen Engel Gottes bei sich eintreten; der sprach zu ihm: Kornelius! 4 Er aber sah ihn an, erschrak und fragte: Herr, was ist? Der sprach zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind gekommen vor Gott, dass er ihrer gedenkt. 5 Und nun sende Männer nach Joppe und lass holen Simon mit dem Beinamen Petrus.

Am nächsten Tag, als diese auf dem Wege waren und in die Nähe der Stadt kamen, stieg Petrus auf das Dach, zu beten um die sechste Stunde. 10 Und als er hungrig wurde, wollte er essen. Während sie ihm aber etwas zubereiteten, kam eine Verzückung über ihn, 11 und er sah den Himmel aufgetan und ein Gefäß herabkommen wie ein großes leinenes Tuch, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde. 12 Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels. 13 Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! 14 Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Gemeines und Unreines gegessen. 15 Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht unrein. 16 Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Gefäß wieder hinaufgenommen gen Himmel. 17 Als aber Petrus noch ratlos war, was die Erscheinung bedeute, die er gesehen hatte, siehe, da fragten die Männer, von Kornelius gesandt, nach dem Haus Simons und standen schon an der Tür, 18 riefen und fragten, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu Gast wäre. 19 Während aber Petrus nachsann über die Erscheinung, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich;

20 so steh auf, steig hinab und geh mit ihnen und zweifle nicht, denn ich habe sie gesandt.

Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll. 29 Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen.

30 Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand

31 und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. 32 So sende nun nach Joppe und lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer. 33 Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.

Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten.

45 Und die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, weil auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde; 46 denn sie hörten, dass sie in Zungen redeten und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus: 47 Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren, die den Heiligen Geist empfangen haben ebenso wie wir? 48 Und er befahl, sie zu taufen in dem Namen Jesu Christi. Da baten sie ihn, dass er noch einige Tage dabliebe.“

 

  1. Gottes Geist wirkt in unserer Welt

Petrus muss seine Grenzen überschreiten. Er tut etwas, was er bis dahin nie getan hat. Er sieht verlockende Tiere in einem Tuch. Das alles sieht er in einem Augenblick größten Hungers. Das Essen wird vorbereitet, und sicherlich bekommt er bereits etwas vom Duft der Küche mit, als er oben auf der Dachterrasse verweilt und betet. Erschrocken hält Petrus inne und denkt an seine moralischen Werte. Dann sagt er: „O nein, Herr; ich habe noch nie etwas Gemeines und Unreines gegessen.“ Auch wenn es noch so verlockend ist, nein, Petrus würde seine Grenzen nicht überschreiten. Interessant ist es, dass Gott die ganz normalen menschlichen Bedürfnisse von Petrus benutzt, um ihn anzusprechen.

Zur gleichen Zeit wirkt Gott an einem ganz anderen Platz. Da ist dieser gläubige römische Hauptmann, der auch vom Heiligen Geist angesprochen wird. Im Verständnis von Petrus war das ganz einfach. Dieser Hauptmann Kornelius war ein guter Mensch. Er liebte die Juden und hat viel Gutes getan. Das alles ist sehr lobenswert, aber mit Gott hat das wenig zu tun. Im Verständnis von Petrus (und im Verständnis der anderen Jünger und der Juden damals) war dieser Römer trotzdem unrein und tabu.

Ich kenne genug Christen, mit denen ich regelmäßig spreche, die heute nicht viel anders denken. In ihrem Verständnis wirkt Gottes Geist nur in der Gemeinde der Gläubigen – nur im Kreis der Gläubigen. Das ist Gottes Reich. Außerhalb der Gemeinde ist dann die böse Welt. Da haben wir und auch Gott nichts zu suchen.

Petrus wurde eines Besseren belehrt. Zwar war noch die Brücke zwischen unreinen Tieren und unreinen Menschen zu schlagen, aber das hat Petrus hinbekommen. Er hat im Schnellkurs der Schule Gottes gelernt, dass kein Mensch unrein ist. Dafür musste er allerdings seine moralischen Werte überarbeiten, und nachher viele, viele Leute überzeugen, dass er nicht falsch gehandelt hat.

Während meiner Studienzeit in Vancouver wurde ich mit einem Menschen konfrontiert, der als Christ eine Schutzfläche für Vögel in Portugal errichtet hat (A Rocha). Ihm lag der Bereich des Naturschutzes sehr am Herzen. Damals kam bei mir gleich die Frage auf: Was hat das mit unseren Glauben zu tun? Was hat das mit Gott zu tun? Heute bin ich davon überzeugt, das hat alles mit Gott zu tun. Gott hat diesen Mann gebraucht, um sich für die Natur einzusetzen. Sehr, sehr viele Menschen gehen dort hin, die meisten davon haben mit Gott und Kirche nichts am Hut. Doch in dieser besonderen Atmosphäre kommen sehr viele Gespräche über den Glauben zustanden. Einige Menschen haben dort Christus gefunden, obwohl sie nur Vögel beobachten wollten.

