Das Baby Mose wird gerettet. 2 Mose 2:1-10

Dienstag, 15. August 2017 von Edwin Boschmann

Das Baby Mose wird gerettet. 2 Mose 2:1-10

Die Geschichte von Mose und seiner Errettung als Baby aus dem Nil liest sich fast wie ein Roman. Es ist eine spannende Erzählung, zugleich auch etwas gruselig. Aber es gibt ein Happy End. Also, lasst mich erst einmal diese tollen Verse aus 2 Mose 2:1-10 lesen:

„Und es ging hin ein Mann vom Hause Levi und nahm eine Tochter Levis zur Frau. Und sie ward schwanger und gebar einen Sohn. Und als sie sah, dass es ein feines Kind war, verbarg sie ihn drei Monate. Als sie ihn aber nicht länger verbergen konnte, nahm sie ein Kästlein von Rohr für ihn und verklebte es mit Erdharz und Pech und legte das Kind hinein und setzte das Kästlein in das Schilf am Ufer des Nils. Aber seine Schwester stand von ferne, um zu erfahren, wie es ihm ergehen würde. Und die Tochter des Pharao ging hinab und wollte baden im Nil, und ihre Dienerinnen gingen am Ufer hin und her. Und als sie das Kästlein im Schilf sah, sandte sie ihre Magd hin und ließ es holen. Und als sie es auftat, sah sie das Kind, und siehe, das Knäblein weinte. Da jammerte es sie, und sie sprach: Es ist eins von den hebräischen Kindlein. Da sprach seine Schwester zu der Tochter des Pharao: Soll ich hingehen und eine der hebräischen Frauen rufen, die da stillt, dass sie dir das Kindlein stille? Die Tochter des Pharao sprach zu ihr: Geh hin. Das Mädchen ging hin und rief die Mutter des Kindes. Da sprach die Tochter des Pharao zu ihr: Nimm das Kindlein mit und stille es mir; ich will es dir lohnen. Die Frau nahm das Kind und stillte es. Und als das Kind groß war, brachte sie es der Tochter des Pharao, und es ward ihr Sohn, und sie nannte ihn Mose; denn sie sprach: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.“

 

  1. Klug handeln

Wenn man die ganze Mosegeschichte liest, dann fällt einem auf, wie klug und umsichtig die Hebräer damals gehandelt haben. Da sich die Juden in der Gefangenschaft Ägyptens so stark vermehrt hatten, hatten die Ägypter Angst, diese Sklaven könnten ihnen zur Bedrohung werden. Die hebräischen Hebammen werden angehalten, alle männlichen Babys nicht am Leben zu lassen. Doch die Hebammen lassen sich nicht einschüchtern und sagen, dass die hebräische Frauen alleine entbinden, und sie dabei gar nicht gebraucht werden. Somit können sie das Leben der Babys schützen.

Dann kommen wir zu unserem eigentlichen Text. Für die hebräischen Babys war es trotzdem gefährlich. Dieses junge Ehepaar mit ihrem Baby, dem Mose, überlegt sich, was sie tun können. Sie behalten das Baby solange wie möglich bei sich. Dann tun sie es in ein Körbchen und schicken es den Nil hinab. Und zwar gerade an der Stelle vorbei, wo die ägyptische Prinzessin badet. Das war schon sehr klug.

Das Baby kommt im Korb bei der Prinzessin vorbeigeschwommen. Die Prinzessin erbarmt sich, obwohl sie gleich sieht, dass es ein hebräisches Baby ist. Es ist ja beschnitten. Und obwohl die Prinzessin das Gesetz des Landes kennt, und es wahrscheinlich auch unterstützt, ist sie persönlich betroffen und stellt dieses Baby unter ihren Schutz.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass diese nicht an Gott glaubende Prinzessin den Mose aufzieht und ihn dadurch sicherlich fördert später das Volk Israel anzuführen und in die Freiheit zu führen. Gott sorgt auf wunderbarer Weise für sein Volk.

Wir können einiges von dieser Geschichte lernen.

Diese hebräische Familie verfällt nicht in panische Angst oder Schockstarre. Diese Leute handeln intelligent und besonnen in einer extremen Notsituation. Und trotzdem handeln sie als Juden integer gegenüber ihren Gott. Sie hätten ja auf die Beschneidung von Mose verzichten können, und dadurch seine Überlebenschancen erhöhen können. Sie hätten ihn dann als ägyptisches Baby anpreisen können. Nein, sie waren ihrem Gott und dem Bund mit Gott treu. Obwohl es gefährlich war. Wie sieht es bei uns aus, wenn es unbequem wird?

In Matthäus 10:16 sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“ Wenn ich in unsere Mennonitische Geschichte zurückschaue, dann haben wir durchaus viele solcher guten Beispiele. Die frühen Täufer in der Schweiz waren durchaus sehr kreativ, um sich vor der Verfolgung der Obrigkeit zu schützen. Es wurden Falltüren und Zwischenböden in den Bauernhöfen eingerichtet. Es wurden Höhlen aufgesucht. Und vieles mehr. Die Überzeugung der Wehrlosigkeit haben sie deswegen nicht aufgegeben, aber sie handelten trotzdem klug.

Ich denke aber auch an Benjamin Unruh, der z.Z. des Dritten Reichs hier aus unserer Gemeinde heraus Verhandlungen mit Heinrich Himmler führte (und mit vielen weiteren mennonitischen, christlichen und säkularen Organisationen), um Mennoniten aus Russland zu retten. Er war dabei sehr erfolgreich und konnte viele Mennoniten aus Russland herausholen. Wenn diese Mennoniten auch nicht in Deutschland Platz hatten, konnten sie in viele andere Länder verteilt werden.

