Glauben der Mennoniten

Immer wieder haben in der Vergangenheit maßgebliche Vertreter der evangelischen Landeskirchen festgestellt, dass es “in den Hauptstücken des Glaubens” kaum Differenzen zum Täufertum gibt. Entsprechend ihrem gemeinsamen Ursprung in der Reformation betonen ja beide die Zentralität der Bibel. Welches waren dann die Überzeugungen, die die Obrigkeiten der Kirchen so lange Zeit nicht dulden konnten?

  • Das freikirchliche Gemeindemodell der Taufgesinnten – ein anderer Name für Täufer - stellte eine permanente Anfrage an die Landeskirchen dar, die besonders in Deutschland in enger Symbiose mit den politischen Obrigkeiten arbeiteten und noch arbeiten. Auch mit der täuferischen Verweigerung des Eides in der Gerichtsbarkeit sollte demonstriert werden, dass man einen bedingungslosen Gehorsam nur gegenüber Gott, nicht aber den irdischen Machthabern zu leisten gewillt war.
  • Die auf Freiwilligkeit beruhende Kirchenmitgliedschaft beim Täufertum stellte ganz generell die Frage nach der Glaubens- und Gewissensfreiheit. Gemeindeglied wurde man durch das Bekenntnis seines Glaubens und durch die Taufe aufgrund dieses Bekenntnisses (also durch mündige Entscheidung). Traditionell wurde die Kirchenmitgliedschaft auch der protestantischen Untertanen noch vom Glauben des jeweiligen Fürsten bestimmt, nicht aber von der einzelnen Person.
  • Der Glaube an Christus sollte sichtbar werden. Eine Kirchenmitgliedschaft, die sich nicht im persönlichen Leben äußerte, wurde als falsch angesehen. Es war die starke Erwartung vorhanden, dass Gemeindeglieder ihren Glauben im praktischen Leben zeigen. Dies erregte in der damaligen Gesellschaft (Anfangszeit der Täufer) oftmals sowohl Anstoß als auch Bewunderung.
  • Die Stellung der Gemeinde war sehr zentral. Dies war der Ort, wo Glaubensgeschwister zusammenkamen, um Stärkung, Ermahnung, Ermutigung und Korrektur zu erfahren. Im Gemeindeleben soll erfahrbar werden, was Christus uns in Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Versöhnung usw. vorgelebt hat.
  • Das so genannte Priestertum aller Gläubigen ist den Mennoniten von Anfang an sehr wichtig gewesen. So wird man überall ein hohes ehrenamtliches Engagement von Laien in den Gemeinden finden. Theologisch gebildete Mitarbeiter genießen zwar Ansehen, sind aber nicht allein ausschlaggebend für die Prägung der Gemeinden.
  • Solidarität füreinander. Durch den äußeren Druck waren die Gemeindeglieder darauf angewiesen, sich untereinander zu helfen. Die Armen und Bedürftigen wurden und werden von der eigenen Gruppe oft bestens versorgt.
  • Die Verweigerung des Kriegsdienstes ist immer wieder Grund zur Verfolgung von Seiten der Obrigkeit gewesen. Stattdessen wurde von den Gläubigen die Feindesliebe nach der Bergpredigt und durch das Vorbild Jesus propagiert. Die Wichtigkeit von Frieden, Verzicht und Versöhnung wurde deshalb oft zum Stein des Anstoßes.

Diese Anliegen haben die Täuferbewegung über die Jahrhunderte hinweg geprägt und beschäftigt. Auch wenn einige Anliegen heute nicht mehr so stark betont werden, sind sie immer noch Teil des historischen Erbes, das es immer wieder neu zu prüfen gilt und dessen Bewahrung ein hohes Ziel der Mennoniten ist.