Inzwischen ist aus dieser kleinen christlichen Umweltschutzstelle eine ganze Bewegung in der Gegend entstanden. Viele andere Organisationen haben sich ein Beispiel genommen und führen eigene Projekte durch, die der Nachhaltigkeit der Wirtschaft in der Umgebung dienen und dem Schutz der Umwelt. Mitten drin ist A Rocha, als Gott zentrierter Pol, der den anderen Gruppierungen bei der Suche danach hilft zu entdecken, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, wie es in Philipper 4:8 steht.

Ja, Gott ist in dieser Welt am Wirken. Ja, die Arbeit von Gisela Schneider im Missionskrankenhaus war tatsächlich Missionsarbeit. Ja, da wo wir auf unseren Arbeitsstellen und Wohnstätten hingestellt sind, sind Wirkungsbereiche Gottes.

 

2. Wir sind eingeladen mitzuwirken

Petrus wurde damals vom Heiligen Geist geradezu genötigt, aktiv zu werden. Jesus wusste genau, dass sein ihm so ergebener Jünger mit so einer Aktion seine Probleme haben dürfte. Aber am Ende ist Petrus überzeugt. Er sagt: „Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren, die den Heiligen Geist empfangen haben ebenso wie wir?“ Darin ist die Erkenntnis, dass Gott sehr wohl da wirkt, wo Petrus es gar nicht vermutet hatte. Ja, sogar da wirkt, wo es für Petrus massive Grenzen zu überschreiten gab.

In den 40 Tage Stille haben wir geübt nach innen zu schauen. Wo redet Gott zu mir? Wie kann ich ruhig genug werden, um Gottes Stimme zu hören? Wie kann ich die Stimme Gottes von den vielen anderen Stimmen in meiner Umgebung unterscheiden? Im letzten Gottesdienst hat uns Emmanuel darauf hingewiesen, dass wir die Kraft des Heiligen Geistes bekommen haben. Und das diese Kraft nicht versteckt werden kann. Vielmehr will sie in unserer Umgebung Licht und Salz werden.

Heute will ich, dass wir über unseren eigenen Tellerrand schauen. Gott ist durch seinen Geist in unserer Umgebung am Wirken. Gott handelt in dieser Welt. Wenn wir aufmerksam sind, nehmen wir das Handeln Gottes hier und da in unserer Umgebung wahr, oftmals schauen wir aber gar nicht erst hin (Video optische Täuschung einspielen). Was tut sich in deiner Umgebung was ehrbar, was gut, was rein, was gerecht, was liebenswert ist? Von solchen Stellen und Menschen ist Gott nicht weit fern. Dann stellt sich die Frage, wie du da eine Rolle spielen kannst. Und wie du den Menschen, die bereits so positiv bemüht sind, zeigen kannst, dass sie eigentlich schon angefangen haben Gottes Wege zu beschreiten.  

Vor einigen Jahren sprach ich mit einer kenianischen Frau. Ihr Vater war ein angesehener Chief mit 70 Frauen. Ein tief gläubiger Mann. Er wollte nur seine erste Frau haben, aber seine Frau nötigte ihn, die anderen Frauen zu heiraten. Die anderen Frauen waren entweder Witwen oder sonstige Frauen ihres Stammes, die keine Bleibe hatten. Wer würde sich sonst um sie kümmern? Allerdings durfte dieser Chief nicht in die christliche Gemeinde vor Ort. Da wurde Polygamie nicht erlaubt. Was war in dieser Situation Gott wohlgefällig?

Jetzt mal näher zu uns. Wo geschieht etwas Gutes, Gerechtes, Reines in deiner Umgebung? Wie kannst du da Licht und Salz sein? Es gibt viele Initiativen in unserer Umgebung, die gut, sehr gut sind. Wir können natürlich nicht alles unterstützen. Aber was wir können, das sollten wir tun. Und selten müssen wir Hürden nehmen, wie es Petrus oder dieser kenianische Chief tun mussten.

Auch wenn jeder gute Ausreden hat und alle extrem viel beschäftigt sind, finde ich die „Dreck-Weg-Wochen“ z.B. solch eine Initiative. Durch Mangel an Interesse organisiere ich es mal ein Jahr, mal auch nicht. Aber da kann man sich gut mit anderen zusammen tun, die ebenfalls mitmachen wollen. In solchen Aktionen tun wir etwas Gott wohlgefälliges. Und es ergeben sich meist automatisch Möglichkeiten für ein Gespräch mit anderen Menschen – auch über Gott und unsere Beweggründe zu helfen. Oftmals sind es Spaziergänger, die wissen wollen, warum wir aufräumen.

 

Gottes Geist wirkt. Nicht nur in uns, und auch nicht nur in unseren Gemeinden und Kirchen. Gott lässt sich von uns nicht binden oder in Ketten legen. Aber er lädt dich und mich ein, aktiv in unserer Welt zu sein. Selten müssen wir dabei so große Hürden nehmen wie Petrus es musste. Selten müssen wir unser ganzes moralisches Konzept über Bord werfen, um neu anzufangen und Gottes Weg zu gehen. Wir brauchen nur die Augen offen halten und sehen, wo Gott bereits am Wirken ist. Wenn wir da mit einsteigen, dann bin ich überzeugt, dass wir Gott so erleben werden, wie Petrus es damals getan hat. Er ist immer noch derselbe Gott!

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