Was bedeutet es für uns, klug zu sein wie die Schlange, und trotzdem ohne Falsch? Wir leben nicht in einer Verfolgungssituation. Es geht uns sogar sehr, sehr gut.

Hier kann uns die Prinzessin ein Vorbild sein. Es gibt Leute in unserer Mitte, denen geht es nicht so gut. Zum Beispiel vielen Flüchtlingen. Auch wenn manche mit der Politik die sie zu uns führt vielleicht nicht zufrieden oder einig sind, auch wenn es sicherlich keine Lösung ist, dass alle arme Länder und Kriegsgebiete ihre Menschen zu uns schicken, hoffe ich doch, dass es uns im Einzelfall und bei der persönlichen Berührung mit diesen Menschen so geht wie der Prinzessin. Es jammerte sie. Sie griff persönlich ein und errettete Mose aus dem sicheren Tod. Dieses Eingreifen und Erretten ist nach wie vor unsere Aufgabe. Für dieses Credo stehen wir als Christen in geistlicher wie auch in physischer Hinsicht.

 

2. Gottes Führsorge

Das kluge und intelligente Verhalten sollten wir immer wieder als Vorbild haben. Gott hat uns unseren Verstand gegeben, damit wir ihn benutzen. Und zwar in allen Lebenslagen, und nicht nur in Notsituationen.

Trotz des intelligenten Verhaltens der Eltern von Mose kommt aber ein anderer Aspekt in dieser Geschichte sehr deutlich zum Tragen. Gottes Führsorge. Selbstverständlich blieb ein großes Risiko, als Mose im Korb im Nil ausgesetzt wurde. Es war nicht selbstverständlich, dass die Prinzessin solch einem Unterfangen positiv gegenüber stehen würde. Aber Gott war mit dabei. Es war auch nicht nur die Errettung dieses Babys, die wichtig war. Vielmehr wurde dieses Baby in die Pharaofamilie integriert. Es bekam privilegierten Unterricht. Es wurde auf jeglicher erdenklichen Art gefördert. Dadurch erst wurde Mose fähig, das Volk Gottes aus Ägypten zu führen. Mose lernte seine Führungsqualitäten im Hause des Pharao. Das alles war doch nicht einfach Zufall.

Wir sollen clever sein, wir sollen unseren Verstand nutzen. Wir sollen einen Plan B haben, wenn Plan A in unserem Leben nicht umgesetzt werden kann. Und doch ist es auch für uns von zentraler Bedeutung zu erkennen, dass Gott seine Hand im Spiel hat. Diese Erkenntnis, dass Gott in und durch unser Leben handelt, sollte einiges in uns bewirken. Es sollte uns dankbar und demütig machen. Es sollte uns darauf aufmerksam machen, dass wir begrenzte Wesen sind. Wir können nicht alles schaffen. Unsere Erkenntnis und unser Wirken ist Stückwerk und limitiert. Es sollte uns aber auch anstacheln, das Beste zu geben, was wir können. Es sind Gottes Gaben in unserem Leben, und diese wollen wir voll und ganz ausschöpfen.

Wo erlebt ihr Gottes Führsorge in eurem Leben? Und ich meine nicht unbedingt damit das Sensationswürdige, das Besondere. Das gibt es auch, aber unser Leben wird normalerweise im Alltag gelebt, und nicht im Sensationellen.

Wenn ich mein Leben reflektiere, dann gibt es gute Gründe dafür, warum ich heute da bin wo ich bin. Meine Eltern haben früh in meinem Leben die Nähe und Liebe zu Gott in meinem Herzen geprägt. Meine Eltern haben mein Interesse für Mission und Gemeinde geweckt. Meine Eltern haben in mir geprägt, dass Geld nicht so wichtig ist, und dass Gott für unser Wohlergehen sorgen wird. Meine Eltern haben in mir aber auch geprägt, das uns dieses Denken nicht töricht machen soll, sondern das wir gute Haushalter aller Gaben Gottes sein sollen. In all dem, in meinem ganzen Leben, sehe ich aber über alles Gottes Führung. Er hat Menschen benutzt, vor allem meine Eltern, damit ich der wurde der ich bin. Es ist ein guter Weg, und diesen Weg will ich vor allem meinen eigenen Kindern weitergeben. Aber natürlich auch vielen anderen Menschen. Ich will ein Vorbild für andere Menschen sein, wie ein Leben mit Gott aussehen kann. Und trotzdem muss ich demütig anerkennen, dass es vor allem Gottes Führung ist, die mich gestaltet hat und die andere Menschen um mich herum gestaltet.

 

John Wesley, der Begründer der Methodisten, hatte in Bezug auf Geld drei Regeln, die ich für uns im Bereich der Führung Gottes und unserer Verantwortung übertragen möchte. Und das sind seine 3 Regeln, die ich uns zum Schluss noch mitgeben möchte:

Regel 1: Erwirb soviel du immer kannst – auf unsere Predigt umgesetzt. Alles was wir mit unserem Verstand, mit unserem Leben „erwerben“ können, das sollen wir auch tun. Wir sollen klug sein.

Regel 2: Spar (ein) soviel du kannst – Das, was wir an geistlichem und geistigem erwerben, sollen wir sinnvoll einsetzen. Wir sollen es nicht nur einfach verschwenden.  Unser Leben soll gut und gezielt eingesetzt sein. Es ist ein Geschenk Gottes.

Regel 3: Gib alles was du hast – Wir haben unser Leben von Gott bekommen. Es ist ein Geschenk. Wir sind nicht aus Zufall dort hingestellt wo wir sind. Wir dürfen alles in unserer Macht stehende geben, damit unser Leben gelingt, und damit es ein Segen für unsere Umgebung wird. Dieses dürfen wir mit der Erkenntnis tun, dass Gott unser Leben in seiner Hand hält.

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